Baumsterben : Borkenkäfer-Invasion lässt Fichtenholzpreise sinken

Borkenkäfer fressen Löcher in die Rinde und den Bast einer Fichte. /KEYSTONE
Borkenkäfer fressen Löcher in die Rinde und den Bast einer Fichte. /KEYSTONE

Der nur wenige Millimeter große Borkenkäfer kann über Jahrzehnte gewachsene Fichten innerhalb weniger Wochen zum Absterben bringen. Das Holz von Millionen von Bäumen überschwemmt derzeit zusätzlich den Markt - das hat Auswirkungen auf den Preis.

svz.de von
02. Oktober 2018, 13:39 Uhr

Fichtenholzpreise im freien Fall: Weil Millionen vonBäumen dem Borkenkäfer bereits zum Opfer gefallen sind, ist der Marktfür Fichtenholz massiv unter Druck geraten. Noch ist ein Ende derInvasion nicht absehbar.

Allein in Nordrhein-Westfalen geht dasUmweltministerium in einer aktuellen Schätzung von bis zu 2,1Millionen Kubikmetern befallenem «Käferholz» aus. Das entsprichtknapp zwei Millionen abgestorbenen Bäumen. Noch vor wenigen Wochenhatten Experten die Zahl nur etwa halb so hoch geschätzt. Das volleAusmaß der Schäden sei jedoch erst im Oktober erkennbar, hieß es.

Das Bundesland gilt damit unter Experten als einer der Schwerpunkteder Borkenkäfer-Ausbreitung. Hintergrund sind eher ungünstigeWachstumsbedingungen im Flachland für den auf kühle und feuchteHöhenlagen ab etwa 800 Höhenmetern spezialisierten Nadelbaum.Waldbesitzer klagen jedoch bundesweit über massive Schäden inMilliardenhöhe. Dabei werden neben den Folgen der Dürre im Sommerauch die Stürme zum Jahresbeginn für die aktuelle Massenvermehrungder Borkenkäfer verantwortlich gemacht.

«Das Holz ist nichts mehr wert», sagte Heidrun Buß-Schöne,Geschäftsführerin des nordrhein-westfälischen Waldbauernverbands. 60bis 100 Jahre alte Fichten würden derzeit oft für den Brennholzpreisverkauft. Während der Preis für Fichtenholz noch zum Jahresanfang beietwa 90 bis 95 Euro gelegen habe, habe sich der Wert vielfach nahezuhalbiert. Beim Forstbetrieb Wald und Holz geht Sprecher MichaelBlaschke von Einbußen von durchschnittlich etwa 30 Prozent aus.

Fichtenholz wird wegen seiner gut zu verarbeitenden, langen undgeraden Stämme vor allem in der Bauwirtschaft eingesetzt, aber auchin der Möbel-, Verpackungs- und Parkettindustrie. Derzeit sorgt vorallem der Bauboom eigentlich für eine hohe Nachfrage. Doch bereits ineinigen Jahren könnte Fichtenholz zur Mangelware werden, meinte JörgDommermuth vom Regionalforstamt Märkisches Sauerland.

Ob schließlich Bauherren sowie Möbel und Parkettkäufer von dengesunkenen Preisen profitieren werden, sei derzeit noch unklar, sagteGeorg Lange vom Hauptverband der deutschen Holzindustrie. Für dieWeiterverarbeitung sei es wichtig, dass die befallenen Bäume sofortgeschlagen würden, nur dann drohe dem Holz kein Qualitätsverlust. «Eskommt darauf an, dass man schnell handelt», sagte er. Sobald der Baumjedoch anfange, seine Rinde zu verlieren, hätten Pilze und andereSchädlinge schnell freie Bahn.

Förster würden die befallenen Stämme gern schnell aus den Wäldernholen, schon um die drohende weitere Ausbreitung des Borkenkäferszumindest einzudämmen, sagte Dommermuth. Doch Waldarbeiter und vorallem Transportunternehmen, die die Stämme zu den Sägewerken bringen,seien derzeit Mangelware. Die Aufarbeitung der Schäden werdevermutlich noch Jahre dauern, meinte Dommermuth. «Und das Fressengeht weiter.»

Ein Ende der Invasion ist derzeit nicht in Sicht. Nachdem sich dieKäfer bei den nun kühler werdenden Temperaturen demnächst in denBoden zurückziehen, ist im Frühjahr 2019 mit einer neuen Generationzu rechnen. «Für die Waldbesitzer ist das eine Katastrophe», stellteDommermuth fest.

Schon jetzt ist jedoch unter Fachleuten klar, dass sich die Wälderdeutlich verändern werden. Die lange Zeit als sichere Ertragsquellevon den Waldbesitzern geschätzte Fichte soll an den Klimawandelangepassten Baumarten weichen. «Die Bedeutung der Fichte wirdabnehmen», ist sich Blaschke sicher. In den Wäldern könnten künftigetwas japanische Sicheltannen, Mammutbäume oder Esskastanien wachsen.

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