Rekordzahl Studierender : Bildungsbericht 2020: Mehr Menschen lernen, weniger Jugendliche haben einen Abschluss

Rund die Hälfte aller Grundschulkinder nutzten im Schuljahr 2018/19 Ganztagsbetreuung in Schulen oder Kindertageseinrichtungen (Symbolbild).
Rund die Hälfte aller Grundschulkinder nutzten im Schuljahr 2018/19 Ganztagsbetreuung in Schulen oder Kindertageseinrichtungen (Symbolbild).

Mehr Menschen in Deutschland haben Zugang zu Bildung. Doch gerade für die frühkindliche Bildung fehlen Betreuungsplätze.

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23. Juni 2020, 21:29 Uhr

Berlin | Steigender Bildungsstand in der Bevölkerung, sinkende Quoten bei Abiturienten und Hochschulreife: Das sind nur einige Ergebnisse des am Dienstag in Berlin veröffentlichten Berichts "Bildung in Deutschland 2020". Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) nennt weitere Zahlen:

- Die Ausgaben für Bildung, Forschung und Wissenschaft sind im Jahr 2018 auf gut 310 Milliarden Euro gestiegen. Das entspricht einer Steigerung von 30 Prozent gegenüber 2010 und einem wenig veränderten Anteil von 9,2 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP), das in diesem Zeitraum ebenfalls deutliche Zuwächse zu verzeichnen hatte.

- Die reinen Bildungsausgaben betrugen 218,3 Milliarden Euro im Jahr 2018: Sie werden seit 2010 kontinuierlich gesteigert, ihr Anteil am BIP verbleibt seit 2014 auf einem relativ konstanten Niveau von rund 6,5 Prozent. Im Vergleich sind die Bildungsausgaben in Deutschland 2016 gemessen am BIP niedriger als im OECD und EUDurchschnitt.

- Die jährlichen Ausgaben je Schüler an öffentlichen Schulen stiegen im Zeitraum 2010 bis 2017 um rund 22 Prozent auf 7.300 Euro.

- Die Zahl der Bildungsteilnehmer hat sich auf 17,2 Millionen Menschen im Jahr 2018 erhöht. Diese Entwicklung geht laut Bericht nicht nur auf steigende Geburtenzahlen und vermehrte Zuzüge aus dem Ausland, sondern auch auf eine zunehmend frühere Bildungsbeteiligung und einen Trend zur Höherqualifizierung zurück.

- Während der Anteil von Jugendlichen, die die allgemeinbildenden Schulen ohne Hauptschulabschluss verlassen, lange Zeit rückläufig war, macht er im Jahr 2018 wieder 7 Prozent der gleichaltrigen Wohnbevölkerung aus. Auch der kontinuierliche Anstieg höher qualifizierender Abschlüsse hält nicht an: So ist der Anteil der Absolventen mit mittlerem Abschluss zuletzt um 5 Prozentpunkte auf 51 Prozent gesunken. Der Anteil der Schüler, die mit der allgemeinen Hochschulreife abschließen, blieb nahezu unverändert bei 40 Prozent.

- Der Bildungsstand der Bevölkerung hat sich in den letzten zehn Jahren positiv entwickelt: 2008 verfügten 24 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren über Hochschulreife, 2018 bereits 33 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist der Anteil von Personen, deren höchster Schulabschluss der Hauptschulabschluss ist, von 39 Prozent auf 30 Prozent zurückgegangen. Der Anteil der Hochschulabsolventen ist im gleichen Zeitraum um fünf Prozentpunkte auf 18 Prozent gestiegen.

- Mit zuletzt 2,9 Millionen Studierenden hat die Studierendenzahl in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht. Derzeit gibt es in Deutschland über 420 Hochschulen im Vergleich zu knapp 330 Hochschulen Mitte der 1990erJahre. Nach vorläufigen Berechnungen lag die Anzahl der Studienanfänger im Jahr 2018 zum sechsten Mal in Folge über einer halben Million.

- Die Zahl der im Bildungswesen Beschäftigten hat seit 2008 kontinuierlich zugenommen. Insgesamt übten im Jahr 2018 2,7 Millionen Menschen einen pädagogischen Beruf in der Lehre, Erziehung oder Forschung aus. Der größte Zuwachs bis zum Jahr 2018 ist dabei in der frühen Bildung (plus 63 Prozent) und an den Hochschulen (plus 37 Prozent) zu verzeichnen.

- Die Zahl der Kinder, die ein Angebot früher Bildung in Anspruch nehmen, ist zwischen 2006 und 2019 von 2,6 Millionen auf 3,3 Millionen gestiegen. Zugleich wurden zwischen 2006 und 2019 pro Jahr durchschnittlich knapp 600 neue Kindertageseinrichtungen geschaffen, so dass im Jahr 2019 bundesweit 52.870 Einrichtungen existieren. Trotz des anhaltenden Ausbaus der Plätze hat sich die Zahl der fehlenden Plätze weiter erhöht, da nicht nur die Zahl der Geburten, sondern auch der Bedarf der Eltern nach früher Bildung und Betreuung weiter gestiegen ist. Während die Inanspruchnahme von Betreuungsangeboten bei unter 3-Jährigen 2019 insgesamt bei 34 Prozent lag, wünschten sich zeitgleich fast 49 Prozent der Eltern ein Betreuungsangebot für ihr Kind.

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Anna Karetnikova


- Sowohl das Angebot der Ganztagsbetreuung als auch deren Inanspruchnahme haben deutlich zugenommen. Im Schuljahr 2018/19 wurden 68 Prozent aller Schulen als Ganztagsschulen ausgewiesen. Im Jahr 2005/06 traf dies lediglich auf 30 Prozent aller Schulen zu. Rund die Hälfte aller Grundschulkinder (1,5 Millionen) nutzten im Schuljahr 2018/19 Ganztagsbetreuung in Schulen oder Kindertageseinrichtungen.

- Bei gleichzeitigem Rückgang der Zahl der Schüler waren bundesweit im Schuljahr 2018/19 mit 908.337 knapp 20.000 Lehrkräfte mehr an allgemeinen und beruflichen Schulen tätig als vor zehn Jahren. Auffällig ist, dass bundesweit nur gut die Hälfte der Lehrkräfte (55 Prozent) in Vollzeit beschäftigt ist. Insgesamt sind 42 Prozent der Lehrkräfte über 50 Jahre alt.

- Große Unterschiede gibt es beim Bildungsstand von Menschen mit Migrationshintergrund: Die 25- bis unter 65-Jährigen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland geboren sind und Bildungseinrichtungen in Deutschland besuchten, verfügen mit 16 Prozent deutlich seltener als Personen ohne Migrationshintergrund (23 Prozent) über einen Hochschulabschluss. Auch hat die erstgenannte Personengruppe mit 28 Prozent häufiger keinen beruflichen Abschluss als Menschen ohne Migrationshintergrund (10 Prozent).

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