Abgas-Skandal : Wichtig ist, was hinten ’rauskommt

Auf dem Prüfstand: Abgasmessung im Rahmen eines Eco-Tests beim ADAC.
Auf dem Prüfstand: Abgasmessung im Rahmen eines Eco-Tests beim ADAC.

Was man jetzt über Stickstoffoxid, Kohlendioxid und Co. wissen sollte.

svz.de von
14. November 2015, 16:00 Uhr

Die Automobilindustrie steht aktuell weltweit in einem schlechten Licht: Es wurde gemogelt, dass sich die Zahlen biegen. Der Volkswagen-Konzern ist dabei derzeit der globale Prügelknabe. Fast täglich werden neue Tricksereien aufgedeckt. Nach Software-Manipulationen bei Dieselmotoren folgt nun die CO2-Krise. Wer blickt da noch durch? NOx, CO2 und Co sind aktuell in aller Munde – doch nur wenige wissen Genaues damit anzufangen. Hier nun der Blick über die Stammtisch-Kante.

Bei der motorischen Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Diesel oder Benzin entstehen Wasserdampf, Kohlendioxid (CO2), Kohlenmonoxid, unverbrannte Kohlenwasserstoffe, Partikel und Stickstoffoxid (NOx). Während letzteres unter anderem für den sauren Regen – und die aktuelle VW Krise – verantwortlich ist, wird das CO2 als Treibhausgas bezeichnet, gern auch als „Klimakiller“– was ziemlicher Blödsinn ist, weil sich das Klima nicht umbringen lässt. Allenfalls ändert es sich.

Katalysatoren und Filter entfernen oder binden relativ zuverlässig unverbrannte Kohlenwasserstoffe, das Atemgift Kohlenmonoxid und Rußpartikel. Problematischer sind die Stickoxide. In modernen Turbodiesel-Motoren kommt es aufgrund hoher Temperaturen und Luftüberschuss teilweise zur unvollständigen Verbrennung. Dabei entstehen vermehrt Stickoxide, die mit Hilfe von Abgas-Nachbehandlung oder Harnstoff-Einspritzungen weitgehend eliminiert werden können. Das ist aber technisch aufwändig und teuer, weshalb sich VW zum Schummeln verleiten ließ.

CO2 und Verbrauch

Spielen die Stickstoffoxide im Leben eines normalen Automobilbesitzers eigentlich keine Rolle, wird beim Autokauf seit einigen Jahren vermehrt auf den CO2-Ausstoß Wert gelegt. Der steht in einem direkten Zusammenhang mit dem Treibstoffverbrauch. Sinkt der Verbrauch, sinken auch die Emissionen von CO2 – und mit ihnen die Kfz-Steuer.

Wer einmal genau hingeschaut hat, wird festgestellt haben, dass ein Dieselmotor bei der gleichen Menge Treibstoff mehr CO2 emittiert als ein Benziner. Der Grund liegt im Kohlenstoffanteil des Kraftstoffs. Aufgeschlüsselt heißt das: Bei der Verbrennung von einem Liter Benzin werden 2370 Gramm CO2 freigesetzt. Bei der Verbrennung der gleichen Menge Diesel 2650 Gramm CO2.

So entsprechen 132,2 Gramm je Kilometer einem Verbrauch von 5,6 Litern Benzin bzw. 5,0 Litern Diesel auf 100 Kilometern. Auf Basis der jeweils vom Hersteller bei internen Tests in einem genormten Zyklus (NEFZ) ermittelten Verbrauchsdaten findet heute die Berechnung der Kfz-Steuer statt.

Nahezu jedes Auto verbraucht in der Praxis mehr als unter Laborbedingungen. Das liegt zum einen daran, dass die Hersteller die Fahrzeuge bis zum Rande der Legalität für den Normtest auf dem Prüfstand optimieren. Zum anderen kommt in der Debatte vielfach die Tatsache zu kurz, dass der Verbrauch auch bis zu 30 Prozent von der individuellen Fahrweise abhängig ist.

Kfz-Steuer

Die große Frage, die sich jetzt VW-Fahrer stellen, ist, ob das Finanzamt eine satte Nachzahlung fordern wird. Grünen-Politikerin Lisa Paus: „Es sieht danach aus, dass VW sich durch zu niedrig angegebene CO2-Werte der Steuerhinterziehung schuldig gemacht hat.“ Verkehrsminister Alexander Dobrindt deutete an, dass eine Neuberechnung der Kfz-Steuer fällig werden könnte. Was genau auf die betroffenen Fahrzeugbesitzer zukommt, wird sich zeigen. Der Trend geht dahin, VW in Haftung zu nehmen.

Rückgaberecht


Sollte der eigene Neuwagen nachvollziehbar zehn Prozent mehr verbrauchen, besteht die Chance, vom Kaufvertrag zurückzutreten. So entschied das Oberlandesgericht Hamm 2013. Ein Autokäufer hatte nach 15  000 gefahrenen Kilometern geklagt. Nach Feststellung eines Sachverständigen lag der Mehrverbrauch bei 10,39 Prozent, was laut OLG Hamm ein Rücktrittsrecht vom Kaufvertrag begründet. Allerdings hatte der Käufer den Wertverlust auszugleichen.

 

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