zur Navigation springen

VERKEHRSSICHERHEIT : Welche Assistenzsysteme sinnvoll sind

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Angebot an elektronischen Helfern im Auto wird immer umfangreicher.

Autofahrer bekommen immer mehr technische Unterstützung: Erst gab es das Anti-Blockier-System (ABS), dann den Schleuderschutz ESP. In modernen Autos gibt es zusätzlich noch die Reifendruckkontrolle, und bald wird in Neuwagen auch der automatische Notruf E-Call zum Standard gehören. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Assistenzsysteme, bei denen der Käufer die Wahl hat. Manche sind sinnvoll, andere verzichtbar. Ein Überblick:

❏Adaptiver Tempomat mit Notbremsung: Konnten Tempomaten früher nur eine eingestellte Geschwindigkeit halten, sind sie inzwischen flexibel geworden. Mittels Abstandsmessung können sich moderne Autos von einem Vordermann mit wechselnden Geschwindigkeiten „ziehen“ lassen. Weil das Auto so im Verkehr „mitschwimmt“, habe das System auch einen Spritspareffekt, sagt Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Neueste Systeme koppeln ihre Abstandsregelung mit Kollisionswarnungen und Notbremsassistenten, die das Auffahren auf langsamere oder stehende Autos verhindern. Die unabhängige US-Organisation Insurance Institute for Highway Safety (IIHS) veröffentlichte kürzlich eine Studie über das Schutzpotenzial des City-Safety-Systems von Volvo und attestiert ihm hohe Wirksamkeit: Es vermeidet vier von zehn Auffahrunfällen und senkt die Zahl der Verletzten um nahezu 50 Prozent.

❏Totwinkelassistent: Früher musste der Fahrer dem toten Winkel zwischen dem Bild im Spiegel und der direkten optischen Wahrnehmung mit einem Schulterblick begegnen. Heute leuchtet ein Lämpchen im Spiegel oder im Spiegelgehäuse auf, wenn ein Auto auf der Nebenspur naht. Immer dann, wenn der Blinker gesetzt wird, auf der Fahrspur nebenan aber ein Auto naht oder bereits im toten Winkel ist, blinkt das Lämpchen. Oft ist die optische Warnung an einen Signalton gekoppelt. Da manche Totwinkelwarner aber erst ab 60 km/h richtig funktionieren, bleibt das System im Stadtverkehr noch hinter seinen Möglichkeiten zurück.

❏Spurhalteassistent: Auch bei diesem System gibt es graduelle Unterschiede. Manche Lösungen warnen den Fahrer durch ein vibrierendes Lenkrad, andere setzen zusätzlich einen Signalton ein. Manche lenken aktiv gegen, wenn das Auto die Spur verlässt. Andere erledigen den Eingriff über das Abbremsen einzelner Räder. Ein prinzipiell sehr segensreiches System, das Frontalunfälle und eine Abweichung in den Straßengraben oder gar gegen einen Baum verhindern kann. Voraussetzung ist aber, dass die Kameras die Straßenmarkierungen verlässlich erkennen, was nicht immer der Fall ist.

❏Sprachsteuerung: Um Funktionen im Auto für den Fahrer handhabbar zu machen, für die er die Hand vom Steuer nehmen und sich in Menüs des Infotainmentsystems vertiefen müsste, kann er auch in ein Mikrofon sprechen. Nur funktioniert das bei manchem Hersteller noch nicht so recht. „Die Sprachsteuerung muss intuitiver werden“, fordert Constantin Hack vom Auto Club Europe (ACE ).

❏Müdigkeitserkennung: Auch dieses System arbeitet oft noch nicht sehr zuverlässig. Zudem besteht eine Gefahr, die prinzipiell auch für andere Assistenten gilt: Autofahrer neigen dazu, voll auf den Helfer im Hintergrund zu setzen. Anstatt sich auf ihr Gefühl zu verlassen, „fahren sie, bis die Kaffeetasse im Display erscheint“, mahnt ACE-Sprecher Hack. „Die Fahrt wird ausgereizt, bis die Augen zufallen.“ Das ist besonders gefährlich, wenn das System nicht richtig funktioniert und erst gar nicht warnt. Übrigens gibt es noch keine Lid- oder Pupillenerkennung per Kamera. Für die Müdigkeitswarnung wertet eine Software die Daten ohnehin vorhandener Sensorik sowie das Verhalten beim Lenken, Bremsen und Gasgeben aus.

❏Fernlichtassistent: Das automatische Auf- und Abblenden bringt nach Einschätzung der Experten ein Sicherheitsplus. Das liegt zum einen daran, dass Fernlichtassistenten meist an LED- oder Xenonlicht statt Halogenlicht gekoppelt sind, und das bringt laut ADAC eine deutlich bessere Ausleuchtung der Straße und arbeitet oft ohne irritierendes Streulicht. Das „intelligente“ Dauerfernlicht, bei dem für entgegenkommende Verkehrsteilnehmer der Lichtkegel so geteilt wird, dass sie nicht geblendet werden, arbeitet mittlerweile zuverlässig.

❏Nachtsichtsystem: Mit diesem Assistenten, bislang nur in Oberklasseautos verfügbar, soll das Geschehen vor dem Auto durch eine Wärmebild- oder Infrarotkamera besser sichtbar werden. Das Problem dabei: Der Fahrer muss den Blick von der Straße abwenden, wenn die Kamerabilder in der Cockpit-Anzeige angezeigt werden. Besser sind die Lösungen, die dafür ein Head-up-Display nutzen. Um Fußgänger auch bei Dunkelheit besser erkennen zu können, dürfte ein fortschrittlicher Fernlichtassistent, der Personen mit Lichtpunkten markiert, den angestrebten Effekt besser umsetzen.

❏Verkehrszeichenerkennung: Hilfreich, aber nicht immer verlässlich: Das ist das grundlegende Ergebnis, das Untersuchungen der Verkehrszeichenerkennung immer wieder attestieren. Nach Einschätzung von ACE-Sprecher Hack gehört das System ebenso wie Parkpiepser und mitlenkende Einparkassistenten eher zu den Komfort-Extras. Immerhin hilft es, Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuhalten, was viele Autofahrer als angenehm empfinden. Neuerdings geht das bei einigen Herstellern automatisch. Aber Achtung: Wird man geblitzt, kann man sich nicht darauf berufen, die Verkehrszeichenerkennung habe nicht funktioniert. Allein der Fahrer bleibt verantwortlich.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen