Aufräum-Muffel : Mit Strategien mehr Ordnung im Haus

Aussortieren: Ein Weg zu mehr Ordnung im Haushalt ist weniger Besitz.
Aussortieren: Ein Weg zu mehr Ordnung im Haushalt ist weniger Besitz.

Leere Boxen schaffen oder Ablageflächen abbauen: Mit kleinen Tricks können sich Aufräum-Muffel selber motivieren.

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20. August 2016, 12:00 Uhr

Wer häufiger aufräumen möchte, sollte sich von einer Idee verabschieden: Überlisten kann man sich selbst dazu nicht. „Man kann sich ja auch nicht selbst kitzeln“, erklärt Prof. Lothar Seiwert, Experte für Zeitmanagement. „Man kann sein Unterbewusstsein schlecht austricksen, es weiß ja schon darüber Bescheid.“ Das heißt: Wer mehr aufräumen will, muss den inneren Schweinehund überwinden. Aber der ist nun mal ein fauler Kerl. Die Lösung wäre also, den Schweinehund erst gar nicht in seine Lage zu bringen. Man sollte also der Unordnung vorbeugen. Denn hierbei kann man sich selbst durchaus austricksen, sagt Sabine Haag, Ordnungscoach und Bloggerin aus Mainz.

Ein Beispiel: Wenn man abends müde nach Hause kommt, stellt man die Tasche auf den Boden, wirft die Jacke und Mütze auf die Flurkommode. Auch Schlüssel, Kopfhörer und die Post landen dort. Haags Trick: Sie stellt hier eine leere Box auf den Boden, in die all diese Dinge kommen. „Man darf noch immer alles von sich werfen, muss nichts aufwendig aufräumen“ – und doch landet all der Kram in einer ordentlichen Hülle. Oder: Man verbannt Ablageflächen. Denn fehlt es an Tischen, Regalen und Oberflächen von Kommoden, kann man nichts darauflegen. „Auf den Boden lässt man es nicht fallen“, davon ist Haag überzeugt. Folglich hängt man den Schlüssel ans Brett, räumt die Post weg und die Jacke an den Haken.

Dieser Trick hilft auch gegen Klamotten-Berge. Wer hat ihn nicht, den Stuhl oder Hocker im Schlafzimmer, auf dem Kleidung landet, die nicht mehr ganz frisch ist, aber auch noch nicht schmutzig genug für den Wäschekorb? Und damit schafft man sich selbst ein Aufräumproblem.

Fehlt diese Ablagefläche, räumt man die Klamotten eher wieder in den Schrank ein, ist sich Haag sicher. Ein alternativer Vorschlag: „Wir haben einen Haken hinter der Tür für solche Kleidung.“ Allerdings haben solche Tricks eine beschränkte Reichweite. Manchmal besitzt man einfach zu viel. Und wo kein Platz zum Aufbewahren bleibt, ist auch kein Platz für Ordnung. Daher ist Prof. Seiwerts banaler, aber eben bester Rat: einfach weniger besitzen und regelmäßig ausmisten. Oder zumindest die Größe des Besitzstands halten. „Kaufe ich ein neues Buch, gebe ich ein altes ab“, erklärt der Experte.

Aber Ausmisten kostet Zeit – wieder so ein Motivationsproblem. „Ich empfehle meinen Kunden als erstes, sich kleine, bewältigbare Ziele vorzunehmen – also nur eine Schublade, ein Schrankfach“, erklärt Ordnungscoach Rita Schilke aus Berlin. „Dann sind Ergebnisse schnell sichtbar, und man ist motiviert für das nächste Vorhaben.“ Und das muss auch nicht direkt am folgenden Tag angepackt werden.

Schilke rät, sich spätestens alle drei Monate einen Termin zum Aufräumen vorzunehmen. Eingetragen wird dieser in den Kalender mit Datum und Uhrzeit – und so behandelt wie ein wichtiger Termin beim Zahnarzt oder Friseur. „Mehr als drei Stunden sollte man sich auf einmal nicht vornehmen“, empfiehlt Schilke dafür.

Ist das Ausmisten geschafft, sollte man hinterfragen: Warum entsteht bei mir Unordnung? Wenn Gegenstände ihren festen Platz haben, ist Ordnung halten einfacher. Denn man legt sie dorthin, wo sie hingehören. Aber wenn man ein Ding immer wieder von einem Fleck an den nächsten räumt, kostet das Zeit – und irgendwann liegt es einfach irgendwo rum.

Die Lösung ist leichter als gedacht: Hier muss ein fester Platz geschaffen werden – ein Schlüsselbrett für die Schlüssel, ein Fach für die Gewürze im Küchenschrank und so weiter, empfiehlt Schilke. Und Haag rät, viele Boxen in Regale oder Schränke zu stellen: Da kann man diversen Kleinkram hineinwerfen – und er ist aus den Augen.

Das gilt für alle Dinge, die man nicht ständig um sich herum braucht. Haag gibt ein Beispiel: „Man ordnet das Büro neu, legt die Papiere an einen Platz, hat Dosen für die Stifte. Das sieht aber nur eine Woche lang gut aus. Weil man vergisst, dass man noch lebt.“ So holt man nach einiger Zeit etwa die Nähmaschine heraus und arbeitet daran – und so lange das Projekt eben dauert, liegen die Sachen dafür herum. Oder man bastelt für den Kindergeburtstag, macht die Steuererklärung. Haag rät, immer leere Boxen für solche Projekte bereitzuhalten.

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