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Körperschmuck bei der Jobsuche : Tattoos und Piercing –Jobkiller oder akzeptiert?

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Aus der Onlineredaktion

Mit oder ohne? Tattoos und Piercing sind Geschmacksache, ganz so wie Kleidung, Frisur oder Make-up. Was der eine mag, findet der andere grässlich. Im Berufsleben allerdings bergen Ringe, Stecker und Körperschmuck ein gewisses Konfliktpotenzial, zumindest in einigen Branchen.

svz.de von
erstellt am 14.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Permanenter Körperschmuck ist unter jungen Leuten heute fast so etwas wie Normalität geworden. Rund 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind tätowiert. Tattoos sind im Alltag angekommen und unter manch einem Geschäftsanzug verbirgt sich heute ein kunstvolles Tribal. Dennoch sind die Regeln in der Arbeitswelt nicht ganz so einfach. Ausbilder entscheiden am Ende ganz allein. Wenn ihm oder ihr Dein Auftreten nicht gefällt, wirst Du nicht eingestellt. Das ist zwar vielleicht nicht immer gerecht, aber Fakt.

In vielen Firmen gibt es keinen festgeschriebenen Dresscode. Und doch ist nicht alles erlaubt – und vor allem erwünscht. Gerade neue Auszubildende hinterlassen mit der falschen Garderobe schnell einen falschen Eindruck. „Ich bin ein Eindringling in einem fremden Revier“, erklärt Modeberater Andreas Rose aus Frankfurt. Es sei daher besser, sich erst mal schlicht und zurückhaltend zu kleiden – als Zeichen, sich integrieren zu wollen. Rose rät zum Beispiel zu den Farben Grau, Blau und Braun. Aber nicht zu Schwarz. „Schwarz ist für mich ein Zeichen von Macht und Dominanz“, erklärt der Modeberater. Für Auszubildende passe das natürlich nicht. Einen Eindruck vom grundsätzlichen Stil des Kollegenkreises bekomme der neue Auszubildende schon im Vorstellungsgespräch, erläutert Rose. Auch ein Blick auf die Homepage des Unternehmens und in Bildergalerien kann helfen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund empfiehlt, das Thema „Körperschmuck“ mit dem Chef vor Ausbildungsbeginn bei Bedarf zu besprechen. Meistens liegen Azubi und Ausbilder gar nicht so weit auseinander. Schlau ist es, möglichst gar keine Angriffsfläche anzubieten, d.h. mindestens im Bewerbungsgespräch: Stecker ziehen und Tattoos verdecken. Wie es später im Arbeitsalltag aussieht, ist immer eine Sache der Absprache. In einigen Handwerksberufen müssen Piercings ohnehin aus Sicherheitsgründen abgedeckt oder entfernt werden, da sie ein gewisses Unfallrisiko bergen. Recht klar ist die Sache auch bei der Polizei: Bewerber dürfen keine sichtbaren Tätowierungen haben, sonst werden sie nicht eingestellt – Ausnahmen sind selten.

Überhaupt variiert die Toleranz je nach Gewerbe. Meist gilt folgende Regel: Je mehr Kundenkontakt Du in Deinem Job hast und je „wichtiger“ die Leute sind, mit denen Du regelmäßig zu tun hast, desto dezenter sollte der Körperschmuck sein.

Ausnahmen sind oft kreative oder künstlerische Berufe – bei Banken, Versicherungen, im öffentlichen Dienst sowie im Verkauf und Vertrieb solltest Du unbedingt vorsichtig sein, gucken, wie sich die Kollegen zeigen und im Zweifelsfall nachfragen. Auch in der Gastronomie könnte es Probleme geben, besonders im Servicebereich. Ebenso in der Personenbeförderung, bei direktem Kontakt mit Reisegästen.

Ob Du Dir ein Tattoo stechen lässt oder nicht, ist rechtlich gesehen Deine Privatsache. Der Arbeitgeber kann allerdings von Dir verlangen, während der Arbeitszeit bestimmte Kleidung zu tragen, Schmuck zu entfernen und sichtbare Tattoos abzudecken. Sich tätowieren zu lassen, darf der Arbeitgeber aber nicht verbieten. Wenn es Zugeständnisse seitens des Arbeitgebers gibt, etwa Piercingschmuck am Ohr geduldet wird, sollte man dies nicht unbedingt ausreizen: Der allzu abgefahrene Tunnelschmuck muss es vielleicht nicht unbedingt sein. Immer bedenken: Für viele bedeutet eine Ausbildungsstelle auch eine Übernahmechance – die will man sich ja durch Körperschmuck nicht vermasseln. Auch, ob sich ein dauernder Konflikt am Ende lohnt, solltest Du Dir gut überlegen. Im schlimmsten Fall wird Dein Verhalten als geschäftsschädigend ausgelegt – dann ist es mehr als fraglich, dass Du in Deinem Beruf besonders glücklich wirst. Horst Schmitt von der Arbeitsagentur weiß: „Soziale Kompetenz ist ein wichtiges Thema für Ausbilder. Dazu gehört auch Kompromissbereitschaft in Fragen des Auftretens. Wer das nicht berücksichtigt, hat bei Chefs schlechte Karten.“

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