zur Navigation springen
Bauen & Wohnen

22. Oktober 2017 | 19:43 Uhr

Wohnen : Keine Angst vor steigenden Zinsen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Was künftige Immobilienbesitzer tun oder lassen sollten / Nicht zu spontanen Käufen hinreißen lassen

Für Immobilienkäufer ist der Stand der Zinsen seit Jahren ein Traum. Darlehen für Haus- und Wohnungskäufe sind so niedrig wie noch nie. Doch wie lange wird dieser Zustand noch anhalten? Zwar hat die US-Notenbank Fed die geplante Abkehr ihrer Nullzinspolitik wegen der schwächelnden Wirtschaft gerade erst verschoben. Doch irgendwann – da sind sich die Finanzexperten einig – werden die Leitzinsen wieder Schritt für Schritt angehoben und damit auch Kredite wieder teurer. Das stellt manche Käufer vor die Frage, ob sie jetzt noch schnell investieren sollen. In der Tat kann es sich lohnen. Aber nicht für jeden.

Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Bremen erwartet für die nächste Zeit keine allzu großen Veränderungen. Es werde weiterhin für genug Verbraucher möglich sein, sich Immobilien zu kaufen. Daher rät er von übereilten Entscheidungen ab – nur um von den derzeit historisch niedrigen Zinsen noch zu profitieren. „Die einzige Gefahr, die wir sehen, ist, dass jetzt Menschen einen Kredit aufnehmen, die es sich nicht leisten können“, sagt er. Der Verbraucherschützer empfiehlt, gründlich zu rechnen, wie hoch die monatliche Rate eines Kredites sein darf und bis wann er abbezahlt sein muss. „Für die Finanzierung sollte man maximal 30 Prozent des zur Verfügung stehenden Nettoeinkommens verplanen“, sagt Schwarz.

Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale NRW rät dazu, ausreichend Eigenkapital mitzubringen: 20 bis 30 Prozent der gesamten Summe, also von Kaufpreis und Nebenkosten, seien eine gute Voraussetzung für die Kreditaufnahme. Wer zu knapp kalkuliert, macht sich das Leben schwer, warnt sie. Schließlich kämen oft noch Kosten hinzu, die ein Verbraucher vorher nicht eingeplant habe.

Finanzberater Max Herbst aus Frankfurt am Main hält ein Darlehen schon für machbar, wenn die eigenen Mittel die Nebenkosten abdecken. Meist sind es 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises. Es lohne sich selten, das Bauvorhaben aufzuschieben, sagt Herbst. Eine Familie etwa habe häufig nicht die Chance, ausreichend zu sparen, um auf den vielfach empfohlenen Eigenanteil zu kommen. Dennoch zahle sie für eine Wohnung oft 800 bis 1000 Euro Kaltmiete pro Monat. Das summiere sich im Jahr auf bis zu 12  000 Euro. Geld, das sich vielleicht doch besser in eine eigene Immobilie investieren lasse.

Steigende Zinsen müssen nicht zwangsläufig zu unbezahlbaren Krediten führen, sagt Hartmut Schwarz. Er rechnet vor: Jemand nimmt ein Annuitätendarlehen über 200  000 Euro mit einer Laufzeit von 15 Jahren auf – bei einer Tilgungsrate von 2 Prozent und 2 Prozent Zinsen. Am Ende hat er eine Restschuld von knapp 131 000 Euro. Bei einer Anschlussfinanzierung mit 6,5 Prozent Zinsen hat er seine Schulden nach 29 Jahren und sieben Monaten vollständig getilgt. Wer einen Kredit in derselben Höhe, aber mit 4 Prozent Sollzinsen, abschließt, hat nach Schwarz’ Berechnung nach 15 Jahren eine Restschuld von knapp 118 000 Euro. Bei einer Anschlussfinanzierung mit 6,5 Prozent Zinsen könne der Verbraucher seine Schulden in insgesamt 26 Jahren und zwei Monaten tilgen. Dabei sind mögliche Sondertilgungen nicht berücksichtigt.

„Bei einem Annuitätendarlehen wirkt sich das Umschichten von Zinsen auf Tilgung bei höheren Zinsraten schneller aus“, erklärt Schwarz. Da mit jeder Rate ein Teil der Restschuld getilgt werde, verringere sich der Zinsanteil. Deswegen werde der Tilgungsanteil höher. Steigende Zinsen müssen einen Hauskauf also nicht unbedingt unerschwinglich werden lassen.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen