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Bauen & Wohnen

20. November 2017 | 10:42 Uhr

Wohnen : Einliegerwohnung – pro und kontra

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wiegen die Mieteinnahmen den Verlust von Privatsphäre auf? Oder geht es eher darum, schon ans Alter zu denken?

svz.de von
erstellt am 08.Jul.2017 | 16:00 Uhr

Warum nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen? Mit einer Einliegerwohnung bietet das Eigenheim nicht nur der eigenen Familie ein Zuhause. Es kann auch Mieteinnahmen bringen. Eine Einliegerwohnung ist eine Wohnung im Eigenheim, die selbstständig vermietbar ist. „Es muss nicht die klassische Singlewohnung im Dachgeschoss oder in der unteren Etage sein. Auch eine zweite Wohnung in einem Doppelhaus kann eine Einliegerwohnung sein“, erklärt Annett Engel-Lindner vom Immobilienverband Deutschland. „Entscheidend ist, dass sie sowohl einen separaten Zugang als auch überschneidende Räume mit der Hauptwohnung hat.“ Warum – oder warum nicht – sollten Bauherren diese Investition tätigen?

Pro

Mieteinnahmen: „Sie sind der häufigste Grund, sich für eine Einliegerwohnung zu entscheiden“, sagt Julia Wagner vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. Sie rät, im Vorfeld genau durchzurechnen, ob die Mieteinnahmen die zusätzlichen Kosten decken. Möglich ist auch eine Vermietung als Ferienwohnung. Oder: „Eine Einliegerwohnung ist ideal als Alterssitz für die Eltern.“

Altersvorsorge: Oft wird die Einliegerwohnung erst vermietet, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Dann lässt sich mit den Mieteinnahmen die Rente aufbessern. Zu diesem Punkt gehört noch ein weiterer Aspekt: Die abgeschlossene Wohnung im selben Haus ist besonders praktisch, wenn man im Alter täglich Hilfe benötigt. Pflegekräfte haben kurze Wege und können sich in ihrer Freizeit zurückziehen.

Sonderkündigungsrecht: Gerade wenn man unter einem Dach wohnt, sollte die Chemie zwischen Vermieter und Mieter stimmen. Doch hier hat die Einliegerwohnung einen Vorteil: „Klappt das Miteinander gar nicht, hat der Vermieter ein Sonderkündigungsrecht“, erläutert Engel-Lindner. Wohnt er im selben Haus mit nicht mehr als zwei Parteien, muss er sich nicht an übliche Kündigungsfristen halten.

Steuerrechtliche Vorteile: Wer eine Einliegerwohnung vermietet, muss die Mieteinnahmen steuerlich geltend machen. Er kann auf der anderen Seite aber auch die Ausgaben rund um die Vermietung absetzen. Dazu gehören Darlehenszinsen oder Aufwendungen zum Erhalt des Mietobjekts. „Voraussetzung für die Anerkennung der Kosten ist, dass sie klar abgrenzbar sind gegenüber den restlichen Kosten des Hauses“, erklärt Wagner. „Optimalerweise trennt man dafür beide Wohneinheiten beim Bau- und Darlehensvertrag und nutzt auch ein gesondertes Konto für die Einliegerwohnung.“

Doppelte Förderung: Bauherren, deren Haus die Anforderungen der KfW-Standards erfüllt, können die zinsgünstigen Darlehen zweimal in Anspruch nehmen – und zwar für jede Wohneinheit.

Kontra

Enge Nachbarschaft: Die Bewohner kommen sich näher als in Mehrfamilienhäusern, nutzen oft Flure oder den Garten gemeinsam.„Darüber muss man sich im Klaren sein“, betont Wagner. „Besonders wenn fremde Menschen die Wohnung mieten, sollten eindeutige Regelungen gefunden werden, was wie genutzt werden darf.“ Die Verbrauchskosten werden am besten separat erfasst und abgerechnet, um Streitigkeiten zu vermeiden.

Höhere Baukosten: Zwar ist der Bau einer Einliegerwohnung im Vergleich zu einer einzelnen Eigentumswohnung relativ günstig, er erhöht aber die Gesamtkosten.

Planungsaufwand: So ein Haus will gut geplant sein. „Einfach ein Bauträgerhaus anzupassen, das funktioniert meist nicht“, erklärt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren. Sie rät, einen Architekten zu beauftragen. Außerdem lässt nicht jeder Bebauungsplan eine Mietwohnung im Haus zu. „Bauherren sollten sich vorher bei ihrer Kommune erkundigen, welche Auflagen und Zusatzkosten auf sie zukommen, etwa durch den Nachweis von Pkw-Stellflächen.“

Wiederverkaufswert: Ein Haus mit Einliegerwohnung zu verkaufen kann ein gutes, aber auch ein schlechtes Geschäft sein. „Es kommt auf die Lage an“, sagt Wagner. „In Ballungsgebieten wird man wahrscheinlich bessere Preise erzielen als in ländlichen Gebieten.“

 

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