zur Navigation springen

Top-Azubi 2016 : Aus Liebe zu Lack und Ente

vom
Aus der Onlineredaktion

Lia Raatz absolviert derzeit ihre Ausbildung zur Fahrzeuglackiererin und nimmt heute am Wettbewerb Top-Azubi 2016 in Rostock teil

von
erstellt am 01.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Egal ob Autos, Motorradhelme, Türgriffe oder sogar Blumenkübel: Im Autolackier-Fachbetrieb von Jan Alwardt bekommt alles einen neuen Anstrich, das lackiert werden kann – auch ungewöhnliche Sonderwünsche der Kunden. Das die 23-jährige Lia Raatz einmal hier landen würde, war eigentlich klar. Erste Wahl war trotzdem ein Chemiestudium.

„Ich habe drei Semester durchgehalten, bis mir endgültig klar wurde, dass ich lieber mit den Händen arbeite“, sagt sie mit einem großen Lächeln. Die eigene Tagesleistung sei zum Anfassen eben imposanter als nur gekritzelt auf Papier. Ursprünglich stammt Lia Raatz aus Baden-Württemberg, wo ihr Vater eine KFZ-Werkstatt für „Enten“ betreibt. Die Leidenschaft fürs Schrauben und diese bestimmten Fahrzeugtypen wurde der heute 23-Jährigen also fast mit in die Wiege gelegt. In der heimischen Werkstatt stehen zahlreiche der Citroën 2CVs, die zwischen Sommer 1949 und Mitte 1990 produziert wurden. „Mein Vater hat sogar ein Cabrio und ein Schwimmfahrzeug der Sorte“, sagt Lia stolz. Sie selbst besitzt natürlich auch eine Ente. „Ein anderes Auto kommt für mich nicht in Frage.“ An dem Gefährt – mit neuem TÜV gekauft, betont die Auszubildende – wurde schon viel herumgeschraubt. Ihre Lackierfähigkeiten hat die 23-Jährige daran noch nicht ausprobiert, aber auch das ist demnächst dran.

Fest steht für die derzeit Wahl-Rostockerin auch, dass sie nach der Ausbildung im Betrieb ihres Vaters arbeiten möchte – nicht nur, weil dort so viele Versionen ihres Lieblingsautos auf sie warten. „Auf jeden Fall werde ich den reinen Schrauber-Betrieb um Lackierarbeiten erweitern. Vielleicht übernehme ich das Geschäft sogar mal“, sagt sie.

Nicht, dass es ihr in Mecklenburg-Vorpommern nicht gefallen würde. Vor allem das Meer hat es der Auszubildenden angetan. „Außerdem sind die Menschen hier direkter als zu Hause. Sie sagen einem alles ins Gesicht.“

Wie beispielsweise Chef Jan Alwardt, der ihr vorschlug, sich beim Wettbewerb „Top-Azubi 2016“ zu bewerben. „Späte-stens als ich ihre Zeugnisse gesehen habe wusste ich, sie muss da hin“, sagt er. Der 46-Jährige schätzt an seiner Auszubildenden vor allem ihre Leidenschaft für den Beruf. „Daran mangelt es momentan leider zu vielen“, klagt er. Seit 2000 bildet sein Betrieb in Rostock aus. „Ein paar Jahre mussten wir aber aussetzen, da wir keine geeigneten Bewerber finden konnten.“ Denn als Lackierer müsse man sich natürlich die Hände schmutzig machen.

„Vor allem staubig wird es schnell“, erklärt Alwardt. Farbe dagegen bekomme man selten ab. „Die ist momentan so teuer, dass wir es uns nicht lei-sten können, die über uns zu kippen“, sagt er mit einem Lächeln. Die 23-jährige Lia darf mitFarbpistolen erst im dritten Lehrjahr hantieren. Vorher müsse sie alle Grundlagen erlernen. „Denn der Lack, den man am Ende sieht, ist nur die Spitze des Eisberges unserer Arbeit“, erklärt der Chef. Seine Auszubildende ist derzeit vor allem für die Vorbereitung der Teile zuständig. Also fürs abkleben, abschleifen und verspachteln unebener Stellen. Eine Aufgabe, bei der Frauen ihrer Meinung nach im Vorteil sind, da sie „eher ordentlich und penibel arbeiten“ als männliche Kollegen. Das bestätigt auch Jan Alwardt, der mit der 23-Jährigen allerdings bisher nur zwei weibliche Auszubildende hatte.

Sollte Lia Raatz den Wettbewerb gewinnen und Top-Azubi 2016 werden , sahnt sie ein Preisgeld von 1000 Euro ab. Pläne, was sie mit der Finanzspritze anfangen würde, hat sie schon. „Meine Ente möchte nächstes Frühjahr wieder TÜV bekommen – dafür wird sie noch die ein oder andere Reparatur benötigen. Also werden sie und ich mal wieder einen kleinen Werkstatt-Urlaub einlegen.“ Und der ist nötig, wie die 23-Jährige sagt. „Ich kann bald Fred Feuerstein spielen, wenn die Bodenbleche weiter nachgeben!“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen