zur Navigation springen

Auto-Test: Porsche Boxster : Viel Tempo aus vier Brennkammern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zwanzig Jahre nach dem ersten Boxster stellt Porsche den Sportwagen auf Vier-Zylinder-Betrieb um.

svz.de von
erstellt am 30.Apr.2016 | 16:00 Uhr

Downsizing auch in Zuffenhausen: Der Boxster, kleiner Bruder des 911, muss künftig mit zwei Brennkammern weniger auskommen. Zwischen Sitzen und Hinterachse gehen vier statt sechs Zylinder ans Werk. Keine Angst, der Motor entstammt nicht dem Teilelager der VW-Konzernmutter. Ein Vierzylinder in Reihenbauweise kam nicht infrage. Ein Boxer muss schon sein, da bleibt der Boxster seinem Namen (Boxermotor-Roadster) treu. Damit ihm beim Sprint nicht die Luft wegbleibt, sorgt ein Turbolader für Zwangsbeatmung. Das senkt nicht zuletzt den Verbrauch an teurem Super Plus.

Als der Boxster vor 20 Jahren auf den Markt kam, rettete sein Erfolg das finanziell angeschlagene Unternehmen Porsche. Damals kostete das Einstiegsmodell mit 204 PS 76  500 Mark (39100 Euro). Heute sind dafür 53  646 Euro fällig – das wären 104  900 Mark. Zum Vergleich: der billigste 911 Carrera kostet heute 96  605 Euro.

Trotz Downsizing kommt der neue Boxster schneller zur Sache: Der 2,0-Litermotor der Basisausführung leistet 300 PS, der 2,5-Liter-Motor im Boxster  S schafft 350 PS – jeweils 35 PS mehr als die Vorgänger mit 2,7 l oder 3,4 l Hubraum in sechs Zylindern. Das Drehmoment wuchs von 280 bzw. 360 Newtonmeter auf 380 bzw. 420 Nm, die nun schon ab 1900 Touren anliegen.

Genug der Zahlen, so einen Sportwagen muss man hören und fühlen. Der Einstieg verlangt ein gewisses Maß an Beweglichkeit, doch nach ein wenig Einstellarbeit passt der Fahrersitz wie angegossen. Ein Dreh am Zündschlüssel links neben dem Lenkrad, und schon röhrt der Boxster, was das Zeug hält. Die Befürchtung, der Vierzylinder könnte sich anhören wie ein kraftloser Käfer-Motor, hat sich sofort erledigt. Sowas würden die Zuffenhausener Soundingenieure nicht abliefern. Der Boxster röchelt nicht wie der 911er, nein, er knurrt mehr. Im direkten Vergleich hört man den Unterschied vielleicht heraus, doch in der Praxis hat der neue Boxster einen sehr eigenständigen, kraftvollen Klang.

Und was ist mit fühlen? Der Boxster muss sich keineswegs hinter dem 911er verstecken – das wird spätestens auf kurvenreichen Landstraßen klar. Das Handling des Mittelmotor-Sportwagens ist, kurz gesagt, ein Gedicht. Die Konstruktion sorgt schon für unübertroffene Wendigkeit, doch hier wurde auch nochmal die Lenkung auf ein neues Level gehoben. Im schnellen Slalom auf abgesperrtem Gelände und beim zackigen Ausweichmanöver hält sich der 1,4-Tonner exakt in der Spur – auch ohne die „Sport plus“-Stellung des Sport-Chrono-Pakets (1654 Euro). Wer auf der Piste noch ein wenig mehr Power braucht, drückt wie beim 911er auf den optionalen „Sport Response Button“, der alle Systeme für 20 Sekunden zur Höchstleistung treibt. „Der schärfste Boxster, den es bisher gegeben hat“, konstatiert Jan Roth, bei Porsche Chef der Modellreihe. Die Nordschleife des Nürburgrings durcheilt der neue Boxster in 7:42 Minuten – 16 Sekunden schneller als der Vorgänger.

Daten & Preise: Porsche 718 Boxster

Porsche 718 Boxster 2-sitziger Mittelmotor-Roadster, Länge/Breite/ Höhe/Radstand: 4,38 m/1,80 m/1,28 m/2,48 m, Leergewicht: 1335 kg,  Kofferraum: 275 Liter.

718 Boxster: 2,0-Liter-Vierzylinderboxer mit Doppelkupplungsgetriebe, 220 kW/300 PS, 0-100 km/h in  4,7 Sek., Höchstgeschwindigkeit: 275 km/h, Normverbrauch: 6,9 l,  158 g CO2/km; ab 56472 (53646 Euro mit 6-Gang-Schaltung).

718 Boxster S: 2,5-Liter-Vierzylinderboxer, 257 kW/350 PS,  4,2 Sek., 285 km/h,  7,3 Liter,  167 g CO2/km; ab  66141 Euro. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen