Bei Amtsgericht oder Notar das Erbe ausschlagen

<strong>Sein Testament in einer Kaffeekanne zu verstecken</strong>, ist keine gute Idee - unter Umständen finden die Erben das Dokument nicht rechtzeitig. <foto>Kai Remmers, dpa</foto>
Sein Testament in einer Kaffeekanne zu verstecken, ist keine gute Idee - unter Umständen finden die Erben das Dokument nicht rechtzeitig. Kai Remmers, dpa

svz.de von
20. März 2013, 10:15 Uhr

Meine Mutter ist verstorben. Es hat sich herausgestellt, dass sie verschuldet ist. Wie kann ich das Erbe ausschlagen?

Die Ausschlagung können Sie beim Amtsgericht oder beim Notar erklären. Sie muss innerhalb von sechs Wochen seit Kenntnis von der angefallenen Erbschaft vorgenommen werden.

Mein Ehemann ist verstorben. Wir haben sechs gemeinsame Kinder. Das Testament meines Ehemannes befindet sich im Besitz einer unserer Töchter, welche sich weigert, das Testament herauszugeben. Was kann ich tun?

Ihre Tochter ist verpflichtet, das Testament beim Nachlassgericht abzuliefern. Ich empfehle Ihnen zunächst, das Gespräch mit Ihrer Tochter zu suchen und Sie auf Ihre Verpflichtung aufmerksam zu machen. Wenn das nicht hilft, kommen Sie nicht umhin, die Verpflichtung gerichtlich durchzusetzen.

Wo verwahrt man ein handschriftliches Testament am besten?

Um der Gefahr zu begegnen, dass das Testament nach Ihrem Tod nicht aufgefunden wird, empfehle ich Ihnen das handschriftliche Testament in die amtliche Verwahrung des Amtsgerichtes zu geben.

Wir sind verheiratet und haben keine Kinder. Brauchen wir ein Testament oder erbt der überlebende Ehegatte kraft Gesetzes?

Sie benötigen unbedingt ein Testament, da anderenfalls neben dem überlebenden Ehegatten auch die Verwandten des verstorbenen Ehegatten, wie beispielsweise die Eltern oder Geschwister, erben.

Wir sind verheiratet und mein Ehemann hat ein Kind aus erster Ehe. Wir haben uns in einem Testament gegenseitig zu Alleinerben eingesetzt. Mein Ehemann ist 80 Jahre alt und ich befürchte, dass sein Kind aus erster Ehe nach seinem Tod Pflichtteilsansprüche geltend macht. Was kann er tun?

Es besteht die Möglichkeit, dass Ihr Ehemann mit seinem Kind einen Pflichtteilsverzichtsvertrag abschließt. Unter Umständen können sie sich darauf gegen Zahlung einer Abfindung einigen. Der Pflichtteilsverzicht bedarf in jedem Fall der notariellen Beurkundung.

Mein Mann und ich sind Eigentümer mehrerer Grundstücke. Wir haben eine gemeinsame Tochter und möchten ein Berliner Testament erstellen. Empfehlen Sie mir die Errichtung bei einem Notar?

Gehört ein Grundstück zum Nachlass, ist es immer besser, das Testament beim Notar zu errichten, da das notarielle Testament in der Regel den Erbschein ersetzt und den Erben ein zeitaufwendiges und teures Erbscheinverfahren erspart.

Ich bin Mitglied einer Erbengemeinschaft. Im Eigentum der Erbengemeinschaft befinden sich unter anderem Ländereien. Kann ich meinen Anteil an dem Grundstück auf meine Kinder übertragen?

Nach den Vorschriften des BGB können Sie über Ihren Anteil an dem Grundstück nicht einzeln verfügen. Möglich ist nur die Übertragung des gesamten Erbteils auf Ihre Kinder. Ein solcher Erbteilsübertragungsvertrag bedarf der notariellen Beurkundung.

