Verkehrsexperten warnen vor „App-Lenkung“

Ablenkung im Auto durch Telefonieren, „whatsapp“-Nachrichten oder auch die Bedienung von Radio und Navi erhöht die Unfallgefahr drastisch.
Ablenkung im Auto durch Telefonieren, „whatsapp“-Nachrichten oder auch die Bedienung von Radio und Navi erhöht die Unfallgefahr drastisch.

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30. Januar 2016, 12:00 Uhr

Die Vernetzung des Autos ist in aller Munde: Wlan-Zugang, SMS-Nutzung und zahlreiche Apps stehen bereits in vielen neuen Modellen zur Verfügung. Doch die Technik hat eine Schattenseite: Ablenkung im Straßenverkehr birgt höhere Unfallrisiken als zu hohes Tempo.

Der Deutsche Verkehrssicherheits-Rat (DVR) in Bonn weist daraufhin, dass selbst extrem kurzes Abwenden des Blicks von der Straße gefährlich ist. Beim Tippen einer Nachricht auf dem Mobiltelefon während der Fahrt sei das Unfallrisiko um das 164-Fache erhöht. „Allein für das Tippen des Wortes ’okay’ gehen locker zwei bis drei Sekunden drauf“, sagt DVR-Präsident Dr. Walter Eichendorf. Wenige Autofahrer machen sich bewusst, dass sie schon bei Tempo 50 pro Sekunde 14 Meter zurücklegen. Und das geschieht im „Blindflug“, wenn etwa während der Fahrt Mitteilungen über „whatsapp“ gelesen oder geschrieben werden. Kaum weniger gefährlich sei die Bedienung des Navi-Gerätes während der Fahrt, das Suchen eines Radiosenders oder das Auspacken eines Sandwichs.

Selbst auf Straßen mit wenig Verkehr kann es gefährlich sein, den Blick von der Fahrbahn abzuwenden. „Schon nach wenigen Sekunden driftet das Auto nach rechts oder links ab“, sagt Prof. Dr. Vollrath, Verkehrspsychologe an der TU Braunschweig. Er offenbarte aber auch eine verblüffende Erkenntnis seiner Studien: „Beim Telefonieren passieren weniger Auffahrunfälle als beim Fahren ganz ohne Telefon“, erklärt Vollrath. Der Blick des Fahrers sei beim Telefonieren nach vorn gerichtet, der Fahrer sei zudem in dem Moment meist besonders vorsichtig. Das sei jedoch kein Plädoyer für das Telefonieren am Steuer: „Dieses Phänomen gilt nur bei Auffahrunfällen, insgesamt gesehen ist Telefonieren eine Ablenkung, die in schwierigen Situationen das Unfallrisiko steigen lässt.“

Aufklärung vor allem junger Verkehrsteilnehmer sei nötig, meint Kay Schulte vom DVR: „Wir müssen die Gefahr dramatisch verdeutlichen.“ Beim Projekt „App-gelenkt“ habe der DVR mit jungen Leuten kreative Kampagnen gestaltet, darunter auch ein makaberer Kurzfilm, in dem ein Jugendlicher über die Straße geht und dabei auf sein Smartphone starrt. Dann tritt ein Pseudo-Magier auf: „Wir lassen ihn verschwinden; gleich ist er weg.“ Prompt rast ein Auto heran und schleudert den unaufmerksamen Fußgänger von der Bildfläche. Das solle verstören und für die enorme Gefahr durch Ablenkung im Verkehr sensibilisieren.

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