Familie : Belastungsprobe Hausbau

Für Kinder bedeutet die Zeit des Hausbaus Verzicht auf vieles, weil ihre Eltern stark eingespannt sind.
Für Kinder bedeutet die Zeit des Hausbaus Verzicht auf vieles, weil ihre Eltern stark eingespannt sind.

Ein Haus zu bauen, ist aufreibend – wie bringt man das Familienleben und die Partnerschaft gut durch den Stress?

svz.de von
25. November 2017, 09:00 Uhr

Für manche Menschen ist ein eigenes Haus Teil der Lebensplanung. Sie möchten einen Ort haben, der ihnen gehört und den sie gestalten können. Ein Nest für die Familie, ein Rückzugsort, eine Heimat. „Erwartet werden da manchmal wahre Wunderdinge. Doch dann stellen die Leute schon beim Bau fest, dass es massive Probleme gibt“, erzählt Diplom-Psychologe Laszlo Andreas Pota aus Lübeck.

Was häufig unterschätzt wird: Die Zeit während eines Hausbaus ist äußerst belastend. Meistens läuft es nicht wie geplant, immer wieder gibt es Probleme, manchmal auch finanzielle. Das Paar hat nur wenig Zeit füreinander – und auch für die Kinder. Freunde und Hobbys werden vernachlässigt. Damit nicht noch zusätzlich Stresssituationen und Spannungen entstehen, empfehlen Experten, sich schon vorab Gedanken zu machen und vieles zu bereden. „Man sollte in der Familie offen kommunizieren, dass nun eine stressige Zeit bevorsteht“, empfiehlt Klaus Seifried vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Denn je nach Charakter gehen die Menschen unterschiedlich mit der Belastung um. So stürzen sich einige ins Abenteuer und denken, es wird schon gut gehen. Andere planen extrem viel und sorgen sich sehr um die Finanzen. Gut ist, sich klarzumachen und darauf einzustellen, dass das folgende Jahr zwar sehr aufreibend wird, danach jedoch wieder ruhigere Zeiten anstehen. Kindern kann zum Beispiel gesagt werden, dass es zwar hektisch wird, sich die Eltern jedoch jeden Samstagnachmittag nur Zeit für sie nehmen werden.

Solche Inseln und Erholungsphasen sind auch für die Partnerschaft wichtig. „Man sollte sich ein bis zwei Abende in der Woche Zeit nur für sich als Paar nehmen“, rät Seifried. Dabei muss nichts Großartiges anstehen. Wichtig ist aber, dass es mal nicht um das Thema Hausbau geht.

Empfehlenswert ist es auch, sich während der Bauzeit die Fortschritte bewusst zu machen und diese ein wenig zu feiern. Auch wenn das Leben das meist nicht zulässt: Am besten wäre es, den Hausbau anzugehen, wenn sonst keine stressigen Umstände den Alltag bestimmen, etwa die Betreuung kleiner Kinder und die Pflege von Eltern. Das gleiche gilt für beruflich stressige Perioden. Lässt sich all das nicht vermeiden, müssen Wege gefunden werden, Stresspotenziale abzubauen: Vielleicht können die Großeltern die Kleinen häufiger betreuen? Oder kann die Arbeitszeit verringert werden? Kommt es beim Hausbau doch zu Problemen, ist es wichtig, dass auf alle Fälle nicht beide Partner in Pessimismus versinken. Um den anderen aufzumuntern und wieder Mut zu machen, können Vergleiche angebracht sein. So kann dem anderen deutlich gesagt werden, was beim Hausbau schon alles erreicht wurde oder welche Krisen das Paar gemeinsam schon bewältigt hat. „Man sollte auch einen innerlichen Abstand bewahren und sich klar machen, dass man nicht alles auf einmal machen muss und die Dinge auch langsam angehen kann“, rät Seifried.

Äußerst problematisch kann die Zeit des Hausbaus bei Paaren werden, deren Beziehung ohnehin nicht zum Besten steht. „Manchmal soll ein gemeinsames Haus eine Ehe kitten“, so Hellfritsch. Das kann funktionieren, doch es kann auch ein böses Erwachen geben. Der zusätzliche Stress kann eine angespannte Situation zum Eskalieren bringen und zum endgültigen Bruch führen.

Doch auch das Gegenteil kann möglich sein: Das gemeinsame Projekt Hausbau könnte ein Paar in der Krise wieder zusammenbringen. Fraglich ist, wie lange die neue Eintracht hält. Denn wenn der Bau fertig ist, stellen viele Menschen fest, dass sich an dem Ärger von früher nichts geändert hat. Im Gegenteil: Es sind noch neue Probleme dazugekommen.

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