Ich habe im Jahr 1981 ein Testament bei einem staatlichen Notar errichtet. Hat das Testament noch Gültigkeit?

Ja, dieses Testament ist uneingeschränkt wirksam. Die Akten des staatlichen Notariats sind von den Amtsgerichten übernommen worden. Die Testamente aus dieser Zeit werden von dem Amtsgericht, an das das betreffende staatliche Notariat seinerzeit angegliedert war, verwahrt.

Ich bin Eigentümerin eines Wohnhauses, in dem ich mit meinem Sohn wohne. Ich möchte das Wohnhaus auf meinen Sohn übertragen. Könnten meine beiden Töchter die Schenkung an den Sohn anfechten?

Nein, eine Anfechtungsmöglichkeit besteht nicht. Ihre Töchter haben jedoch innerhalb einer Frist von zehn Jahren nach der Schenkung Pflichtteilsergänzungsansprüche in Bezug auf den Wert des Wohnhauses.

Meine Frau und ich haben ein gemeinschaftliches Testament aufgesetzt, in dem wir uns gegenseitig zu Alleinerben, die Kinder zu Schlusserben einsetzen. Zudem soll der Überlebende nach dem Tod des Partners abweichende Festlegungen treffen können. Sind solche Verfügungen möglich?

Ja, sofern Sie dies ausdrücklich im Testament bestimmen. Enthält ein Testament keine Bestimmung über die Möglichkeit der Abänderung nach dem Tod des zuerst versterbenden Ehegatten, ist der überlebende Ehegatte an den gemeinsamen Willen gebunden.

Wir haben uns in einem gemeinschaftlichen Testament gegenseitig zu Alleinerben eingesetzt. Was muss der überlebende Partner tun, wenn der andere gestorben ist?

Sofern das Testament beim Nachlassgericht verwahrt wird, eröffnet das Nachlassgericht das Testament nach dem Tod des zuerst versterbenden Ehegatten. Anderenfalls muss der überlebende Ehegatte das Testament beim Nachlassgericht abliefern.

Da ich ledig und kinderlos bin, möchte ich meine 24-jährige Nichte, zu der ich eine enge, vaterähnliche Bindung habe, testamentarisch als meine Alleinerbin einsetzen. Ist das möglich?

Ja, Sie können grundsätzlich jede beliebige Person zu ihrem Erben bestimmen. Aber in ihrer Konstellation sollten Sie beachten, dass der erbschaftssteuerrechtliche Freibetrag zwischen Onkel und Nichte nur 20 000 Euro beträgt. Aufgrund der engen familiären Beziehung zu Ihrer Nichte könnten Sie mit einer Erwachsenenadoption den steuerlichen Freibetrag erheblich erhöhen. Bitte bedenken Sie jedoch, dass in jedem Fall die väterliche Beziehung zu Ihrer Nichte und nicht der steuerliche Vorteil bei der Entscheidung für eine Adoption im Vordergrund stehen muss.

Was kostet ein Testament?

Die Gebühren sind gesetzlich geregelt und bei allen Notaren gleich. Sie hängen vom Vermögen des Testierenden ab. Dabei sind alle Verbindlichkeiten abzuziehen. Ein Beispiel: Bei einem Vermögenswert von 120 000 Euro kostet ein Einzeltestament ca. 260 Euro. Ehegatten zahlen bei diesem Vermögen für ein gemeinschaftliches Testament rund 510 Euro. Hinzukommen jeweils noch die Mehrwertsteuer sowie Schreibgebühren.

Wir haben unter unser handschriftliches Testament Ort und Datum geschrieben und unterschrieben. Reicht das oder müssen wir noch unsere vollständigen Namen mit Adresse und Geburtsdatum in Druckschrift vermerken?

Grundsätzlich reicht die Angabe von Ort und Datum. Damit das Testament Ihnen ohne Zweifel zugeordnet werden kann, empfiehlt es sich gleichwohl den vollständigen Namen der Testierenden leserlich zu vermerken.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen