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Bauen & Wohnen

21. November 2017 | 11:30 Uhr

Fragen und Antworten : Die Gaspreis-Abzocke

vom

Kunden sollen durchschnittlich 132 Euro zu viel zahlen. Aribert Peters erklärt, wie man den Anbieter wechselt.

svz.de von
erstellt am 28.Dez.2015 | 21:00 Uhr

Viele deutsche Gasversorger lassen ihre Kunden einer Studie zufolge nicht ausreichend an den stark gefallenen Beschaffungspreisen an den Weltmärkten teilhaben. Sie hätten dadurch 2015 insgesamt 1,3 Milliarden Euro extra eingenommen, heißt es in einer gestern veröffentlichten Untersuchung des Hamburger Energiefachmanns Steffen Bukold im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion.  Für 2016 hätten die Versorger zwar etwas breitere Preissenkungen angekündigt. Auch dabei mache bisher aber nur gut ein Fünftel der Anbieter mit.  Mit Aribert Peters, Vorsitzender Bund der Energieverbraucher, sprach Benno Müchler.

Gaskunden sollen in den vergangenen Jahren pro Jahr durchschnittlich 132 Euro wegen zu hoher Gaspreise gezahlt haben. Wie erklären Sie das?
Peters: Das ist in der Tat sehr ärgerlich. Die Gasanbieter haben die stark gesunkenen Gas-Importpreise nicht an die Verbraucher weitergegeben und den Gewinn stattdessen selbst eingestrichen. Sie setzen darauf, dass die Verbraucher einen Wechsel scheuen und bei ihrem Anbieter bleiben, selbst wenn die Preise überhöht sind. Das ist laut Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs unzulässig. Dagegen gibt es jedoch kaum eine Handhabe.

Kunden können zwar gerichtlich vorgehen und versuchen, die Senkung, die nicht an sie weitergegeben wurde, zurückzuklagen. Doch in der Praxis lohnt der Aufwand nicht, weil die verlorenen Beträge zu niedrig sind. Auch scheint nur wenig Aussicht auf Erfolg, da der Bundesgerichtshof in seinen neuesten Urteilen sehr versorgerfreundlich entschieden hat.

Wie kann ich mich sonst als Kunde wehren?
Vom Gesetzgeber kann man keine Hilfe erwarten. Er hat den Gasanbieterwechsel freigegeben und vertraut darauf, dass der Markt die Anbieter zu verbraucherfreundlichen Tarifen zwingt. Wie man sieht nur mit mäßigem Erfolg. Da auch der rechtliche Weg kaum Erfolg verspricht, ist das beste und einfachste Mittel, den Anbieter zu wechseln. Der Wechsel ist kostenlos und  lohnt sich. Es sind Einsparungen von bis zu zehn Prozent beziehungsweise mehreren Hundert Euro jährlich möglich.

Was sollte man beim Wechsel beachten?
Den nächstmöglichen Kündigungstermin herausfinden und   zu diesem Termin den Anbieter wechseln. Dieser Termin muss in der Rechnung stehen. Nicht zum günstigsten Anbieter wechseln, der mit Niedrigstpreisen lockt. Hier gibt es auch schwarze Schafe. Einmal einen Vertrag eingegangen, kommt man daraus oft nur schwer wieder heraus. Verbraucher sollten daher auf die Empfehlungen und Erfahrungen ihrer Freunde, Bekannten und anderer Verbraucher setzen. Darüber hinaus können sich Kunden auf der Internetseite www.energieanbieterinformation.de  schlau machen. Wer einen hohen Neukundenbonus mitnimmt, sollte unbedingt zum zweiten Vertragsjahr kündigen, sonst zahlt er drauf.  Die Kündigung beim alten Anbieter übernimmt der neue Gasanbieter.

Checkliste zum Anbieterwechsel

Tipps zur Anbietersuche über Vergleichsportale

Aktuelle Bukold-Studie

Frühere Bukold-Studie Ende 2014

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