zur Navigation springen

Lesertelefon : Kosten beim Hausbau in Schach halten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wer hilft bei der Finanzierung? Wie viel Eigenkapital ist nötig? Experten beantworteten gestern die Fragen unserer Leser zum Bauen.

von
erstellt am 11.Okt.2017 | 05:00 Uhr

„Beim Hausbau sparen – aber wie?“ war das Thema unserer gestrigen Telefonaktion. Die Fragen beantworteten Angelika Rösner vom Verband Privater Bauherren und Torsten Hoyer vom Verband der Privaten Bausparkassen. Hier lesen Sie eine Zusammenfassung der wichtigsten Informationen:

Welche Zinsfestschreibung empfehlen Sie im Moment?
So lange wie möglich. Achten Sie darauf, dass im Vertrag Sondertilgungen mit festgeschrieben werden – bis zu fünf Prozent pro Jahr sind möglich, in aller Regel kostenfrei. Niemand kann vorhersagen, wann die Zinsen in welchem Maße steigen. Selbst, wenn die Zinsen nur um ein Prozent steigen, macht das bei 100 000 Euro Kredit 1000 Euro mehr Belastung pro Jahr. Wichtig in der derzeitigen Niedrigzinsphase ist es, bei der klassischen Finanzierung mindestens zwei, besser drei Prozent zu tilgen. Tilgen Sie die üblichen ein Prozent, haben Sie nach zehn Jahren noch immer mindestens 90 Prozent Restschuld.

Ich bin betagt. In zwei Jahren brauche ich eine Anschlussfinanzierung. Kriege ich überhaupt noch einen Kredit?
Das Alter allein sollte kein Kriterium sein, um Ihnen keinen Kredit zu geben. Entscheidend ist Ihre finanzielle Leistungsfähigkeit. Vielleicht gibt es in der Familie bereits jemanden, der das Haus später übernehmen würde und als zweiter Kreditnehmer im Vertrag verankert ist.

Ansonsten können Sie sich mit einem so genannten Forward-Darlehen die heutigen Zinsen für Ihre Anschlussfinanzierung sichern.

Ich bin nicht sicher, ob ich alles richtig verstehe, was in der Bau- und Leistungsbeschreibung des Bauträgers steht. Worauf muss ich achten?
Die Planungsunterlagen müssen zu Baubeginn an Sie übergeben werden – das soll im Vertrag festgeschrieben werden. Dazu gehören unter anderem Baugrundgutachten, Ausführungspläne, Statik, Wärmeschutzberechnung, Schallschutz- und Brandschutznachweise bei Doppel- und Mehrfamilienhäusern. Diese Unterlagen braucht im Übrigen auch die finanzierende Bank. Baubeginn und Fertigstellung müssen mit Datum festgehalten werden. Baustoffe und Bauteile müssen konkret bezeichnet sein. Formulierung wie „oder gleichartige“ geben dem Bauträger die Möglichkeit, minderwertiges Material zu verwenden. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie die Bau- und Leistungsbeschreibung von einem Fachmann prüfen.

Ich will kein Haus von der Stange, habe ein paar besondere Vorstellungen. Inwieweit müssen die in der Baubeschreibung verankert sein? Oder kann man das später noch entscheiden?
Alle Sonderwünsche wie Sanitärinstallation, Schornstein/Kamin, einbruchsichere Verglasung, besondere Bodenbeläge sollten so genau wie möglich im Vertrag festgeschrieben sein. Ist das nicht der Fall, können die Kosten vorher nicht genau kalkuliert werden und schließlich unverhältnismäßig ausufern.

Wo finde ich jemanden, der meinen Hausbau begleiten kann. Ich bin berufstätig und kann nicht jeden Tag auf der Baustelle sein und habe zu wenig Einblick in den Bauprozess.
Wenden Sie sich an einen Sachverständigen, über das Internet zu finden, oder zum Beispiel an den Verband Privater Bauherren. Sprechen Sie mit Leuten, die bereits gebaut haben mit entsprechender Begleitung. Oft sind persönliche Empfehlungen in diesem Bereich optimal.

Wir planen, uns ein altes Haus im Kreis Ludwigslust zu kaufen. Der Kaufpreis wäre für uns in Ordnung, aber wir wissen nicht, wie hoch die Sanierungskosten sein werden. Wer kann uns das ausrechnen?
Offenbar sind Sie sich dessen bewusst, dass die Sanierungskosten den Kaufpreis durchaus übersteigen können. Um das herauszufinden, brauchen Sie einen Bausachverständigen, der das Haus genau unter die Lupe nimmt. Diese Begutachtung kann je nach Aufwand zwischen 1000 und 2000 Euro kosten. Das Geld ist gut investiert, denn das Gutachten bringt Klarheit, ob Sie sich die Sanierung leisten können und wie viel Zeit sie in etwa in Anspruch nehmen wird. Das Gutachten sollte die zu erwartenden Kosten ausweisen – sowohl für die Sanierungsmaßnahmen als auch für den möglichen Umbau. Dann können Sie entscheiden, ob Sie das Vorhaben angehen wollen und können oder nicht.

