Aufgebockter Golf : VW kann auch wild und bunt

Frisches Design bringt der T-Roc in die VW-Familie.
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Frisches Design bringt der T-Roc in die VW-Familie.

T-Roc rollt zu den Händlern mit vier Türen und 115 PS – und sogar billiger als der biedere Bruder.

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11. November 2017, 16:00 Uhr

„Die Deutschen haben sich in das SUV verliebt“, sagt Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer. Jeder vierte Neuwagen ist mittlerweile so ein solches Vehikel – und die Quote steigt Jahr für Jahr, kein Ende in Sicht. Dabei werden die verkappten Geländewagen immer kleiner. VW hat nun die Golf-Klasse höhergelegt: Doch beim T-Roc erinnert nichts mehr an den biederen älteren Bruder.

Der T-Roc soll Käufer an VW binden, denen der Golf zu langweilig geworden ist. Die könnte nicht nur die höhere Sitzposition überzeugen, sondern auch die für VW-Verhältnisse geradezu wilde Optik des Newcomers.

Dafür sorgen insbesondere elf Außenfarben, drei Dachfarben und insgesamt 24 Farbkombinationen – der VW-Klassiker „Deep Black Perleffekt“ oder die einzige aufpreisfreie Farbe Uranograu wären für dieses Gefährt viel zu langweilig. Die Front erinnert noch an den Tiguan, doch die coupéartige Seitenlinie, die C-Säule ähnlich einem Targa-Bügel und das kecke Heck streiten jede Verwandtschaft mit der VW-Familie ab.

Im Innenraum gibt es keine gediegene Eleganz wie im Golf oder im Passat, dafür Anleihen beim Beetle. Die durchlaufende Dekorblende im Armaturenbrett, das schwarze Hartplastik darüber, die Sitze – von dem Begriff „wertig“, der einst für den Golf 6 erfunden wurde, hat VW hier Abschied genommen. Doch das schockt wohl auch nur Golf-Fahrer – andere freuen sich vielleicht darüber, dass VW es auch wild und bunt treiben kann.

Unter dem Blech (und den Kunststoff-Kotflügeln) steckt aber alles, was der modulare Querbaukasten des VW-Konzerns hergibt – da unterscheidet sich der T-Roc nur wenig von Audi Q2, Seat Ateca und Skoda Karoq. Die Motorenpalette reicht von 115 bis 190 PS und umfasst drei Benziner und drei Diesel mit drei oder vier Zylindern – locker genug für den urbanen Dschungel. Anders als seine Konkurrenten Kia Stonic und Renault Captur gibt es den T-Roc aber auch mit Allradantrieb, und zwar serienmäßig mit dem Siebengang-DSG in den Topmotorisierungen mit 190 PS (TSI) oder mit 150 PS (TDI). Dann springt der Einstiegspreis aber von 20 390 Euro (115 PS) auf 30 800 bzw. 32 100 Euro. Zum Vergleich: Einen viertürigen Golf mit 85 PS gibt es ab 18 750 Euro, mit 110 PS ab 20 525 Euro. Die SUV-Version T-Roc ist also nicht teurer, sondern sogar 135 Euro billiger als das vergleichbare Golf-Grundmodell.

Ein Tipp zur Ausstattung: Die 500 Euro für das Soundsystem von Beats mit 300 Watt kann man sich getrost sparen, die hinteren Boxen plärrten in unserem Testwagen nicht anders als die normalen Lautsprecher – dann lieber 1230 Euro für ein Schiebedach.

Der T-Roc punktet mit einem größeren Kofferraum als der Golf – statt 380 Liter passen hier 445 Liter hinein. Dafür haben Passagiere auf den hinteren Sitzen im Golf mehr Beinfreiheit. Kurzum – die Wahl zwischen Golf und T-Roc dürfte vielen VW-Kunden schwer fallen, sofern sie sich an das neue SUV-Design herantrauen. Der gleiche Konflikt steht im kommenden Jahr übrigens auch den VW-Polo-Freunden bevor. 2018 debütiert das nächste Baby aus der SUV-Familie – den T-Cross.

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