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Lehre in der Schule oder im Betrieb

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erstellt am 11.Okt.2010 | 06:15 Uhr

Konnten sich noch vor Kurzem Betriebe aus einer Vielzahl von Bewerbern "ihre" Lehrlinge aussuchen, ist es heute umgekehrt: Schulabgänger - zumindest solche mit vorzeigbaren schulischen Leistungen - haben die Qual der Wahl zwischen diversen Firmen und Institutionen, die Ausbildungsplätze anbieten. Und nicht nur Betriebe bilden aus: Es gibt auch eine Vielzahl von Schulen, in denen man einen Beruf erlernen kann.

Letztere haben allerdings bei vielen jungen Leuten einen schlechten Ruf - völlig zu Unrecht. Denn es gibt eine Vielzahl von Berufen, die nur über eine schulische Ausbildung erlernbar sind. Dazu zählen vor allem die Assistenzberufe im technischen, naturwissenschaftlichen, medizinischen und kaufmännischen Bereich, Gesundheitsberufe, soziale und sozialpflegerische Berufe oder auch "Fremdsprachenberufe". Auch im künstlerischen oder gestalterischen Bereich gibt es zur rein schulischen Ausbildung oft keine Alternative.

Zwar überwiegt bei schulischen Ausbildungen die theoretische Wissensvermittlung. Doch auch diese Berufsschüler sammeln bereits praktische Erfahrungen - entweder ebenfalls in der Schule, oder bei Praktika, die sie in Betrieben leisten.

Natürlich haben Jugendliche, die eine betriebliche Ausbildung absolvieren, gegenüber Gleichaltrigen an Schulen den Vorteil, dass sie sich ihrem potenziellen Arbeitgeber bereits während der Lehre von der besten Seite präsentieren und so für eine Anstellung nach der Berufsausbildung empfehlen können. Wer an einer Schule lernt, hat dagegen nur die relativ kurzen Praktikums-Abschnitte, in denen er bei einem eventuellen späteren Arbeitgeber einen guten Eindruck hinterlassen kann. Möglich ist aber auch das.

Vergütung

Der Hauptgrund, weshalb viele junge Leute einer betrieblichen Ausbildung den Vorzug geben, ist aber das Geld. Denn ein Betrieb zahlt für die Dauer der Ausbildung eine Vergütung und nicht selten auch noch vermögenswirksame Leistungen.

Bei rein schulischen Ausbildungen dagegen wird nur in den wenigsten Fällen (z. B. in der Krankenpflege) eine Ausbildungsvergütung gezahlt. Ansonsten muss Bafög beantragt werden. Zuständig dafür sind die Ämter für Ausbildungsförderung beim Landkreis bzw. der kreisfreien Stadtverwaltung.

Außer von einer Reihe persönlicher Voraussetzungen und dem angestrebten Berufsabschluss ist für die Bafög- Bewilligung von Belang, wie hoch das Einkommen der Eltern bzw. bei verheirateten Auszubildenden das des Ehepartners ist. Schlimmstenfalls heißt das, für die Dauer der Ausbildung weiter vom Taschengeld zu leben, das die Eltern zahlen. Aber auch wenn Bafög gewährt wird, müssen reine Berufsschüler oft mit weniger Geld auskommen als ihre Altersgefährten, denen der Betrieb eine (tarifliche) Ausbildungsvergütung zahlt.

Ganz dicke kommt es für all jene, die sich für die Berufsausbildung an einer nicht-staatlichen Schule entscheiden. Dort fällt nämlich in aller Regel auch noch ein Schulgeld an - oft allerdings sozial gestaffelt, sodass auch Kindern aus weniger betuchten Familien der Schulbesuch ermöglicht wird.

Anforderungen

Für eine betriebliche Berufsausbildung ist gesetzlich kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Dennoch wird in vielen Berufen - z.B. im kaufmännischen Bereich oder in Medien-/IT-Berufen - mindestens die mittlere Reife mit guten Leistungen erwartet.

Bei schulischen Ausbildungen sind die Zugangsvoraussetzungen geregelt, das heißt, es wird z.B. eine bestimmte Schulbildung verlangt. Die Auswahl erfolgt, sofern mehr Interessenten als Schulplätze vorhanden sind, nach den Zeugnisnoten.

Schulen haben gewöhnlich feste Anmeldetermine, die eingehalten werden sollten. Auch bei vielen Betrieben ist es üblich, dass Bewerbungen schon lange vor Beginn des Ausbildungsjahres erfolgen müssen. Bei Banken und Krankenkassen ist oft schon ein Jahr vorher Bewerbungsschluss, bei vielen größeren Betrieben geht nach dem Jahreswechsel nichts mehr. Rechtzeitiges Nachfragen - und Bewerben - bewahrt vor Enttäuschungen.

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