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Bauen & Wohnen

20. November 2017 | 12:55 Uhr

Wohnen : Asbest – die tödliche Gefahr

vom
Aus der Onlineredaktion

Wenn alterndes Baumaterial zerfällt und Fasern abgibt, wird es kritisch. Möglich ist das in vielen vor 1995 errichteten Gebäuden.

Wenn ein Umbau oder die energetische Sanierung des Hauses ansteht, kann ein verborgenes Problem akut werden: Asbest. Seit Mitte der 90er Jahre gilt zwar ein vollständiges Verwendungsverbot. Doch in vielen älteren Häusern ist die gefährliche Faser zu finden.

„Früher war Asbest ein ganz normaler Stoff, der in vielen Komponenten verwendet wurde“, erklärt Markus Ruf vom Tüv Rheinland. Ab den 1930er Jahren wurde er in mehreren tausend Produkten eingesetzt, etwa in Zement, Bodenbelägen und Dachabdeckungen, aber auch bei Brandschutzklappen in Lüftungskanälen. „Man kann davon ausgehen, dass in der Mehrheit der vor dem Jahr 1995 errichteten Gebäude eventuell Asbest zu finden ist.“

Wie gefährlich ist Asbest? Werden die Fasern eingeatmet, können sie sich in der Lunge festsetzen. Spätfolgen aus dem ungeschützten Umgang mit Asbest sind häufig Krebserkrankungen. „Der fahrlässige Umgang mit Asbest kann nicht nur gravierende gesundheitliche Folgen haben, sondern auch eine strafrechtliche Verfolgung wegen eines Umweltvergehens nach sich ziehen“, erklärt Andrea Grimm von der Verbraucherzentrale Hamburg.

„Fest gebundene Fasern wie im Asbestzement, der für Dächer und Wände verwendet wurde, sind unbedenklich - zumindest, solange sie nicht beschädigt werden“, erklärt Torsten Mußdorf, Geschäftsführer des Norddeutschen Asbest- und Gefahrstoffsanierungsverbandes in Hamburg. „Neben dem fest gebundenen Asbest können sich auch noch verschiedene schwach gebundene Werkstoffe im Haus befinden. Die sind gefährlicher als der fest gebundene, weil sie dazu neigen, im Alterungsprozess Fasern abzugeben.“

Wie lässt sich das Risiko einschätzen? Um sich und ihre Umgebung nicht in Gefahr zu bringen, sollten Bauherren einen Fachmann fragen, bevor sie mit den Umbauten beginnen. „Denn gerade bei der energetischen Sanierung, wie sie heute von vielen Hausbesitzern vorgenommen wird, sind asbesthaltige Komponenten betroffen“, erläutert Tüv-Experte Ruf. Wenn eine Wärmedämmung auf die Fassade aufgebracht wird, müssen oft vorher asbesthaltige Teile entfernt werden. Auch beim Abnehmen des alten Putzes oder von Faserplatten können Fasern frei werden. Sogar der Fensterkitt in Holzfenstern kann den gefährlichen Stoff enthalten, ebenso wie die Ummantelungen der Heizungsrohre, Fußbodenkleber oder Spachtelmassen. „Viele haben das ja gar nicht mehr auf der Rechnung“, sagt Verbraucherschützerin Grimm. „Sie denken, dass das Thema Asbest längst der Vergangenheit angehört.“ Sie empfiehlt, bei Asbestverdacht eine Laboranalyse in Auftrag zu geben, um sicherzugehen.

Wann brauche ich einen Sachverständigen? Eine Asbestsanierung sollte von vornherein in die Planung und Kalkulation von Bauarbeiten eingezogen werden. „Schließlich geht es um die Gesundheit der Bewohner“, betont Ruf. Sachverständige untersuchen, welche Komponenten betroffen sind und in welcher Form und Konzentration asbesthaltige Materialien vorliegen. „Und sie geben auch Tipps, wie Bauherren ihre Sanierungs- und Entsorgungskosten reduzieren können“, sagt Mußdorf. Denn nicht alle betroffenen Bauteile müssen zwangsläufig entfernt werden. Wenn zum Beispiel die Fensterbänke bei den Arbeiten nicht beschädigt werden, kann die Entsorgung entfallen. Man kann sich auch überlegen, ob man Wände und Dach so lässt, wie sie sind.

Wie wird die Asbestbelastung ermittelt? Ob ein Material schwach oder fest gebundene Asbestfasern enthält, hängt von seiner Zusammensetzung ab. Die Technische Regel Gefahrenstoffe (TRGS 519 Asbest) definiert Produkte mit einer Rohdichte bis zu 1000 Kilogramm pro Kubikmeter als schwach- und ab 1400 Kilogramm pro Kubikmeter als festgebunden. Für den dazwischenliegenden Bereich ist eine Bewertung durch einen Gutachter notwendig. Bei Verdacht auf schwach gebundenes Asbest zeigt eine Luftmessung die aktuelle Belastung mit den gefährlichen Fasern an. Oder das Material wird im Labor analysiert.

Katja Fischer

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