Neues Auto für Sie gefahren : Wie die brave C-Klasse zum Raubtier wird

Der Drift im Mercedes-AMG C 63 S ist spielend beherrschbar.
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Der Drift im Mercedes-AMG C 63 S ist spielend beherrschbar.

Schon erstaunlich, was da so in Affalterbach gezüchtet wird.

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06. März 2015, 22:30 Uhr

Schon erstaunlich, was da so in Affalterbach gezüchtet wird. Eigentlich ist die C-Klasse von Mercedes-Benz ein braves Auto für viele Zwecke. Eine viertürige Limousine (oder ein Kombi) mit vielen praktischen Vorzügen für den Alltagsgebrauch als Familienauto, Reisewagen, Dienstfahrzeug für Geschäftsleute oder als Taxi. Schon schick und repräsentativ, charakterlich eher dezent.

Die C-Klasse kann aber auch anders, wenn sie an die Tüftler von AMG geraten ist. Die Tuning-Tochter der Stuttgarter verwandelt den Mittelklässler mit einem V8-Biturbo in ein Raubtier, das gierig Asphalt verschlingt und nach Porsches schnappt. Es heißt dann C 63 AMG und grummelt, faucht, brüllt und knattert bei Zwischengasstößen aus vier Endrohren, dass den Fans von Achtzylindern der Atem stockt.

Wer noch den 6,2-Liter-Hochdrehzahlsauger aus dem Vorgänger im Ohr hat, muss sich nicht sorgen. V8 bleibt V8, auch mit „nur“ noch vier Litern Hubraum. Das reduzierte Volumen der Brennkammern kompensiert die Biturbo-Aufladung nicht nur, die Leistung steigt sogar deutlich auf 476 PS oder gar auf 510 PS in der Version C63 S.

Das Leistungsgewicht liegt mit nur 3,2 kg, die pro PS bewegt werden, auf dem Niveau von Supersportwagen. Der Sprint von 0 auf 100 gelingt in 4,0 Sekunden, die Spitze ist serienmäßig auf 250 km/h begrenzt, optional schaltet AMG auch 290 km/h frei.

Der Motor macht es nicht allein. So viel Power muss sauber auf die Straße gebracht werden. Dazu wurde die Spur verbreitert, um höhere Querbeschleunigung zu ermöglichen. Der V8 ruht in dynamischen Lagern, die ihre Steifigkeit in Sekundenbruchteilen an die Fahrbedingungen anpassen. Spürbar wird dies durch noch mehr Rückmeldung und eine direktere Lenkansprache bei rasanter Fahrt. Im Normalbetrieb erhöhen die dann weicheren Lager den Komfort, indem sie Geräusche und Schwingungen reduzieren. Sperrdifferenziale an der Hinterachse (mechanisch im C 63, elektronisch im C 63 S) erhöhen die Traktion, wenn es gilt, aus der Kurve heraus möglichst viel Speed für die Gerade aufzubauen.

Wir fahren den C63 AMG im Autódromo do Algarve. Vorneweg fährt DTM-Legende Bernd Schneider und zeigt den im Dreierpack folgenden Journalisten die Brems- und Einlenkpunkte. Gut so, der 4,7-km-Rundkurs an der portugiesischen Atlantikküste ist eine anspruchsvolle Berg- und Talbahn mit „blinden“ Kuppen und dramatischen Gefällen – also Augen auf und durch.

Der Spaß beginnt richtig nach zwei Runden zum Kennenlernen. Meister Schneider tritt nun aufs Gas, und wir tasten uns im „Race“-Modus des Fahrdynamikprogramms ans eigene Limit. Das verschiebt sich in diesem Auto erstaunlich. Der C63 S ist wunderbar leicht zu handeln, bricht das Heck aus, lässt es sich spielend wieder einfangen oder im Drift durchs enge Eck treiben. Das Speedshift-Getriebe ist eine einzige Freude, egal ob es selbst zielsicher den richtigen Gang findet oder manuell über die Alupaddles bedient wird und dabei blitzschnell auf Befehle reagiert. Man möchte gar nicht mehr aufhören, doch dann geht es auf die Abkühlrunde, und Schneider meldet sich per Funk: „Sauber, Jungs. Das war schnell, das hat Spaß gemacht.“ Uns auch. Hier haben sich Alltagsauto und Hochleistungsrenner in perfekter Symbiose vermählt. Das außergewöhnliche Vergnügen ist ab 76  100 Euro zu haben, auf die Spitze getrieben im C63  S ab 84  371 Euro.

Es geht auch eine Spur zahmer und deutlich günstiger. Neu im Angebot ist der C  450 AMG 4matic mit 3,0-Liter-V6 und Allradantrieb. Der kommt im Juni und soll um die 60  000 Euro kosten. Dafür gibt es das komplette AMG-Feeling in einem mit 367 PS auch nicht gerade untermotorisierten Fahrzeug. Design und Fahrwerk kommen aus Affalterbach, und die Auslegung der 4matic mit einer Kraftverteilung von 67:33 Prozent zugunsten des Hecks garantiert reichlich Fahrdynamik.

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