zur Navigation springen

Tesla S 85 : Vier Monate Tesla – und keinen Kilometer bereut

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Unternehmer Hans-Julius Ahlmann berichtet von seinen Erfahrungen mit dem Modell S 85 des kalifornischen Elektro-Pioniers

Im Sommer besuchte ich in Arizona ein Einkaufszentrum. Im ersten Stock zwischen Mode und Bad-Accessoires entdeckte ich überraschend einen Tesla-Showroom. Dort war eine Bodengruppe zu sehen: vier Räder mit aufwändiger Aufhängung an einer dicken Aluminiumplatte mit Batteriesatz darin, und zwischen den Hinterrädern zwei kürbisgroße Aggregate. Das war’s. Das macht also einen Tesla aus.

Zurück in Deutschland überzeugt die Probefahrt und mir wurde beschieden, Konfiguration und Bestellung solle ich per Internet direkt nach Kalifornien durchgeben – „in den Warenkorb“, was mir bei 90  000 Euro dann doch seltsam vorkam. Aber es hieß: Acht Jahre Garantie auf Fahrzeug und Batterie, Leasingraten fixiert.

Inzwischen bin ich in vier Monaten 12  000 km gefahren und habe bisher keinen Kilometer bereut. Vielmehr habe ich mich innerlich tiefgreifend vom Verbrennerfahrer zum Elektrofahrer gewandelt. Stets verlässt der Tesla morgens von der Steckdose vollgeladen die Garage. Die Erwägung, ob man noch zur Tankstelle muss, fällt für immer weg. Das Netz der -Tesla-Supercharger-Anlagen ist zwischen Hamburg und Mittelnorwegen ausreichend engmaschig, südlich von Hamburg wird am Netz-Ausbau zum Teil noch gearbeitet.

An den Superchargern zieht man Strom in großen Mengen mit bis zu 135 kW Leistung kostenlos, lebenslang für das erworbene Auto. Mit dieser Ladetechnik wird Langstrecke möglich. Hamburg – Oslo oder London oder eine Spritztour nach Mailand... Dann sitzt man eben alle 300 km für eine knappe Stunde am Lader, checkt E-Mails und trinkt einen Espresso. Modern nennt man das „Entschleunigung“.

Angesichts der allgegenwärtigen Windräder und Solarpaneele hat man das erhebende Gefühl, man fahre von Wind und Sonne angetrieben. Wenn ein Porsche 911 Turbo mit vier Auspuffrohren sinnlich an einem vorbeiröhrt, fühlt man sich deutlich überlegen: Ach, die Verbrenner – waren doch schöne Autos dabei, damals… Beschleunigungsstärker ist ein hoch motorisierter Tesla sowieso: mit bis zu 700 PS sprintet er in 3,4 Sekunden aus dem Stand mit maximalem Drehmoment auf Tempo 100, fast lautlos und vibrationsfrei.

Wenn man auf den auffällig gut geschnittenen Wagen angesprochen wird, heißt es meist nach alter Väter Sitte: Wie schnell läuft der denn? Meiner 210 km/h, wenn es auf den Verbrauch nicht ankommt. Das reißt dann nicht vom Hocker. Aber manch Interessierter ist schon ansatzweise „elektrogebildet“, und dann kommt die Frage nach der Reichweite. Gute Frage: 200 km bei schneller Fahrweise, 300 km bei geordnetem Fahrstil (selten über 130 km/h), 400 km bei deutlich angepasster Fahrweise, und 500 km und mehr, wenn man es auf so genanntes Hypermiling anlegt. Das bedeutet: warmes Wetter (der Batteriebetriebstemperatur wegen), Heizung/Klima/Lüftung aus, Fensterschlitz auf, Fahrwerk auf niedrigster Stufe, Tempo nicht über 80 km/h, möglichst dicht hinter Lastern im Windschatten. So etwas mache ich nicht. Egal welchen Stil man fährt, ein Tesla hat immer mehr Reichweite als alle anderen reinen E-Autos.

Und wenn es ins gänzlich Unbekannte geht, dann habe ich meinen enormen Kabelsatz und riesigen Steckerkoffer dabei. Baustellenverteiler, Dönerbuden, überall findet man 32A-Starkstrom. Nach drei Stunden ist die leere Batterie dann wieder voll. Wer Zeit hat, lädt an der guten alten Schukosteckdose in über 30 Stunden.

Ein tolles Auto ist das, für mich praktisch ohne Kompromisse. Straßenlage wie ein Brett durch optimale Gewichtsverteilung von 550 kg Batterie in der Bodenplatte, nie gesehene Kofferraumkapazitäten vorn und hinten, und ein tolles Cockpit ohne Knöpfe und Schalter, dafür mit einem Touch-Screen im doppelten iPad-Format. Ich würde der Karosserie die Note „2“ geben und dem Antrieb ohne Zögern eine glatte „1“.

An Deutschland scheint diese Automobilentwicklung vollständig vorbeizugehen. Wir lassen uns vom Erstlingswerk eines erst zehn Jahre alten Startup-Unternehmens aus Kalifornien gnadenlos abhängen. Dabei hängt unser Wohlstand, unsere Zukunft doch vom weiteren Erfolg unserer bislang überragenden Automobilindustrie ab!

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen