Lesertelefon : Das Haus muss kein Energiefresser sein

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Wie kann ich energieeffizient bauen oder sanieren? Zu diesem Thema gaben gestern Experten unseren Lesern Auskunft beim Telefonforum.

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17. März 2016, 06:00 Uhr

Wenn das eigene Haus einen teuer zu stehen kommt, weil es zu viel Energie verbraucht, dann sollte man etwas unternehmen. Fragen zur energetischen Sanierung und deren Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten beantworteten gestern Frank Cohnen vom Verband der Privaten Bausparkassen, Manfred Engel, Gebäude-Energieberater aus Schwerin und Ulf Schmidt von der Energie-Sparzentrale GmbH Raben Steinfeld. Hier sind einige der wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst:


Unser Mietshaus wurde saniert, um Heizkosten zu senken. Aber ich muss viel mehr heizen, weil die über mir wohnende Mieterin Tag und Nacht alle Fenster in Kippstellung hat. Was kann man dagegen machen?

Sie haben sicher schon mit der Mieterin geredet und keine einvernehmliche Lösung gefunden. Dann können Sie sich nur noch an den Vermieter wenden, damit der eventuell seinerseits Einfluss nimmt und auf richtiges Lüftungsverhalten hinweist.
Bekommen wir eine Förderung, wenn wir Schritt für Schritt sanieren und mit der Dämmung anfangen? Unser Haus wurde 1999 gebaut.
Ja. Die KfW fördert beispielsweise Einzelmaßnahmen, die zur Verbesserung des energetischen Niveaus führen, mit ihrem Programm 152. Das betrifft die Wärmedämmung von Wänden, Dachflächen, Keller- und Geschossdecken, die Erneuerung der Fenster und Außentüren, die Erneuerung oder Optimierung der Heizungsanlage und den Einbau einer Lüftungsanlage. Allerdings müssen alle diese Maßnahmen technischen Mindeststandards entsprechen.


Wir sind in der Planung eines Hausneubaus. Stimmt es, dass man jetzt ein KfW-Effizienzhaus 55 bauen muss?

Das stimmt nicht. Wer neu baut, muss zwar seit Januar höhere Anforderungen berücksichtigen. Damit wird ein neuer Mindeststandard erreicht. Ein KfW-Effizienzhaus liegt mit seinem Einspar-Niveau über diesem Mindeststandard, kostet aber mehr. Dafür kann man jedoch auch die KfW-Förderung für Neubauten in Anspruch nehmen. Es ist also abzuwägen, ob man klassisch finanziert und ein „normales“ Haus baut, oder Förderdarlehen beziehungsweise Zuschüsse in Anspruch nimmt und dafür insgesamt höhere Investitionskosten hat.


Eine Bekannte riet uns, auch bei der Sanierung unseres Hauses einen Energieberater hinzuzuziehen. Den braucht man doch nur, wenn man Fördergeld erhalten will – oder?

Für die Nutzung der KfW-Förderprogramme „Energieeffizient Bauen“ und „Energieeffizient Sanieren“ ist es notwendig, einen Gebäude-Energieberater mit ins Boot zu nehmen. Aber auch ohne Förderung ist es sinnvoll, einen Fachmann hinzuzuziehen, der nach einer gründlichen Bestandsaufnahme Ihrer Immobilie die Schwachstellen kennt und darauf aufbauend geeignete Maßnahmen festlegt. Ansonsten kann es passieren, dass gutgemeinte Sanierungsmaßnahmen sogar ins Gegenteil umschlagen. Fehler werden teuer. Eine Vor-Ort-Beratung kann das vermeiden. Die Kosten für solch eine Beratung werden sogar von der Bafa, dem Amt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, bezuschusst. 60 Prozent der Beraterkosten, maximal 800 Euro, können mit den Beraterkosten verrechnet werden.


Wir möchten an unserem Haus eine Wand, die aus Gasbetonsteinen besteht, dämmen. Wie viel Dämmung ist aufzubringen?

