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Energiewende : Sanierungsstau im Heizungskeller

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Was beim Austausch des Heizsystems zu beachten ist.

svz.de von
erstellt am 05.Aug.2017 | 10:00 Uhr

Die Energiewende ist in aller Munde – aber sie endet oft an der eigenen Kellertür. Von insgesamt 21 Million Heizungen in Deutschland sind zwei Drittel 20 Jahre und älter – „und damit nicht mehr Stand der Technik“, sagt Lothar Breidenbach, Geschäftsführer Technik im Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH). Die Sanierungsquote bei gasbasierten Heizungen betrage nur rund drei Prozent im Jahr, die von Ölheizungen rund ein Prozent. Kurzum: Hausbesitzer tauschen eine Heizung erst aus, wenn sie kaputt ist. Viele fragen sich: Warum eine funktionierende Heizung für viel Geld austauschen?

Warum ist die Austauschquote so gering?

Eine neue Anlage ist teuer. Und auch wer die Mittel hat, denkt nicht sofort an die Heizung. „Das Geld werde eher in ein schickes Auto, eine vorzeigbare Küche oder den Badezimmer-Ausbau investiert, sagt Frank Ebisch vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima. Da hilft kaum das Argument, dass langfristig Ersparnisse bei den Betriebskosten möglich sind. Dazu kommt die Unsicherheit: Langfristiges Ziel ist es, aus Klimaschutzgründen den Verbrauch von Öl, Kohle und Gas zu drosseln. In der Politik wurde auch immer wieder ein Steuerbonus für die Heizungssanierung diskutiert – der aber nicht kam. Dagegen sank der Ölpreis zeitweise deutlich.

Und: Der Klimaschutz ist ein übergeordnetes politisches Ziel. Und die erwartbaren Ersparnisse bei Betriebskosten können Haushalte nur einfahren, wenn sie vorher Geld investieren.

Welchen praktischen Nachteil sollte es geben, die ältere Heizung zu erhalten, solange sie noch gut läuft?

„Wenn ein Kessel optimal läuft und zum Wärmebedarf des Hauses passt, muss er nicht unbedingt ausgetauscht werden“, sagt zwar Marcus Weber von der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online. Doch die wenigsten Anlagen seien richtig eingestellt. Immerhin: Öl- oder Gasheizkessel werden heute durch öl- oder gasbasierte Brennwerttechnik ausgetauscht. Diese ist energieeffizienter als die alten Niedertemperaturkessel. Der BDH spricht von Einsparungen von 30 Prozent der Energiekosten. „Aber man verzichtet auf alle anderen Möglichkeiten“, sagt Ebisch. Solarthermie lasse sich zwar bei allen Heiztechnologien nachrüsten, erklärt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer vom Bundesverband Solarwirtschaft. „Effizienter und preiswerter ist es jedoch, bei einer Modernisierung gleich auf ein Kombisystem zu setzen, da das Gesamtsystem gleich optimal aufeinander angepasst werden kann.“

Was sollten Hausbesitzer tun?

Nicht jeder kann und will sich den frühzeitigen Austausch seiner Heizung leisten. Und doch bieten sich drei Schritte an. Schritt 1: „Besitzer von Heizungen, die über 15 Jahre alt sind, sollten sich Gedanken machen, was sie künftig haben wollen und sich informieren, was möglich ist“, sagt Ebisch.

Schritt 2: BDH-Sprecher Frederic Leers sagt: „Viele Hausbesitzer haben kein Gespür dafür, wie es um den energetischen Zustand ihrer Heizung bestellt ist.“ Daher raten alle Experten übereinstimmend den Hausbesitzern, ihren Heizungsbauer oder den Schornsteinfeger beim nächsten Routinetermin um eine Einschätzung zum Gesamtzustand und zum energetischen Zustand der Heizung zu bitten.

Schritt 3: Beim Thema Förderung ist Wissen und etwas Planung ein Vorteil. Denn der Austausch von Komponenten und das Aufrüsten und Modernisieren der Heizungen lässt sich mit staatlichen Fördergeldern und zinsgünstigen Krediten kofinanzieren. Aber bei vielen Angeboten müssen Hausbesitzer vor Beginn der Arbeiten einen Antrag stellen sowie bestimmte Standards erfüllen.

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