Einrichtung : Die Fantasie der Käufer anregen

Damit sich Häuser besser vermarkten lassen, werden sie vorher oft im Auftrag der Eigentümer noch leicht möbliert.

svz.de von
27. August 2016, 13:53 Uhr

„Home Staging“ optimiert Objekte extra für den Verkauf. Fotos: dpa
„Home Staging“ optimiert Objekte extra für den Verkauf. Fotos: dpa

Eine Sitzecke mit Kissen, passendem Beistelltisch und Leselampe, ein Bild an der Wand und Pflanzen auf der Fensterbank: Iris Houghton braucht nicht viel, um einen leeren Raum in ein gemütliches Wohnzimmer zu verwandeln. Sie ist Home Stagerin. Ihre Mission: eine Immobilie optimal für den Verkauf einzurichten. „Home Staging bringt das Potenzial einer Immobilie zum Vorschein und macht ihre Schokoladenseite sichtbar“, sagt sie.

Bei ihrer Arbeit überlassen Home Stager nichts dem Zufall. Ihr Ziel ist es auch, für den Verkäufer den bestmöglichen Preis zu erzielen. Auftraggeber sind nicht nur Privatleute, Makler und Bauträger, die eine Wohnung oder ein Haus zu veräußern haben.

Auch immer mehr Anbieter von Mietwohnungen und Gewerberäumen, Ferienhäusern und Wohnungen auf Zeit nutzen die Möglichkeit, ihre Immobilien optimal zu präsentieren – und sei es nur für eine Bilderstrecke auf einem Vermietungs- oder Verkaufsportal im Internet.

„Der erste Eindruck entscheidet oft darüber, ob Interessenten eine Immobilie besichtigen wollen oder nicht“, sagt Sun Jensch vom Immobilienverband IVD. Gerade bei Bestandsimmobilien kooperieren immer mehr Makler. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass alle Projekte durch professionelles Home Staging gewinnen und sich innerhalb weniger Wochen oder sogar Tage verkaufen.“

Dass nicht nur die Lage, sondern auch der Wohlfühlfaktor für einen Kauf oder eine Vermietung ausschlaggebend ist, weiß Houghton aus jahrelanger Erfahrung. Denn oft falle es Käufern schwer, bei der Besichtigung einer Immobilie abgewohnte Möbel, einen fleckigen Teppich oder einen Riss in der Wand zu ignorieren und leere Räume im Kopf einzurichten. „Wir wollen die Fantasie anregen und zeigen, was möglich ist“, erklärt Houghton.

Daher richten Home Stager die Räume nicht nach Wünschen der Verkäufer, sondern mit Blick auf die Interessenten ein. „Schicke Designermöbel passen eher in das Loft einer Großstadt, aber nicht immer in das Wohnzimmer eines Einfamilienhauses auf dem Land“, erläutert die Expertin. Die passenden Bilder, Handtücher und Lampenschirme entnehmen sie ihrem eigens aufgebauten Fundus. Käuflich sind die Möbel und Accessoires normalerweise nicht. „Viele Home Stager bieten aber auch ein Redesign an und helfen, die Immobilie nach dem Umzug in ein Zuhause zu verwandeln“, sagt Houghton.

Eine staatlich anerkannte Ausbildung für Home Staging gibt es nicht. Um den passenden Home Stager zu finden, empfiehlt Christina Wellhausen von der Deutschen Gesellschaft für Home Staging und Redesign neben der örtlichen Nähe und der persönlichen Sympathie auf Referenzen und Arbeitsproben zu achten. Erfahrungsgemäß kalkulierten Berater mit ein bis drei Prozent des Immobilienpreises.

Bei einer Summe von 100  000 Euro kann die Objekt-Inszenierung also zwischen 1000 und 3000 Euro kosten. Das Honorar ist übrigens auch im Fall eines Nicht-Verkaufs fällig, denn eine Erfolgsgarantie gibt es nicht.

Melanie Öhlenbach

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