Sturm : Schäden nach Orkan prüfen

Kaputte Dachziegel: Sturmtief „Niklas“ fegte gestern über Deutschland  hinweg.
Kaputte Dachziegel: Sturmtief „Niklas“ fegte gestern über Deutschland hinweg.

Sturmtief „Niklas“ hat vielerorts Schäden hinterlassen / Wie müssen Hausbesitzer jetzt vorgehen? Eine Anleitung in fünf Schritten

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02. April 2015, 08:00 Uhr

Viele Schäden des Orkantiefs „Niklas“ sind offensichtlich: abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume, demolierte Autos. Aber auf Dauer schlimmer sind die Schäden, die man nicht auf den ersten Blick erkennt: Selbst wenn im Dach keine Ziegel fehlen, kann Wasser in den Dachstuhl eingedrungen sein. Schimmel kann sich bilden, eine Sanierung sehr teuer werden. Nach einem Sturm sollten Hausbesitzer daher ihr Gebäude von oben bis unten kontrollieren. Der Verband Privater Bauherren rät zu folgendem Vorgehen:

1. Hat der Orkan Fassade und Dach beschädigt?

Am Dach und an der Fassadenverkleidung kann starker Wind Teile lösen. Hausbesitzer checken daher, ob Dachziegel beschädigt sowie Schindeln, Bretter aus dem Giebelfeld oder von Gauben lose sind. Das Gleiche gilt für Teile der Solaranlage. Herabstürzende Teile können Passanten verletzen, dafür haftet in der Regel der Hausbesitzer.

2. Gibt es hässliche Flecken an den Dachschrägen?

Böiger Wind kann Regen gegen die Schwerkraft nach oben und unter die geschlossene Ziegeldecke drücken. Das muss unbedingt repariert werden, denn nasser Dämmstoff isoliert nicht mehr und wird sogar zum Wärmeleiter – in der Folge steigen die Heizkosten. Zudem wachsen Pilze an nassem Holz, es fault. Außerdem kann sich gesundheitsgefährdender Schimmel im Dachstuhl bilden, der über die innere Wandverkleidung in die Raumluft gelangt.

3. Ist Wasser an der Hausfassade heruntergelaufen?

Hat sich dieses ins Haus gedrückt, kann es ebenfalls zu Feuchteschäden mit Schimmelbefall kommen. Problemstellen sind besonders unter den Fensterbrüstungen oder an Fenstern und Türen.

4. Sind Balkontüren, Fenster und Rollläden sowie deren Führungsschienen in  Ordnung?

Starker, böiger Wind kann sie vor allem am hohen Dach- und Giebelbereich aus den Verankerungen gerissen haben.

5. Hat der Wind Laub und Äste in die Regenabflüsse gedrückt?

Diese sollten davon befreit werden, sonst kann der nächste Regen nicht ablaufen. Außerdem müssen Hausbesitzer prüfen, ob schwankende Bäume an Regenrinnen und Fallrohren gescheuert und diese beschädigt haben.

Hintergrund: Wer zahlt wofür?

Sturmschäden an Häusern, Hausrat oder Autos sind in der Regel versichert. Laut Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) greifen in solchen Fällen Gebäude-, Hausrat- und Kaskoversicherung. Ersetzt werden Sturmschäden ab Windstärke 8 – also ab einer Windgeschwindigkeit von 62 Stundenkilometern.

Nach den Versicherungsbedingungen reicht es meist aus, wenn es vorher eine offizielle Sturmwarnung gegeben hat oder auch Häuser in der Nachbarschaft beschädigt wurden, erklärt die Verbraucherzentrale. Ein Überblick:

Schäden am Gebäude: Umgefallene Bäume oder abgebrochene Äste können schwere Schäden an Häusern anrichten. Für diese kommt die Wohngebäudeversicherung auf. Wurden durch den Sturm das Dach abgedeckt oder Fensterscheiben eingedrückt, sind Folgeschäden, die durch eindringende Niederschläge entstehen, ebenfalls versichert. Wird der Keller überschwemmt, zahlt die Elementarschadenversicherung.

Schäden im Gebäude: Sturmschäden an der Wohnungseinrichtung werden von der Hausratversicherung ersetzt. Auch hier sind die Folgeschäden – die zum Beispiel nach einer Dachabdeckung am Hausrat auftreten können – mitversichert. Wichtig zu beachten: Die Versicherung greift bei beschädigter Inneneinrichtung meist nur, wenn Fenster und Türen verschlossen waren.

Schäden am Auto: Wird das Auto von umgestürzten Bäumen, umherfliegenden Dachziegeln oder anderen Gegenständen getroffen, brauchen die Besitzer eine Teil- oder Vollkaskoversicherung. Diese ersetzt auch die Schäden, die der Sturm direkt am Wagen verursacht, beispielsweise wenn dieser umkippt. Versichert ist allerdings in der Regel nur der Zeitwert des Fahrzeugs, nicht der Neuwert. Viele Autobesitzer haben außerdem eine Selbstbeteiligung vereinbart, die von der Entschädigungssumme noch abgezogen wird.

Entschädigung für Bahntickets: Bahn-Kunden bekommen einen Teil ihres Geldes zurück, wenn sich ein Zug deutlich verspätet oder sogar ausfällt. Denn auch bei höherer Gewalt gibt es eine Entschädigung, hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) im September 2013 entschieden. So gibt es bei einer Verspätung ab 60 Minuten 25 Prozent und ab 120 Minuten 50 Prozent des Fahrpreises zurück.

Entschädigung für Flugverspätung: Ein Anspruch auf eine Ausgleichszahlung bei Verspätung nach EU-Fluggastrechteverordnung besteht bei Sturm nicht.

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