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Die eigenen vier Wände : Hausbau mit Volldampf

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Oft geht es nur schleppend voran – doch nicht immer sind daran die Handwerker schuld.

svz.de von
erstellt am 22.Jul.2017 | 08:00 Uhr

Neun Monate plus drei Monate Puffer – so lange soll es im Durchschnitt dauern, bis ein Einfamilienhaus fertig ist. Doch ein Jahr ist schnell vorbei. Und in vielen Fällen ist das Bauende dann noch nicht abzusehen. Was können Bauherren tun, damit ihr Bau zügig vorangeht? Es lassen sich online und in gedruckter Form Ratgeber, Checklisten und Zeitpläne für Baustellen auftreiben, die Bauherren möglichst effektiv durch ihr Projekt führen wollen. „Solche Dinge sind durchaus hilfreich, um den Überblick zu behalten“, sagt Arno Metzler vom Verband Beratender Ingenieure.

Das Bautempo hängt von vielen Faktoren ab. „Die meisten – wie das Wetter – können nicht vom Bauherren beeinflusst werden, einige aber schon“, sagt Marc Förderer vom Bauherren-Schutzbund. „Wichtig ist, im Vertrag feste Bauzeiten zu vereinbaren, mit exaktem Datum für Baubeginn und -ende. Dann ist die Baufirma daran gebunden und muss Verzögerungen innerhalb des Bauprozesses vertragsgemäß ausgleichen.“ Viele Verträge enthalten diese Festlegungen nicht. Entscheidend ist auch, dass die Finanzierung steht. „Änderungen des Finanzplanes während der Bauphase führen immer zu Verzögerungen“, berichtet Metzler.

Störungen sind umso wahrscheinlicher, je mehr Gewerke mit Einzelverträgen am Bau beteiligt sind. „Auch hier kommt es auf die Planung an. Je detaillierter sie ist und je besser die Kommunikation funktioniert, desto schneller geht’s später voran“, erklärt Förderer.

Allerdings sei es gegenwärtig wegen der großen Nachfrage nach Bauleistungen nicht einfach, qualifizierte Handwerker passgenau zu koordinieren. Viele arbeiten parallel an mehreren Baustellen, so dass sie oft nicht sofort da sind, wenn sie gebraucht werden. „Bemerkt ein Bauherr, dass einige Tage Stillstand auf seiner Baustelle herrscht, sollte er ruhig nachhaken“, rät Förderer.

Absprachen mit den Firmen oder einzelnen Gewerken sollten möglichst präzise und nicht zwischen Tür und Angel getroffen werden. „Bauherren sind auf der sicheren Seite, wenn sie alles schriftlich fixieren“, sagt Metzler. „Also nach dem Treffen gleich der guten Ordnung halber eine E-Mail mit dem Inhalt des Gesprächs an die Bauleitung schicken.“ Ob sich der Bau im Zeitplan befindet, können Bauherren anhand des Ablaufplanes herausfinden. Den sollten sie sich aushändigen lassen. „Darin steht, wann welche Gewerke dran sind, wie viel Zeit sie benötigen und welche nächsten Schritte folgen“, erklärt Sandra Queißer vom Verband Privater Bauherren. „Treten Mängel auf, sollten Bauherren darauf drängen, dass sie umgehend beseitigt werden. Sonst sind später aufwendige Reparaturen nötig, die auch viel Zeit kosten.“

Nicht selten sind Bauherren selbst für Verzögerungen verantwortlich. „Bevor die Planung beginnt, sollte eigentlich klar sein, was für ein Haus gewünscht wird“, sagt Metzler. „Es ist jedoch leider gang und gäbe, dass Bauherren sich während der Planungs- oder Bauphase noch kurzfristig umentscheiden und zum Beispiel fünf statt vier Zimmer haben wollen. Das ist dann schwierig umzusetzen und kostet immer zusätzlich Zeit.“ Ein kritischer Punkt ist die Bemusterung, das Aussuchen der Materialien und Bauteile durch den Bauherren. Sie muss schon sehr früh erfolgen, weil viele Waren unterschiedliche Lieferzeiten haben – und das beim Hausbau koordiniert sein muss. Es ist auch nicht unbegrenzt möglich, viele Gewerke übergreifend arbeiten zu lassen. „Irgendwann ist der Punkt erreicht, und die Handwerker treten sich gegenseitig auf die Füße“, so Queißer.

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