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Beruf & Karriere

21. November 2017 | 07:37 Uhr

Der kleinste gemeinsame Nenner

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svz.de von
erstellt am 01.Mär.2012 | 10:47 Uhr

Waren/Müritz | Es gibt sie also doch, eine verbindliche Idee in der bundesweiten Bildungslandschaft: Das Projekt "Ideen für mehr! Ganztägig lernen" wirbt mit diesem kleinsten gemeinsamen Nenner und nennt sich "das einzige Schulentwicklungsprogramm, bei dem alle Länder und der Bund an einem Strang ziehen". Der "PISA-Schock" im Jahre 2001 hatte ein Umdenken bewirkt: Um bessere Ergebnisse zu erzielen, sollte Schule mehr Raum erhalten. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung legte 2003 zunächst das milliardenschwere Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" auf, ein erster praktischer Schritt auf dem Weg zum Aufbau der Ganztagsschule. Landauf landab wurden Schulhäuser saniert, um- und ausgebaut.

Parallel dazu sorgte das Bundesministerium für eine inhaltliche Begleitung: Mit Hilfe der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung wurden in allen Bundesländern Serviceagenturen eingerichtet, die ihren Auftrag im Namen führen "Ganztägig lernen". Das Büro für Mecklenburg-Vorpommern entstand Ende 2004 unter dem Dach der RAA im Land, der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie, in Waren an der Müritz. Ein Kooperationsvertrag mit dem Bildungsministerium schreibt - vorerst bis Ende 2014 - die Unterstützung des Landes fest: Drei gestandene Pädagogen arbeiten mit jeweils einer halben Stelle in der Agentur. Mit zwei weiteren Kollegen mühen sie sich, die Ganztagsschulen im Land voranzubringen, sowohl was die Zahlen, als auch die Konzepte betrifft. Als "Lobby-Arbeiter für das Thema", wie Dirk Kollhof, Lehrer vom Neustrelitzer Gymnasium Carolinum es nennt, bieten sie Beratung an, organisieren Hospitationen und Weiterbildungen, bringen Schulen in Netzwerken zusammen - teils über Ländergrenzen hinweg. Der Weg zur funktionierenden Ganztagstagsschule verlaufe stets individuell, darum sei der Austausch so wichtig, heißt es aus der Serviceagentur.

Ihre Zielgruppe sind dabei nicht allein Schulleiter, sondern auch das Lehrerkollegium, die Schüler- und Elternschaft sowie die Partner der Ganztagsschule. "Ganztagsschule funktioniert nur gemeinsam und mit Unterstützung", sagt Teamleiterin Maria Parttimaa-Zabel. Schon das Schulgesetz setzt für diese Schulform den Beschluss der Schulkonferenz voraus, das Einvernehmen mit dem Schulträger und die Genehmigung der Schulbehörde.

In Mecklenburg-Vorpommern gilt das Prinzip der Ganztagsschule nur für weiterführende Schulen. Grundschulen firmieren dagegen unter der Bezeichnung "verlässliche Halbtagsschule" - unabhängig von ihren Öffnungszeiten. Seit 2009 favorisiert die Landespolitik das Modell der voll gebundenen Ganztagsschule: Vorgeschrieben ist, dass Schüler an mindestens drei Tagen die Woche sieben Zeitstunden in der Schule verbringen, dass sie an diesen Tagen nach Schulschluss keine Hausaufgaben mehr zu erledigen haben und dass es ein warmes Mittagsessen gibt. Es geht darum, die klassische Trennung zwischen Schule am Vormittag und zusätzlichen Angeboten am Nachmittag in eine sinnvolle Ordnung zu bringen, wie Dirk Kollhof erklärt. Um die Zahl der Fächer an einem Schultag überschaubar zu halten, wird meist in Blöcken von 90 Minuten unterrichtet. Zusätzlich zu Lehrplanfächern, Hausaufgabenzeiten und Förderstunden stehen die Ganztagsangebote im Stundenplan. Sie werden mit Hilfe von Kooperationen unterbreitet. "Der Fantasie der Schulen sind dabei keine Grenzen gesetzt", sagt Maria Parttimaa-Zabel und zählt typische Ansprechpartner auf: Sportvereine, Musikschulen, Ehrenamtliche, Handwerker.

Die neue Landesregierung hat sich im Koalitionsvertrag zur Ganztagsschule bekannt, was deren Lobby-Arbeiter als gutes Zeichen werten. Denn eines lässt sich nicht übersehen: Ganztagsschulen könnten mehr Unterstützung vertragen. Beispiel 1: Die Zahl der Lehrerstunden ist knapp bemessen. Pro Schülernase gibt es nur 0,1 Lehrerstunde. Beispiel 2: Anders als in Sachsen haben Schulen in Mecklenburg-Vorpommern kein Budget für Aufwandsentschädigungen oder Reisekosten ihrer Kooperationspartner. Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) hat in diesem Zusammenhang bereits laut nachgedacht, ob sich nicht Vereine, die Landesförderung erhalten, noch stärker für das Thema engagieren sollten.

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