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Ausbildung : In Opas Fußstapfen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Damiano Schilardi macht eine Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher

Die richtige Haltung beginnt in den Füßen. Sie sind das Fundament, auf dem der Körper steht. Fehlstellungen im Fuß können von den Knien, über die Hüften bis zum Rücken den gesamten Bewegungsapparat beeinflussen. Das führt zu Haltungsproblemen und Schmerzen.

Dagegen hilft passendes Schuhwerk. An dieser Stelle beginnt der Job des Orthopädieschuhmachers. Anders als es die Berufsbezeichnung suggeriert, stellen sie nicht nur Schuhe her. Sie konstruieren Einlagen oder bearbeiten die Sohlen bestehender Schuhe.

In dem Job braucht es viel handwerkliches Geschick. Außerdem ist ein gutes Augenmaß von Vorteil. „Wir arbeiten an vielen Stellen frei“, erklärt Damiano Schilardi. Er macht eine Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher und ist gerade am Ende des ersten Lehrjahres.

Die Ausbildung dauert im Regelfall dreieinhalb Jahre. „Die Jugendlichen lernen nicht nur das Handwerk, sondern medizinische und anatomische Grundlagen“, erklärt Werner Dierolf, Orthopädieschuhmachermeister aus Obersontheim in Baden-Württemberg und Schilardis Ausbilder.

Schilardis Wurzeln liegen in Apulien. Dort kommt sein Großvater her, ein gelernter Modeschuhmacher. Der Beruf des Opas war letztlich der Auslöser für den Berufswunsch des Enkels. Beim Gestalten der Schuhe hat Schilardi nicht so viele Freiheiten wie sein Großvater. Die Beschwerden des Kunden geben den Rahmen vor. Beim diabetischen Fuß fällt die Bettung des Schuhs dicker aus, damit er viel Schutz und Dämpfung hat. Dadurch wird der Schuh voluminöser.

Gestalterisch mehr geht bei nur gering ausgeprägten Senk- oder Knickfüßen. Grundsätzlich ist die Funktion jedoch deutlich wichtiger als das Aussehen. Von Vorteil ist es dennoch, wenn sie gut aussehen: „Der modische Touch bei orthopädischen Schuhen wird wichtiger“, sagt Christiane Reuter vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

Die Herstellung eines orthopädischen Schuhs ist ein komplexer Prozess: Der Fuß wird untersucht und gemessen, seine Form mit einem Abdruck erfasst. Daraus wird dann der sogenannte Leisten hergestellt. „Auf Basis des Leisten wird ein Probeschuh hergestellt“, sagt Dierolf, der außerdem Präsident des Zentralverbands Orthopädieschuhtechnik (ZVOS) ist. Den probiert der Kunde an, danach werden letzte Korrekturen vorgenommen.

Ein orthopädischer Maßschuh hat seinen Preis: „Im Schnitt etwa 1000 Euro“, erläutert Dierolf. Immerhin: Meist gibt es die Schuhe auf Rezept. Der Maßschuh sei zwar immer noch das Herzstück des Handwerks, erklärt Reuter vom BIBB. Inzwischen rüsten die Fachkräfte jedoch auch häufiger als früher Konfektionsschuhe mit orthopädischen Maßnahmen auf.

Außerdem verändert technischer Fortschritt den Job. Schon jetzt erstellen sie 2D- und 3D-Scans von Füßen, machen digitale Ganganalysen, gestalten Modelle mit der Software CAD und lassen sie mit CNC-Fräsen bearbeiten. Orthopädieschuhmacher haben gute Zukunftsaussichten. „Krankheitsbilder wie Rheuma, Diabetes, Gicht nehmen zu, der Bedarf nach passenden Schuhen damit auch“, sagt Dierolf. Auch Sportler suchen heute nach optimierten Schuhen und kommen dafür immer häufiger in die Läden der Orthopädieschuhmacher.

 

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