Mein Sohn hat ein bezahltes Grundstück, 100 000 Euro in bar. Er will ein Doppelhaus bauen, eine Hälfte vermieten. Kann er einen Kredit bekommen?
Sofern er mit seinem Einkommen die monatliche Rate auf Dauer zahlen kann, ist das möglich. Selbstverständlich wird die Bank eine detaillierte Bonitätsprüfung machen, und erst dann über die Kreditvergabe entscheiden.

Wie viel eigenes Kapital braucht man für einen Neubau?
Mindestens zwanzig Prozent sollten vorhanden sein, sodass Sie die Kaufnebenkosten aus eigenen Mitteln bezahlen können.

Häufig entstehen beim Neubau unvorhergesehene Mehrkosten – zum Beispiel tieferer Bodenaushub oder teurere Fliesen –, die aus dem Eigenkapital bezahlt werden müssen. Nachfinanzierungen sind teuer und auch nicht immer möglich.

Grundsätzlich gilt: Je mehr eigenes Geld vorhanden ist, desto günstiger wird die Finanzierung. Als Eigenkapital werden neben Sparguthaben auch bezahlte Grundstücke und Guthaben in Bausparverträgen akzeptiert.

Wir wollen bauen. Weil die Grundflächenzahl, also das Verhältnis zwischen Grundstücksfläche und bebauter Fläche, das erlaubte Maß überschreitet, will der Bauplaner die Baugenehmigung nicht einreichen. Beim Vermesser stimmt die Grundflächenzahl. Was ist zu tun?
Suchen Sie mit beiden das Gespräch. Irgendwo steckt ein Fehler. Es gibt aber die Möglichkeit, zusammen mit der Baugenehmigung einen Antrag auf Abweichung von der zulässigen Grundflächenzahl einzureichen, der begründet werden muss.

Wir haben seit drei Jahren einen Wohnriester-Bausparvertrag. In der Finanzierung für unseren Hauskauf wollen wir das Geld nicht verwenden. Aber später zur Entschuldung. Wäre das sinnvoll?
Das ist möglich, Sie können mit der Eigenheimrente ganz oder teilweise entschulden. Ob es in Ihrem Fall sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrem Finanzierungsfachmann. Fest steht, dass Sie sowohl in der Anspar-, als auch in der Darlehensphase die Förderung bekommen. Zudem steigt die Grundzulage ab 2018 auf 175 Euro pro Jahr.

Wie kommen wir an einen KfW-Kredit?
KfW-Kredite werden grundsätzlich über Banken oder Bausparkassen vermittelt.

Fördert das Land Mecklenburg-Vorpommern den Immobilienerwerb?
Ja. Erkundigen Sie sich unter www.lfi.de – Landesförderinstitut. Ob die Landesförderung in Ihre Finanzierung passt, sollten Sie genau prüfen lassen.

Lohnt sich ein Bausparvertrag für die Immobilienfinanzierung?
In den meisten Fällen hat der Bausparvertrag seinen Platz in der Finanzierung. Damit können Sie sich die jetzt günstigen Zinsen langfristig sichern. Sprechen Sie mit Ihrer Bausparkasse, welcher Bauspartarif und welche Bausparsumme für Ihre Pläne infrage kommen.

Angenommen, wir nehmen von der KfW ein Darlehen für den Kauf eines gebrauchten Hauses. Können wir dort auch Sondertilgungen leisten? Oder geht das nur beim Bausparvertrag?
Beim KfW-Wohneigentumsprogramm 124 sind keine Sondertilgungen möglich. Beim Bausparen dagegen sind Sondertilgungen jederzeit und kostenfrei möglich.

Ich bin in der Hausbauplanung und möchte Ihre Meinung zur Dämmung wissen.
Nach unserer Ansicht liegt die effektivste Dämmung der Außenwände bei 10 bis 12 Zentimetern. Stein ist in aller Regel besser als Dämmwolle, auch, was den Schallschutz und das Wärmespeichervermögen betrifft.

Wir möchten ein KfW 55-Haus bauen. Brauche ich eine zentrale Be- und Entlüftungsanlage?
Wahrscheinlich kommen Sie nicht drumherum, weil sonst die so hohen Anforderungen an die Energieeffizienz nicht erfüllt werden können.

Was kostet eine Eigentumswohnung in Schwerin?
Rechnen Sie je nach Wohnlage und Ausstattung mit Kosten zwischen 1200 und 3000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.

Wir haben zwei Kinder. Unser Traumhaus kostet 300 000 Euro. Ab welchem Einkommen könnten wir uns das Haus ohne finanziellen Stress leisten? Wie viele Finanzierungsangebote sollten wir uns geben lassen?
Bei mindestens zehn Prozent Eigenkapital und einem Familieneinkommen von wenigstens 2800 Euro netto im Monat – einschließlich Kindergeld – sollte eine Finanzierung möglich sein. Lassen Sie sich Angebote von drei verschiedenen Finanzierern geben und vergleichen Sie die Restschuld.



 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen