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Neue Autos Für Sie gefahren : Triumph der Unvernunft

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

BMW treibt es mit dem X6 auf die Spitze: M-Version kommt mit 575 PS starkem Achtzylinder

svz.de von
erstellt am 13.Feb.2015 | 22:52 Uhr

Erste Frage: Wer braucht so ein Auto? Natürlich niemand. Zweite Frage: Wer will es haben? Da werden die Finger hochgehen. Von den Fans mit Benzin im Blut, aber auch von den Bedenkenträgern, die den mahnenden Zeigefinger heben. 575 PS? Absurd. 11,1 Liter Normverbrauch? Böse. 117  700 Euro Einstandspreis? Aua.

Der BMW X6 ist das Auto, an dem sich die Geister scheiden, erst recht an der neuen M-Version, die am 11 April zu den Händlern kommt. Ein brachialer Bolide, der sich in 4,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 katapultiert und auch nicht viel Zeit verplempert, bis er an die Regelgrenze von 250 km/h stößt. Weil das in diesem Fall ziemlich willkürlich wirkt, gibt es optional die elektronische Entfesselung. Dann rennt der X6M locker 280.

Es gibt einen Markt für solch extrovertierte Kraftpakete und das ist Grund genug für BMW und die Tochter „M GmbH“, das PS-Ungeheuer zu bauen. Wem der X6M zu schräge ist, für den gibt es den X5M, der im klassischen SUV-Format mit mehr Laderaum und Kopffreiheit im Fond aufwartet. Technisch sind beide Leistungssportler eineiige Zwillinge.

Die M-Ingenieure haben sich nicht darauf beschränkt, hinter riesigen Lufteinlässen ein 4,4 Liter großes Achtzylinder-Kraftwerk zu platzieren, das 20 PS mehr als der Vorgänger leistet und mit einem Drehmoment von 750 Newtonmetern (+70) gehörigen Wumms entwickelt. Dazu gehört auch ein ausgefeiltes Technikpaket, mit dem der X6M den brandneuen Mercedes GLE 63 AMG (585 PS) oder den Porsche Cayenne Turbo S (570 PS) in Sachen Fahrdynamik abhängen soll.

Das ist ein spezielles Thema bei einem 4,91 Meter langen 2,3-Tonner, den seine Besitzer auch gern mal auf Rennpisten ausführen, wie BMW-Mann Lars Beulke berichtet: „Sie glauben gar nicht, wie viele M-Kunden sich diesem Spaß gönnen.“ Triumph der Unvernunft. Damit sich die nicht rächt und der X6M beim Rasen am Limit kontrollierbar und standfest bleibt, wurde die Karosserie tiefer gelegt, das Fahrwerk mit neuen Leichtbaukomponenten versehen und die Motorkühlung mit großem Aufwand modifiziert. Die Bremsscheiben bekamen 40 Prozent mehr Reibfläche. Die 21-Zoll-Räder mit eigens entwickelter Michelin-Bereifung stemmen sich mit mehr Sturz auf den Asphalt.

Und so fühlt sich der BMW X6M auf einem Formel-1-Kurs tatsächlich mehr wie ein Sportwagen als wie ein SUV an. Das enorme Gewicht lässt er beinahe vergessen, die beschleunigte Masse folgt erstaunlich agil und präzise den Lenkbefehlen. Unangenehmes Wanken verkneift sich der Münchner Muskelprotz in schnellen Kurven. Im sportlichsten Fahrmodus mit ausgeschaltetem ESP lassen sich dank des hecklastig ausgelegten Allradantriebs leichte Drifts inszenieren. Die Steigung mit 41 Metern Höhenunterschied am Ende der Startgeraden auf dem „Circuit of the Americas“ in Austin/Texas stürmt der X6M so leichtfüßig hoch, dass man sich dabei erwischt, über Argumente nachzudenken, weshalb man so ein Auto doch braucht. Ach ja, ein bisschen Spaß muss auch mal sein.

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