Serie Finanz-Wissen : Betongold als Geldanlage?

Der Wunsch nach Wohneigentum sollte gut durchgerechnet werden.
Der Wunsch nach Wohneigentum sollte gut durchgerechnet werden.

Teil 14: Wohneigentum ist ein Traum vieler Menschen – doch man sollte sehr genau prüfen, was das für die Finanzen bedeutet

svz.de von
01. Mai 2017, 21:00 Uhr

Ähnlich einer Eheschließung ist die Anschaffung eines eigenen Heimes eine Lebensentscheidung, ein Schritt, den man auf keinen Fall bereuen möchte. Der sich auf keinen Fall ungeschehen machen lässt. Und der das eigene Glück bedrohen oder begründen kann.

Was wollen Sie wirklich?

Ja, Eigentum kann als ein Teil der Altersversorgung verstanden werden. Und ja, Sie können im Eigentum so ziemlich tun und lassen, was sie wollen. Aber: Auch wenn Ihre ganze Umgebung, Ihre Hausbank und die ganze Welt behaupten, Immobilieneigentum wäre todsicher und Sie wären blöde, sich jetzt nichts anzuschaffen – alle Sinnhaftigkeit nutzt Ihnen nicht, wenn Sie insgeheim keine Lust haben, die Verantwortung, die mit dem Eigentum untrennbar einhergeht, wahrzunehmen.

Wer Gartenarbeit nicht mag, Wege regelmäßig von Schmutz und Schnee beräumen als Belastung empfindet, handwerklich unbegabt ist und bisher bei jeder Kleinigkeit den Vermieter angerufen hat, sollte sich kein Haus mit Garten kaufen oder den Hausmeisterdienst gleich mit einplanen.

Wer finanziell spontan bleiben, weiterhin teure Hobbys pflegen, seinen Partner regelmäßig zum Essen einladen oder mit ihm jedes Jahr Urlaub im Ausland machen möchte, sollte sich nicht 30 Jahre an verpflichtende Kredittilgungen binden.

Drei Kriterien

Jede Geldanlage wird nach drei Kriterien beurteilt. Liquidität (Wie schnell komme ich an mein Geld), Sicherheit (Bekomme ich mein eingesetztes Kapital garantiert zurück?) und Rendite (Um wie viel Prozent wächst mein eingesetztes Geld pro Jahr?).

Rechnung

Stellen Sie sich vor, Sie verfügen über 250 000 Euro. Sie stehen nun vor der Wahl, sich dafür ein Haus zu kaufen oder es anzulegen und weiterhin zur Miete zu wohnen.

Kaufen Sie sich kein Haus, sondern legen es 30 Jahre für durchschnittliche 3 Prozent an, erhalten Sie nach Steuerabzug etwa 470 Euro pro Monat. Wenn die Kaltmiete für Ihre jetzige Wohnung unter 470 Euro liegt, machen Sie Verlust mit Ihrer Kaufentscheidung, liegt sie höher, dann Gewinn. Vorausgesetzt, die Zinsen für die Geldanlage steigen während der 30 Jahre nicht.

Aber!

In den meisten Fällen wird der Hausbau/-kauf finanziert. Dann müssen Sie die höheren Kreditzinsen für den Vergleich heranziehen. Bei einer Laufzeit von 20 Jahren, einem Kreditzins von 2,5 Prozent und einer Tilgung von 2 Prozent pro Jahr zahlen Sie eine monatliche Rate von etwa 938 Euro (davon im Schnitt etwa 400 Euro Kreditzinsen). Nach 20 Jahren haben Sie 225 000 Euro ausgegeben und noch etwa 120 000 Euro Schulden. Ihr Haus hat bis dahin schon 345 000 Euro gekostet und bedarf damit einer jährlichen Wertsteigerung von mindestens 1,6 Prozent, damit Sie nach 20 Jahren eine Null schreiben.

Die Nebenkosten für Makler, Grundbuch, Notar und die Grunderwerbsteuer, die schnell mehr als 25 000 Euro betragen können, sind in dieser Rechnung noch gar nicht enthalten.

Auch die Kosten, die bisher Ihr Vermieter tragen musste, wie die jährliche Grundsteuer, Wartung der Heizung, Instandhaltungskosten und die Gebäudeversicherung für das Haus (bisher Bestandteil der Kaltmiete) belasten nun Ihr Haushaltskonto zusätzlich.

Ist das Eigenheim also eine Geldanlage? Nein! Wohneigentum ist Luxus

Verstehen Sie mich nicht falsch! Wohneigentum ist ein Traum vieler Menschen. Es bedeutet für Viele Freiheit und Selbstverwirklichung. Letztendlich ist es jedoch wie ein Cabrio, eine Weltreise oder ein neues Smartphone – ein Luxus. Der bei einer Baufinanzierung zu zahlende Tilgungsanteil bedeutet für Sie zusätzlichen Konsumverzicht, wenn Sie nicht schon in den Jahren zuvor diese Gelder nachhaltig ansparen konnten.

Wie ein Ehepartner später bereuen kann, die eigene Karriere zugunsten des anderen geopfert zu haben, so kann es auch sein, dass Sie in 15 Jahren bereuen, wegen der Kreditraten keinen richtigen Urlaub gemacht zu haben.

Haben Sie alle Vor- und Nachteile sorgfältig gegeneinander abgewogen und fühlt sich der Gedanke an ein Haus wie Verliebtsein an, dann sollten Sie Ihren Traum von den „eigenen vier Wänden“ in Angriff nehmen. Wenn nicht, lassen Sie es. Egal was andere sagen!

Wichtiger Hinweis

Investieren Sie bei der Umsetzung Ihres Vorhabens Zeit. Informieren Sie sich im Internet und fragen Sie gute Freunde oder Verwandte, die solch ein Projekt schon bewältigt haben. Sein Sie kritisch und skeptisch, wenn Ihnen ein Berater in kurzer Zeit ein Finanzierungsangebot auf den Tisch legt, ohne mit Ihnen im Detail alle Möglichkeiten, Vor- und Nachteile besprochen und diverse Szenarien durchgerechnet und gegenübergestellt zu haben.

Übrigens

Die Statistik von 2004 besagt, dass in Deutschland die Ehe durchschnittlich 26,8 Jahre hält. Beim obigen Rechenbeispiel beträgt die Kreditlaufzeit (ein unveränderter Zins von 2,5 Prozent unterstellt) 32 Jahre bis zur vollständigen Tilgung.

Darum prüfe, wer sich ewig bindet!

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