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Ambitionierte Bauprojekte : Wohnen in historischer Fabrik

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Häuser für ambitionierte Bauherren finden sich öfter als gedacht. Zu beachten sind Bestimmungen der Energie-Einsparverordnung.

svz.de von
erstellt am 04.Dez.2015 | 09:59 Uhr

Die alte Klinkerfassade ist nicht mehr makellos. Aus vergangenen Zeiten hängen noch ein alter Kran und Stahlträger daran. Von außen verraten auf den ersten Blick nur neue Fenster, dass in der alten Fabrik in Leipzig heute jemand wohnt – und das auf modernste Weise. Viele wünschen sich aktuell so einen Wohnraum im Industrieschick.

Auch im Innern der Immobilie blieb der Charme des alten Gebäudes erhalten: Das alte Treppenhaus ist geblieben, freiliegende Backsteine zieren einzelne Wände und im Gemeinschaftsraum im  Erdgeschoss hängen noch historische Riemengetriebe. „Auch das macht den Charme aus“, erzählt der Architekt und Mitbesitzer Hauke Herberg. Heute gibt es hier drei Eigentumswohnungen und eine Mietwohnung. Warmer Holzboden ist darin ausgelegt.

Aber nach dieser Mischung von Gemütlichkeit, Charme und Schick sahen die Räume nicht immer aus. Als Herberg und seine Mitbesitzer die  Fabrikhalle kauften, war das Gebäude quasi eine Ruine. Im Grunde waren nur noch die Außenmauern erhalten. Und die Bauherren standen vor Herausforderungen, vor allem die Umsetzung geltender Vorschriften und Einschränkungen für solche Objekte. Die größte war die Energieeffizienz.

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) sieht bei einer Umnutzung die gleichen Anforderungen wie für einen Neubau vor. Das Gebäude muss etwa durch eine gute Heizung auf den sogenannten Niedrigenergie-Standard gebracht werden. Gerade auch die Dämmung des Gebäudes ist schwierig. Denn eine Innendämmung ist bauphysikalisch nicht ganz einfach, und die geschützte Außenfassade darf laut Denkmalschutz nicht verhängt werden. Die Lösung? Die ist für jedes alte Gebäude anders, betont Herberg.

Die Profis vom Büro Quartier Vier unter Zusammenarbeit mit dem Architekten und ebenfalls Mitbesitzer Stefan Adlich sind mit der Herausforderung auf besondere Weise umgegangen: Sie entwarfen ein Haus im  Haus. Hinter der alten Fassade entstand eine tragende Holzkonstruktion, die mit dem Mauerwerk durch Stahlanker verbunden ist. Dadurch wurde die Backsteinfassade zu einer hinterlüfteten Fassade, und der gesetzlich geforderte Wärmeschutz sogar übertroffen.

Andere  Gebäude haben von Haus aus hingegen schon so dicke Wände, dass die Dämmung kein Problem ist. Dafür aber die Räume. Das Wohnhaus von Regina Schineis steht im historischen Passauer Handwerkerviertel.

Es umfasst sogar ein Stück Stadtmauer und wurde um 1800 schon erwähnt. Die Fenster sind klein, die Räume auch. Lange waren in dem ehemaligen Handwerksgebäude Studenten-Buden untergebracht, teils waren die Räume nur 1,70 Meter hoch.

Die Architektin wollte aber nicht die Grundstruktur und damit den Charakter ihres Hauses verändern, sondern dieses nur mit einem  Gefühl modernen Wohnens anreichern. Sie bediente sich eines altbekannten Tricks: Die vielen kleinen Räume erhielten Durchbrüche, die auf einer Linie liegen: „Es gibt also nun Durchgangszimmer wie in Museen“, erklärt Schineis. „Und die einzelnen Räume wirken eher wie Nischen in Abfolge.“ Man bekommt das Gefühl, irgendwie doch in offenen, großzügigen Grundrissen zu leben. „Es kann einfach nicht supermodern wie ein klassisches neues Einfamilienhaus sein.“

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