Moderne Soundsysteme : Update fürs Oldtimer-Radio

Eine Endstufe kann über dem Original-Radio angebracht werden, sodass die Optik des Klassikers...  Foto: Schickedanz
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Eine Endstufe kann über dem Original-Radio angebracht werden, sodass die Optik des Klassikers... Foto: Schickedanz

Moderne Soundsysteme mit MP3, USB und Bluetooth auch im Klassiker nutzen

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09. November 2019, 16:00 Uhr

Stefan Schickedanz Selbst Kleinwagen wie der Mini Cooper lassen heute mit ihrem serienmäßigen Sound-System aufpreispflichtige Car-HiFi-Anlagen aus dem letzten Jahrhundert sprichwörtlich alt aussehen. Vom optionalen Harman Kardon mit Center Speaker und doppelten Zentralbässen unter den Vordersitzen ganz zu schweigen. Doch nicht nur der technische Fortschritt im Infotainment-Bereich setzt Oldtimer-Radios zu. Auch der Zahn der Zeit nagt besonders an den Lautsprechermembranen respektive deren Aufhängungen. Das lässt ungeachtet des puristischen Fahrgefühls schnell den Wunsch nach einem Update für den Oldie aufkommen.

Das ist aber gar nicht so leicht. Wer seinem Interieur mit Blechschere und Säge zu Leibe rückt, um Türen oder Ablagen mit fetten Lautsprechern und den Kofferraum mit dicken Endstufen zu spicken, hat beste Chancen, sein H-Kennzeichen zu verlieren – vom erhabenen Gefühl, einen originalgetreuen Oldtimer zu fahren ganz zu schweigen.

Doch es gibt eine ganze Reihe von Lösungen. Die meisten davon bleiben unter dem Radar, denn die Autohersteller haben mit ihrem reichhaltigen Ab-Werk-Angebot hochkarätiger HiFi-Anlagen von Marken wie Burmester (Mercedes, Porsche), Bowers & Wilkins (BMW, Volvo, Maserati, McLaren), Bose (Mazda, Cadillac, Opel) oder Harman Kardon (BMW, Volvo, Kia) die klassische Einbauer-Szene aus dem letzten Jahrhundert nachhaltig ausgedünnt.

Moderne Autos hochgerüstetDass der Wechsel betagter Treiber auf ladenfrische, modernere Schallwandler allein noch keine Wunder bewirken kann, verdeutlichen diese Zahlen: Schon ein Mini Cooper fährt heute 12 Lautsprecher samt Mehrkanal-Endstufe mit 360 Watt auf. Und die Einbaupositionen der Schallwandler werden in modernen Fahrzeugen schon in frühen Konstruktionsphasen so gewählt, dass sie optimale Effizienz erzielen. So gelingt es den Entwicklern, allein durch die optimale Positionierung eines Lautsprecher-Chassis einen um 10 dB höheren Wirkungsgrad zu erreichen.

Wer erst mal auf den Geschmack gekommen ist, der dürfte sich schnell mehr Power und einen Subwoofer wünschen. Denn gerade an Bass mangelt es den Autos des letzten Jahrhunderts, die bis in die späten 90er Jahre ab Werk meist für tiefe Frequenzen viel zu kleine Membranen besaßen.

In diesen Punkten gibt es Abhilfe. Eine feine Adresse hierfür ist Audiotec Fischer aus Schmallenberg. Ihre kleinen, aber kräftigen DSP-Endstufen liefern sie mit den Standardanschlüssen vieler Hersteller für Plug & Play aus. Wegen des extrem hohen Wirkungsgrads von rund 95% emittieren sie so wenig Wärme, dass man sie, sofern genug Platz vorhanden ist, beispielsweise Huckepack auf dem Autoradio einbauen kann.

Bleibt nur die Frage, wie man MP3-Audio von seinem Smartphone einspeisen kann. Schließlich waren USB oder AUX-Anschlüsse damals nicht an Bord, nicht zu reden von Bluetooth. Mit einem FM-Transmitter (etwa Technaxx FM900BT, 30 Euro) für den Zigarettenanzünder-Anschluss kann der Handy-Nutzer die Musik über UKW auf einem freien Kanal direkt ins Autoradio funken und dabei noch sein Gerät am USB-Anschluss aufladen. Außerdem bietet das Gerät Skip-Tasten und Freisprecheinrichtung. Der Trick mit dem Funk funktioniert ziemlich gut. Der Sound besaß im Hörtest zünftigen Kick und bot einen druckvollen, differenzierten Bass, von dem Radio-Hörer nur träumen können. Allerdings rauscht das Ganze recht stark und bereitete speziell bei Überlandfahrten häufig Störungs-Stress mit lokalen Radiostationen, die auf der gleichen oder einer benachbarten Frequenz sendeten. Cassetten-Adapter für AUX oder Bluetooth rauschen etwas weniger, bereiten mit vielen Bandlaufwerken aber gewisse Probleme und sind lange nicht so praktisch wie der UKW-Transmitter.

Audio-Neuware

im Retro-LookWer eine wirklich perfekte Lösung sucht, hat zwei sinnvolle Alternativen: Entweder eine smarte Digital-Endstufe wie die PP-62 DSP für 500 Euro einbauen und seine Songs über das für 130 Euro erhältliche Bluetooth-Modul direkt in deren DSP streamen. Der umgeht dann das betagte, nur noch zum Nachrichtenhören benötigte Autoradio für optimale Sound-Qualität. Das Erscheinungsbild bleibt aber vollkommen original.

Oder man greift gleich zu einem leistungsfähigeren Autoradio. Neben Anbietern, die sich auf die Restauration gesuchter Klassiker von Marken wie Becker oder Blaupunkt spezialisiert haben, gibt es auch Neuware im Vintage-Look.

Am Ende dürften zwar all diese Maßnahmen nicht den Klang mit Bühnenabbildung über dem Armaturenbrett erreichen, wie man es von heutigen Mehrkanal-Systemen mit mehr als zehn Lautsprechern kennt. Doch in Dynamik, Ausgewogenheit und Bass-Fundament kann der Oldtimer mit einem HiFi-Upgrade mit seinen Nachkommen in vielen Fällen gleichziehen.

Stefan Schickedanz


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