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Beruf & Karriere

21. Oktober 2017 | 12:34 Uhr

Studium : Ein paar Sorgen weniger

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sandra Baßler ist Spitze in einer Männerdomäne – die Wismarer Studentin wird deshalb mit einem Deutschlandstipendium gefördert

svz.de von
erstellt am 15.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Eine Beststudentin stellt man sich irgendwie anders vor. Sandra Baßler, Deutschlandstipendiatin und damit eine der leistungsstärksten an der Hochschule Wismar Studierenden, sieht auch nicht so aus, als würden Regeltechnik und Motoren sie begeistern. Zierlich, die blonden Haare mit einer Spange aus dem Gesicht gehalten, könnte man sich die 23-Jährige an vielen Orten eher vorstellen als in einer Halle voller dröhnender Maschinen oder vor einer Reihe von Computern. Doch die junge Frau, die aus Grevesmühlen stammt, hat sich bewusst für die Ausbildung in einer Männerdomäne entschieden. Sie studiert Informations- und Elektrotechnik, ihr Spezialgebiet ist die Automatisierungstechnik. Dabei geht es, vereinfacht gesagt, darum, Maschinen oder Anlagen zu automatisieren, also Lösungen zu entwickeln, wie sie selbstständig und ohne Mitwirkung von Menschen betrieben werden können.

Das sei total spannend, beteuert Sandra Baßler, etwas anderes als einen technischen Beruf habe sie sich nie vorstellen können. BWL? „Bloß nicht.“ Geschichte? „Um Himmels Willen, das ist überhaupt nichts für mich.“ Design? „Kreatives geht mir völlig ab.“ Schon am Gymnasium seien Mathe und Physik ihre Lieblingsfächer gewesen, erzählt sie. Eine Exkursion an die Rostocker Universität hätte letztlich den Ausschlag für die Wahl des Studienfaches gegeben. Wegen der Nähe zum Elternhaus habe sie sich für Wismar als Studienort entschieden.

Auch dort ist Sandra Baßler, die noch zwei Semester des Masterstudiums vor sich hat, eine Exotin: Außer ihr gibt es gerade einmal drei andere Frauen, die sich für diesen Masterstudiengang entschieden haben. Vorher, beim Bachelor, waren von den mehr als 50 Studierenden ihres Jahrgangs immerhin noch sieben weiblich, erinnert sie sich. Gestört habe sie das nie. Ärgerlicher sei da schon gewesen, dass viele Kommilitonen bereits einen technischen Beruf erlernt hatten. „Ihnen fiel der Einstieg ins Studium natürlich leichter“, gesteht sie. Doch Sandra Baßler hat sich reingekniet – und den Bachelor mit der Note 1,0 abgeschlossen. Als Einzige im Studienjahr.

Nein, zugeflogen sei ihr das nicht, lässt sie sich entlocken. Sie müsse viel und regelmäßig lernen. Deshalb sei sei auch besonders froh, dass es mit dem Deutschlandstipendium geklappt hat. Denn da sie ihren Lebensunterhalt mit BAföG bestreitet, hätte sie ansonsten arbeiten gehen müssen, um beispielsweise Weihnachtsgeschenke kaufen oder größere Anschaffungen machen zu können. Das aber wäre sicher nicht ohne Auswirkungen auf das Studium geblieben. „Jetzt hab’ ich schon ein paar Sorgen weniger.“

Als eine von vier Deutschlandstipendiatinnen der Hochschule Wismar bekommt Sandra Baßler nun bis zum Ende ihres Masterstudiums monatlich 300 Euro. Eine Hälfte davon steuert der Bund bei, die andere Hälfte die Rostocker Niederlassung des Engineering-Dienstleisters Ferchau.

„Viele Studenten müssen ihr Studium durch Nebentätigkeiten selbst finanzieren. Durch die doppelte Belastung können sie ihr Potenzial aber nicht voll ausschöpfen“, erklärt der Rostocker Ferchau-Niederlassungsleiter Karsten Schulz. „Mit dem Deutschlandstipendium unterstützt Ferchau sie dabei, sich ganz auf ihr Masterstudium zu konzentrieren und so einen weiteren wichtigen Baustein für ihre berufliche Laufbahn zu legen.“

Auch wenn das Profil des Unternehmens im konkreten Fall durchaus zu den beruflichen Ambitionen der Stipendiatin passen würde: Bewusst ausgesucht haben beide einander nicht. Die Hochschulen entscheiden letztlich darüber, wer durch wen gefördert wird. Denn längst nicht jeder leistungsstarke Student, der wie Sandra Baßler ein Deutschlandstipendium beantragt hat, bekommt es auch – zumindest hier im Nordosten. Dreh- und Angelpunkt sind fehlende private Fördermittel, die von den Hochschulen eingeworben werden müssen: An der Universität Greifswald beispielsweise haben sich zum Wintersemester 120 Studierende um die Förderung beworben – das Deutschlandstipendium bekommen haben letztlich 37, immerhin vier mehr als 2012. In ganz Mecklenburg-Vorpommern wurden dagegen im Herbst mit 125 zwei Deutschlandstipendien weniger als im Vorjahr vergeben.

Deutschlandweit wurde das Stipendium seit 2011 bereits 14 000 Mal vergeben. Etwa zwei Drittel aller Hochschulen und Universitäten beteiligen sich.

 



 

 

 

 

 


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