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Berufskunde: Goldschmied : Ein Stück für die Ewigkeit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Einen Ring, den schon die Oma getragen hat – Goldschmiede fertigen Erinnerung aus Metall und Edelsteinen

svz.de von
erstellt am 09.Jul.2016 | 16:00 Uhr

Scheu vor dem Umgang mit edlen Materialien wie Gold oder Edelsteinen hat Marie Pichol nicht. Respekt aber schon: „Bei der Arbeit kann unglaublich viel schiefgehen“, sagt die 19-Jährige. Sie ist im ersten Jahr als Auszubildende bei einem Goldschmiedemeisterbetrieb. Wer zu viel an einem Metallstück sägt oder feilt, läuft Gefahr, alles neu machen zu müssen.

Pichol stellt aus Silber oder Gold Ringe, Ketten oder Krawattennadeln her. „Massenware ist das nicht“, sagt sie. Jedes Teil wird individuell angefertigt – nach Besteller-Wünschen oder eigenen Ideen. So klein und zartgliedrig die Teile mitunter sind – im Schnellverfahren lassen sie sich nicht anfertigen. „Nötig sind Zeit und Geduld“, erzählt Pichol.

Als Auszubildende fertigt Pichol zunächst Übungsstücke an – zuletzt einen Herrenring. „Am Anfang war es nur ein Stück Blech.“ Es musste gewalzt, gefeilt und gebogen werden: „Bei der Arbeit muss man sehr genau sein, nichts darf verrutschen.“ Manchmal geht es dabei nur um einen halben Millimeter.

Fingerfertigkeit und handwerkliches Geschick sollten Bewerber für einen Ausbildungsplatz mitbringen. Von Auszubildenden wird zumindest ein Hauptschulabschluss erwartet. Bevorzugt werden allerdings oftmals Kandidaten mit Fachoberschulreife oder Abitur. Bewerber müssen außerdem fit in Mathematik sein. Denn Zahlen gehören zum Alltag – etwa bei der Berechnung des Materials. Von Vorteil sind außerdem gute Kenntnisse in Chemie und Physik. So können Azubis besser nachvollziehen, wie Edelmetalle, aber auch Perlen auf Hitze oder Druck reagieren.

Ein Muss sind daneben gute Fähigkeiten im Zeichnen. Denn bevor Goldschmiede ein Schmuckstück anfertigen, entwerfen sie es auf Papier. „Zum Teil wird auch Computerwissen verlangt, da einige Betriebe mit PC-gestützten Zeichenprogrammen arbeiten“, erläutert Brigitte Seyfried vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn.

Wer einen der nicht gerade zahlreichen Plätze bekommen hat, durchläuft eine dreieinhalbjährige Ausbildung. Jugendliche lernen im Handwerksbetrieb oder in der Industrie sowie in der Berufsschule. Daneben gibt es eine rein schulische Ausbildung. In den ersten beiden Jahren beschäftigen sich Azubis etwa damit, wie Edelmetalle zugeschnitten werden.

In der Werkstatt üben die angehenden Fachkräfte das Glühen. Dabei wird das Metall stark erhitzt. Dadurch verändert sich die Dehnbarkeit des Materials. Jetzt können Goldschmiede es etwa walzen oder hämmern, bis es die gewünschte Form hat. Anschließend wird die Fläche verziert.

Die Ausbildung ist vielseitig: Gelernt wird, wie man Schmuck mit Edelsteinen wie etwa Diamanten oder Smaragden besetzt. Auf der Tagesordnung steht auch, wie man Schmuckglieder aus Edelmetallen zu Ketten oder Armbändern zusammenfügt. Auch das Schmieden, Reparieren oder Umarbeiten von Schmuckstücken ist Inhalt der Ausbildung. In einem Goldschmiede-Betrieb kommt neben der handwerklichen Tätigkeit auch die Kundenberatung dazu.

Genau diese Mischung reizt Marie Pichol. Um ihrem Traumberuf nachgehen zu können, nimmt sie in Kauf, dass die Bezahlung eher unattraktiv ist. Laut BIBB schwankt sie zwischen 220 bis 850 Euro im ersten, 250 bis 900 Euro im zweiten, 300 bis 980 Euro im dritten sowie 320 bis 1060 Euro im vierten Ausbildungsjahr. Die genaue Höhe hängt davon ab, ob die Ausbildung in der Industrie oder im Handwerk erfolgt. Im Handwerk kommt es auch auf die Betriebsgröße sowie die Region an.

Nach der Ausbildung arbeiten Goldschmiede in der Industrie, im Betrieb, in Galerien, als Restaurator oder Gutachter. Das Einstiegsgehalt beträgt laut BIBB zwischen 1500 und 1600 Euro. Es kann auch niedriger sein. Wer weiterkommen will, kann den Meister machen oder ein Gestalter- oder Designer-Studium anschließen.

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