Modernes Wohnen : Smart Home: Massenmarkt 2015

Intelligentes Zusammenspiel der Geräte im Smart Home.
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Intelligentes Zusammenspiel der Geräte im Smart Home.

Der Kinoabend in den eigenen vier Wänden will gut vorbereitet sein / Vielleicht reich bald ein Knopfdruck – und alles ist startklar

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20. Juni 2015, 08:00 Uhr

„Per Druck auf den Lichtschalter wird automatisch das Licht gedimmt, die Rollläden fahren herunter und die Heimkinoanlage wird angeschaltet. Nutzer können außerdem über ihr Smartphone oder Tablet ihre Unterhaltungselektronikgeräte, zum Beispiel den Fernseher, bedienen“, erklärt Tobias Arns vom IT-Verband Bitkom die Zukunftsvision.In allzu ferner Zukunft liegen solche Szenarien nicht, entsprechende Systeme existieren bereits. Die intelligente Vernetzung vieler Geräte im Haus heißt Smart Home. „Noch 2015 wird der Durchbruch zum Massenmarkt erwartet“, sagt Arns.

Prognosen zufolge werde der europäische Markt für Smart-Home-Lösungen bis 2017 um das 2,5-fache auf ein Volumen von über vier Milliarden Euro wachsen. Im Jahr 2020 sollen weltweit nahezu 50 Milliarden vernetzte Geräte im Einsatz sein, sagt der Bitkom-Experte. Dass der Durchbruch noch auf sich warten lässt, hat Gründe. „Die Forschung ist bereits sehr weit fortgeschritten“, sagt Dirk Timmermann, Professor für Elektrotechnik an der Universität Rostock. Viele Geräte würden aber noch nicht die Sprache des jeweils anderen Geräts verstehen. „Das ist aber kein grundsätzliches Hindernis, man muss sich nur auf Standards einigen“, so Timmermann. Was heute schon gut funktioniert, sind vergleichsweise simple Geräte wie WLAN-Steckdosen oder -Leuchten. Diese lassen sich über das Internet bedienen und programmieren. Die Schaltsteckdose wird in eine normale Steckdose gesteckt und mit dem hauseigenen Router verbunden.

Die Einrichtung der Geräte dürfte für die meisten Nutzer recht simpel sein. „Für einigermaßen technikorientierte Menschen ist das kein Problem. Schwieriger dürften es da die meisten Senioren haben“, sagt Elektrotechniker Timmermann. Hier müssten eventuell die Enkel aushelfen. „Alle elektrischen Geräte, die an eine solche Steckdose angeschlossen sind, können dann von überall aus zum Beispiel per Browser oder Smartphone-App ein- und ausgeschaltet werden“, erklärt Tobias Arns.

Zudem kann der Nutzer einen Zeitplan erstellen, um etwa Lampen und elektrische Geräte zu bestimmten Uhrzeiten zu aktivieren. „Einige WLAN-Steckdosen verfügen über Temperatursensoren oder kennen Sonnenauf- und Untergangszeiten, so dass diese Daten auch den Ein- und Ausschalter auslösen können“, sagt Arns. LED-Leuchten mit WLAN funktionieren ähnlich. Sie lassen sich mit den passenden Apps aber nicht nur ein- und ausschalten und auf bestimmte Uhrzeiten programmieren, sondern auch detaillierter steuern. So kann der Nutzer bei vielen Modellen zum Beispiel Helligkeit und Leuchtfarbe auswählen. Der erhöhte Komfort bleibt aber nicht der einzige Gewinn. „Die Geräte verbinden Bequemlichkeit mit ökologischem und ökonomischem Denken“, sagt Timmermann. So lässt sich zum Beispiel auch die Heizungsanlage mit dem Smartphone steuern: „Es gibt bereits Systeme, mit denen die Heizung herunterfährt, wenn der letzte Bewohner mit seinem Smartphone das Haus verlässt“, so der Experte.

Darüber hinaus könnten intelligente Stromzähler, sogenannte Smart Meter, den Stromverbrauch messen und die Daten automatisch an den Energieversorger übertragen. „Die Waschmaschiene könnte mit dieser Technik ausgerüstet zum Beispiel nur dann waschen, wenn der Tarif gerade besonders günstig ist, etwa mit Nachtstrom“, erklärt Timmermann.

Aber bei dem Thema Datenschutz sehen Experten noch immer das Smart Home als sehr kritisch an. „Der Kunde wird gläsern“ sagt Johanna Kardel von der Verbraucherzentrale Berlin.

Jan Ungruhe

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