Kosten : Volkssport Versicherungswechsel

Beim Wechsel der Kfz-Versicherung lässt sich Geld sparen - wenn man dabei einige Fallstricke beachtet.
Beim Wechsel der Kfz-Versicherung lässt sich Geld sparen - wenn man dabei einige Fallstricke beachtet.

Millionen Autofahrer auf dem Sprung: Welche Fallstricke beim Wechsel der Kfz-Versicherung lauern

svz.de von
15. April 2015, 23:08 Uhr

Die Suche nach der günstigsten Autoversicherung hat sich in Deutschland zu einem Volkssport entwickelt. Bei kaum einer anderen Versicherung sind die Kunden so sprunghaft wie bei der Kfz-Haftpflicht – der Billigste macht das Rennen. Durch Vergleichsportale im Internet wie Check24 oder Verivox hat sich das Wechseltempo nochmals erhöht. „Ein großer Anteil der Kunden wechselt jedes Jahr“, sagt Daniel Friedheim von Check24, das zuletzt rund 750 000 Kfz-Verträge vermittelte. Nach Berechnungen des Meinungsforschungsinstituts YouGov haben im vergangenen Jahr mehr als zwei Millionen Kunden den Kfz-Versicherer gewechselt – und damit 17 Prozent mehr als im Vorjahr.

Um mithalten zu können, liefern sich die Anbieter seit Jahren einen harten Preiskampf. Rund ein Drittel des Marktes teilen sich die beiden Riesen Huk-Coburg und Allianz untereinander auf: Auf Platz eins nach der Anzahl der Verträge steht die Huk-Coburg. Während die Allianz nach der letzten Wechselrunde zum Kündigungsstichtag 30. November 2014 rund 8,2 Millionen Fahrzeuge zählte, kam die Huk-Coburg auf 10,3 Millionen Autos.

Neben den beiden Riesen buhlen aber auch noch mehr als 90 andere Versicherer um Kunden für die Kfz-Haftpflicht, die in Deutschland jeder Fahrzeughalter für Auto, Motorrad, Quad oder Traktor abschließen muss. Insgesamt gibt es nach Angaben des Verbandes gut 60 Millionen Kfz-Haftpflichtverträge und zusätzlich rund 45 Millionen freiwillige Teil- und Vollkaskoverträge. Für die Kunden zahlt sich der Wettstreit der Versicherer aus: Während sie vor 20 Jahren im Schnitt 289 Euro pro Jahr für die Kfz-Haftpflicht zahlten, waren es nach GDV-Angaben im Jahr 2013 noch 237 Euro. Seit 2011 ziehen die Preise wieder an. Für das vergangene Jahr rechnet der GDV im Schnitt mit einem Plus von drei Prozent für die Kfz-Haftpflicht. Die Preisunterschiede zwischen einzelnen Versicherern sind aber groß. Das Vergleichsportal Verivox kommt je nach Vertrag auf Unterschiede von 850 Euro pro Jahr bei einer Kfz-Haftpflicht mit Vollkasko zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter.

Die Kfz-Versicherung zu wechseln, kann sich also lohnen. Das ist in den meisten Fällen mit einer einmonatigen Kündigungsfrist immer zum Ende des Versicherungsjahres möglich. Jedes Jahr blind von einer Versicherung zur nächsten zu springen, um günstige Prämien zu kassieren, ist aber wenig sinnvoll: Denn so droht man, schnell über einige Fallstricke zu stolpern, warnt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Welche das sind, zeigt ein Überblick:

Schadensfall verheimlichen: Kurz vor Ablauf der Kündigungsfrist hat es gekracht – jetzt schnell wechseln, damit man bei der neuen Versicherung noch in die alte Klasse eingestuft wird. Wer so denkt, fällt schnell auf die Nase. Denn die neue Versicherung wird bei der alten nachfragen, sagt Boss. Und so kann sie – selbst wenn das Angebot wegen der alten Klasse noch mit niedrigerer Prämie lockte – nachträglich den Preis anpassen.

Sonderrabatt: Manchmal hat man beim alten Versicherer einen Sonderrabatt bekommen, wenn man dort auch seinen Zweitwagen angemeldet hat. Wer nun für ein Auto die Versicherung wechselt, verliert die Sondereinstufung des Zweitwagens, erklärt Boss.

Rabattschutz: Bei der alten Versicherung hatte man eventuell einen Rabattschutz – einen Schaden hatte man quasi frei. „Dieser Rabattschutz wird nicht weitergeführt“, sagt Boss. Falls man einen Schaden hatte, wird die neue Versicherung ihn für die Einstufung der Schadensfreiheitsklasse also berücksichtigen, und die Prämie wird teurer.

Grundsätzlich gilt, bei der neuen Versicherung das Kleingedruckte zu beachten. So sollte der Versicherer bei der Kaskoversicherung etwa auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit verzichten, und die Deckungssumme bei der Haftpflichtversicherung beträgt am besten 100 Millionen Euro, gibt Boss zwei Beispiele.

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