Bei der Dämmung müssen Sie vor allem den Anforderungen der Energieeinsparverordnung gerecht werden. Das muss genau berechnet werden. Es kommt auch immer darauf an, welchen Dämmstoff Sie wählen. Sie könnten unter anderem Styropor sowie Mineralwolle- oder Holzfaserdämmung einsetzen.


Wir möchten die Außenwände dämmen. Kann man das in Eigenleistung schaffen? Worauf ist besonders zu achten?

Schaffen kann man alles. Um ein ordentliches Ergebnis zu bekommen, sollten Sie jedoch einen Fachmann hinzuziehen, denn es muss sehr sorgfältig gearbeitet werden – besonders im Bereich der Anschlüsse beispielsweise an Fenstersimsen, Dachfirsten und Sockel. Die Dämmung muss so angebracht sein, dass keine Hinterlüftung entsteht.


Wenn wir jetzt mit Anfang 50 unser Haus aus den 80ern komplett sanieren, kostet das einiges. Meinen Sie, dass wir davon noch einen finanziellen Nutzen haben?

Wenn Sie danach fragen, was sich für Sie rein rechnerisch lohnt, sollten Sie eventuell Einzelmaßnahmen wählen, um Energie zu sparen. Das hält die Kosten im Rahmen und birgt auch ein Einspar-Potenzial.
Da ich großen Wert auf ein gesundes Raumklima lege, bin ich von einer Dämmung mit Styropor nicht überzeugt. Mein Bekannter rät dazu, weil es günstig im Preis ist.
Wenn es Ihnen um ein gutes Wohnklima geht, sollten Sie Ihren Bekannten überzeugen, etwas mehr Geld auszugeben und sich für Steinwolle oder Holzfaserstoff als Dämmstoff entscheiden. Fragen Sie Ihren Bekannten doch einmal, was er lieber um sich hätte: eine Essenskiste vom Pizzaservice oder einen Kamelhaarmantel.


Wie funktioniert das mit dem Berater-Zuschuss? Wir möchten einen Gebäude-Energieberater engagieren, um bei der Komplett-Sanierung unseres Hauses aus dem Jahre 1923 nichts falsch zu machen.

Es gibt wie erwähnt den Bafa-Zuschuss für Ein- und Zwei-Familienhäuser von maximal 800 Euro für die Vor-Ort-Beratung. Die Kosten für Ihren Berater verringern sich damit um höchstens diese Summe. Der Berater stellt den entsprechenden Antrag bei der Bafa.
Lohnt sich eigentlich eine Solaranlage auf dem Dach für die Warmwasseraufbereitung?
Das kommt darauf an, welche Warmwassermenge sie übers Jahr brauchen. Haben Sie etwa vier halbwüchsige Kinder im Haus, die täglich zweimal duschen, benötigen Sie Unmengen an Warmwasser. Dann sollten Sie sich für Solarthermie entscheiden. Leben Sie als voll berufstätiges Paar allein im Haus, wird sich die Investition nicht amortisieren.
Wir wollen nächstes Jahr ein altes Bauernhaus übernehmen. Mein Mann möchte die Wände mit Styropor selbst bekleben. Ich habe da Bedenken.
Diese Bedenken sind eventuell angebracht, wenn Ihr Mann als blutiger Laie daran geht. Er sollte sich zumindest von jemand einweisen lassen, der damit Erfahrung hat.


Schimmelt es nicht im Haus, wenn es rundum dicht eingepackt ist?

Nein, diese Sorge muss man nicht haben, wenn Plan und Ausführung der Dämmmaßnahmen fachgerecht vorgenommen werden. Dazu kommt natürlich ein ordentliches Lüftungsverhalten. Schimmel kann nur entstehen, wenn es Wärmebrücken gibt beispielsweise an Fensterlaibungen und Wandecken.
Meine Frau kippt im Schlafzimmer bei Nacht die Fenster an und lässt die Heizung aufgedreht. Bringt das was?
Nein. Im Gegenteil. Zum einen steigen die Heizkosten und zum anderen kann Schimmelbildung begünstigt werden. Denn es findet keine richtige Luft- und Feuchtigkeitszirkulation statt.



 

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