zur Navigation springen

Perleberg : Auf dem Weg in Arbeit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sandra Celmer ist sich sicher: In die geschützte Werkstatt möchte sie nicht mehr zurück

„Ja, hier möchte ich bleiben“, antwortet Sandra Celmer spontan auf die Frage, ob sie sich eine berufliche Zukunft in der Zoo und Angelwelt in Perleberg vorstellen könnte. Und mit überzeugender Stimme fügt die 33-Jährige an: „In die Werkstatt gehe ich nicht zurück.“ Ob es zu einer festen Anstellung in dem Fachhandel für Heimtierbedarf kommt, steht noch nicht fest. Doch ihre Chancen sind gut.

 „Sie arbeitet selbstständig und gewissenhaft, nimmt ihre Aufgaben sehr ernst “, schätzt Elisabeth Rupp die Arbeit der jungen Frau ein, die sich im Rahmen des Projektes „Wege in Arbeit“ in ihrem Betrieb für mehrere Monate in einer Qualifizierung befindet. Kommt es zur Übernahme, hat Sandra Celmer trotz ihrer geistigen Behinderung den Weg aus der geschützten Werkstatt der Lebenshilfe Prignitz auf den ersten Arbeitsmarkt geschafft. Im Oktober 2012 wurde das Modellprojekt „Wege in Arbeit“ aufgelegt. Gefördert und inhaltlich begleitet wird das Projekt vom Integrationsamt des Landes Brandenburg in weiterer Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Arbeit, Soziales und Frauen des Landes Brandenburg, dem Landkreis Prignitz und der Bundesagentur für Arbeit. Geplant ist, dass aus den Erfahrungen der Projektzeit ein Konzept erarbeitet wird, das dann landesweit für die Eingliederung benachteiligter Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Anwendung findet.

Ziel ist es, behinderte Menschen auf den ersten Arbeitsmarkt zu bringen, erläutert Projektleiterin Steffi Brauer von der BBZ Berufsbildungszentrum Prignitz GmbH und erzählt weiter, dass das BBZ Projektträger, die Lebenshilfe Prignitz mit ihren Werkstätten in Wittenberge und Pritzwalk Projektpartner ist. „’Wege in Arbeit’ bietet zusätzlich zum gesetzlichen Auftrag der Werkstätten die Möglichkeit, dass behinderte Menschen einer angemessenen Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nachgehen können. Das heißt aber auch, dass die Unternehmen Benachteiligten eine berufliche Chance bieten“, so Steffi Brauer. Derzeit haben rund 20 regionale Firmen aus den unterschiedlichsten Branchen ihre Bereitschaft erklärt, einen Integrationsarbeitsplatz zu schaffen. „Es könnten durchaus mehr sein, denn das Interesse der behinderten Menschen ist groß.“

Bereits 32 Teilnehmer wurden seit Projektbeginn betreut, davon befinden sich gegenwärtig acht in der elfmonatigen Qualifizierungsphase – so wie Sandra Celmer, die wie alle anderen vor der Qualifizierung das gängige Prozedere absolvierte: Bewerbung, Auswahlverfahren, Vorstellungsgespräch, Besichtigung des Einsatzbetriebes, Probetag und fünfwöchiges Probearbeiten. Das alles natürlich immer unter Berücksichtigung der Behinderung, aber auch der Arbeitsaufgaben seitens des Einsatzbetriebes. Betreut werden die Bewerber in all der Zeit durch die Jobcoaches Simona Goldenbaum und Iris Osterwald. Sie sind quasi das Bindeglied, Ansprechpartner, Mittler und Motivator in einer Person, beschreibt die Projektleiterin die Tätigkeit ihrer beiden Kolleginnen.

Auf zwei Jahre, bis zum Dezember 2014, ist das Projekt „Wege in Arbeit“ angelegt. Ob es danach eine Weiterführung gibt, hängt vom Finanzgeber ab. Aber auch von den Teilnehmern wie zum Beispiel Sandra Celmer. „Sie ist schon heute die kleine gute Seele im Betrieb“, lobt Zoo und Angelwelt-Inhaberin Elisabeth Rupp die Entwicklung der jungen Frau, die nicht nur ihre Arbeit – das Füttern von Kleintieren, die Pflege der Käfige und Tätigkeiten im Lager – zur vollsten Zufriedenheit erledigt. „Sie hat in ihrer gesamten Persönlichkeit eine erfreuliche Entwicklung genommen, besitzt heute deutlich mehr Selbstvertrauen und ist aufgeschlossen. Sie ist ein gleichwertiges Mitglied unseres Teams.“

 

zur Startseite

von
erstellt am 23.Jan.2014 | 16:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen