Tipps gegen Einbrüche : Nicht nur im Urlaub wird eingebrochen

Heruntergelassene Rollläden deuten auf ein verwaistes Haus hin.
Heruntergelassene Rollläden deuten auf ein verwaistes Haus hin.

Ein Experte beruhigt: Während der Ferien wird man statistisch gesehen nicht eher Opfer als sonst

svz.de von
07. Juli 2018, 16:00 Uhr

Man stelle sich vor: Man liegt am Strand, und das Telefon klingelt. Die Polizei ist dran. Einbrecher haben das Zuhause verwüstet. Das Dumme an der Sache: Allzu oft laden Urlauber die Verbrecher sogar nach Hause ein, sagt Kriminaloberrat Harald Schmidt von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Fatal können etwa beschriftete Kofferschilder oder heruntergelassene Rollläden sein, erläutert er im Interview.

Woran erkennen Einbrecher, dass mein Haus ein guter Ort für den Einbruch ist?
Es gibt ganz große Fehler, die Sie machen können – nämlich kein sicherheitsbewusstes Verhalten an den Tag zu legen. Wenn man etwa Hinweise auf Abwesenheit gibt wie überquellende Briefkästen oder die tagsüber verschlossenen Rollläden. Das sind letztlich alles Signale und Einladungen. Auch eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter oder in den sozialen Netzwerken, dass man im Urlaub ist, zählt dazu. Oder der Abwesenheitsassistenz des E-Mail-Programms und das Kofferschild. Bei letzterem gilt der Tipp, dass man die Adresse verdeckt am Gepäckstück anbringen sollte, so dass Umstehende am Flughafen nicht lesen können: Der Harald Schmidt ist im Urlaub.

Viele sagen sich: „Ich habe doch nichts besonders Wertvolles im Haus.“ Gibt es Menschen, die besonders gefährdet für Einbrüche sind?
Das ist der größte Irrtum, dem die Menschen unterliegen. Denn es kann bei jedem was abhanden kommen – und zwar das Sicherheitsgefühl. Untersuchungen haben ergeben, dass fast jedes vierte Opfer eines Wohnungseinbruchs sich anschließend mit dem Gedanken eines Umzugs trägt, weil das Unwohlsein-Gefühl derart groß geworden ist. Aber die wenigsten können sich das finanziell leisten. Häufig werden auch Erinnerungen gestohlen, die von einer Versicherung nicht ersetzbar sind, weil sie einen emotionalen Wert haben.

Wenn ich keine Zeit vor der Abreise oder kein Geld für große Nachrüstungen habe, wie kann ich mich auf die Schnelle etwas besser schützen?
Zunächst gilt es, eben keine Hinweise auf Abwesenheit zu geben. Man kann Nachbarn bitten, den Briefkasten zu leeren, die Rollläden abends zu schließen und morgens zu öffnen. Wer dafür niemanden hat, kann eine Anwesenheitssimulation mit einer Zeitschaltuhr einrichten. Sie schaltet etwa in regelmäßigen Abständen das Licht an und aus. Damit der Briefkasten während Ihres Urlaubs nicht überquillt, können Sie auch einen Lagerservice beauftragen. Das sind kurzzeitig realisierbare Maßnahmen.

Stimmt es denn eigentlich, dass Einbrecher vor allem die Ferienzeit ausnutzen?
Diesen Zusammenhang können wir nicht herstellen. Entgegen der landläufigen Meinung erfolgen Einbrüche häufig zur Tageszeit, zum Beispiel während einer kurzen Abwesenheit des Bewohners, so etwa zur Schul-, Arbeits- und Einkaufszeit, am frühen Abend oder an den Wochenenden. Wir raten Ihnen daher unabhängig von der Fahrt in den Urlaub zur richtigen Sicherung Ihrer Wohnung oder Ihres Hauses. Das heißt zu richtig aufeinander abgestimmter mechanischer und elektronischer Sicherungstechnik sowie einem sicherheitsbewussten Verhalten. Sie können sich über die Webseite www.k-einbruch.de der Polizei informieren. Darüber hinaus gibt es die kostenlosen kriminalpolizeilichen Beratungsstellen.

Was können Mieter tun?
Der Mieter braucht für Nachrüstungen natürlich die Zustimmung des Eigentümers. Vermieter müssen erkennen, dass es zur Attraktivität eines Mietobjektes beiträgt, nicht nur Tageslichtbad oder eine Einbauküche zu vermieten, sondern auch Sicherheit.

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