Schlimmes Gefühl : Die Angst nach einem Einbruch

Schlimmes Gefühl: Ein Einbruch führt oft zu langanhaltenden psychischen Belastungen der Opfer.
Schlimmes Gefühl: Ein Einbruch führt oft zu langanhaltenden psychischen Belastungen der Opfer.

Rund ein Viertel aller Opfer von Einbrüchen leiden so stark, dass sie wegziehen wollen – doch das ist nicht die Lösung

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15. September 2018, 16:00 Uhr

Ein Einbruch in die einung ist ein Schock. Nicht nur, weil wertvolle oder persönliche Dinge gestohlen wurden. Neben dem Verlust von materiellen Werten müssen Einbruchsopfer vor allem verkraften, dass jemand in ihre Privatsphäre eingedrungen ist.

Ihr Zuhause, der intime Rückzugsraum, in dem sie sich immer geborgen fühlten, erscheint ihnen plötzlich nicht mehr sicher. „Das Grundvertrauen ist gestört“, sagt Gerd Reimann von der Deutschen Psychologen Akademie in Berlin. „Das ist eine starke psychologische Belastung, die sich in verschiedenen Symptomen äußern kann: Ängste, Nervosität, Schlafstörungen, Alpträume bis hin zu psychosomatischen Störungen wie Kopfschmerzen, Herz-Kreislauf- oder Magen-Darm-Problemen.“

15 bis 20 Prozent der Einbruchsopfer leiden langfristig unter Ängsten und psychosomatischen Belastungen, erläutert der Weiße Ring, ein Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten in Mainz.

Viele Opfer stellen sich immer wieder die quälende Frage, ob ihnen so etwas wieder passieren könnte. Ob sie vielleicht selbst durch Nachlässigkeit die Diebe angelockt haben? Auch Ekel spielt eine Rolle: Was hat der Eindringling angefasst? In welchen Räumen hielt er sich auf? „Etwa 25 Prozent aller Einbruchsopfer leiden so stark, dass sie aus ihrer Wohnung ausziehen wollen. Zehn Prozent tun das auch wirklich“, erläutert Reimann.

Damit sich Ängste und Traumata nicht verfestigen, ist es wichtig, Betroffene unmittelbar nach dem Einbruch zu unterstützen. „Es kann bereits helfen, über Erlebtes zu sprechen und so das Geschehene zu verarbeiten“, sagt Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des Weißen Rings. Es ist also sinnvoll, sich aktiv Beistand zu holen, bei Verwandten, Freunden, aber auch bei Hilfseinrichtungen oder Psychologen.

Allerdings sollten sich Freunde und Helfer mit eigenen Kommentaren und Bewertungen der Situation zurückhalten. „Das könnte die Selbstvorwürfe und Schuldgefühle der Opfer verstärken“, warnt Reimann. Er beobachtet, dass auch Aussagen bei polizeilichen Ermittlungen und Gespräche mit Versicherungen für Betroffene eine große psychologische Belastung darstellen können: „Notwendige Fragen nach den Tatumständen, nach Sicherheitslücken und Schutzvorrichtungen werden oft als Schuldzuweisung interpretiert. Danach fühlen sich die Opfer noch schlechter.“ Wenn Ängste und andere psychische Symptome nicht nach einigen Tagen oder innerhalb der folgenden zwei bis drei Wochen zurückgehen, sollten sich Betroffene psychologische Hilfe suchen.

„Etwa ein Drittel der Opfer kommt allein nicht zurecht“, sagt Reimann. „Viele Menschen neigen dazu, unangenehme Dinge zu vermeiden. Das ist zunächst auch in Ordnung.“ Verfestigt sich aber die Vermeidungsstrategie, sei Hilfe notwendig. Reimann betont: „Ein Einbruchsopfer, das aus Angst in eine andere Wohnung zieht, wird sich dort nicht automatisch sicherer fühlen. Im Gegenteil: Die Ängste werden nicht weniger, sondern stärker.“

Was kann man tun? Es kommt darauf an, die Gedanken und das Handeln der Betroffenen auf konkrete Pläne und Veränderungen zu richten. „Es hilft, sich darüber zu informieren, was man selbst tun kann, um künftigen Einbrüchen bestmöglich vorzubeugen“, erklärt Biwer: Mit welchen technischen Mitteln wie Türsicherungen, Alarmanlage oder Rollläden kann man es Einbrechern so schwierig wie möglich machen? Das gibt Einbruchsopfern oft das Gefühl, dass sie aktiv dazu beitragen können, weitere Einbrüche zu verhindern. „Was konkret getan werden muss, lässt sich am besten herausfinden, wenn man systematisch das ganze Haus durchgeht“, rät Helmut Rieche, Vorsitzender der Initiative für aktiven Einbruchschutz „Nicht bei mir!“. Wichtig ist, alle potenziellen Einstiegswege zu identifizieren.

Katja Fischer

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