Ökologische Mobilität : Strom „tanken“ während der Fahrt

Photovoltaik-Module als Straßenbelag sollen künftig Strom für E-Mobile liefern.
Photovoltaik-Module als Straßenbelag sollen künftig Strom für E-Mobile liefern.

Das könnte die perfekte Lösung für die Elektromobilität sein: Das Auto nimmt Strom in Fahrt induktiv aus der Straße auf.

svz.de von
10. Juni 2016, 21:00 Uhr

Der Solarstrom liegt auf der Straße und 20 Millionen Elektroautos laden unterwegs direkt von der Fahrbahn – an diesem Zukunftsprojekt forscht aktuell das RWTH-Institut für Straßenwesen in Aachen. Ziel ist die Energiegewinnung aus Straßenoberflächen mit integrierten Photovoltaik-Modulen. Ein Prototyp existiert bereits.

Bisher findet man Solar-Module meist auf nach Süden ausgerichteten Dächern, Freiflächen und Fassaden. Doch die Forscher um Professor Markus Oeser sind überzeugt, das deutlich größere Flächenpotenzial der Straßen für die Photovoltaik nutzen zu können. Rund 1,4 Milliarden Quadratmeter horizontale Flächen stehen zur Verfügung. In dem Projekt, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird, werden deshalb in den nächsten zwei Jahren die technischen und wirtschaftlichen Risiken befahrbarer Solar-Module erforscht.

Sie müssen zum Beispiel eine mechanische Belastbarkeit von bis zu 11,5 Tonnen Achslast haben, um auch Lkw tragen zu können. Diplomingenieur Lukas Renken: „Es werden Module benötigt, die horizontal liegen, bruch- und rutschfest sind und das Licht optimal zur Energiegewinnung nutzen.“

Der Ausstieg aus der Atomkraft macht alternative Stromquellen unverzichtbar. Außerdem wird der Stromverbrauch durch die zunehmende Elektromobilität erhöht. Donald Müller-Judex von der Solmove GmbH als Forschungspartner macht eine Rechnung auf: „Wenn 15 Prozent der Verkehrsflächen mit den Solar-Modulen ausgestattet werden, sind in Deutschland keine Atomkraftwerke mehr notwendig.“ Lokale Versorger könnten auf regenerative Alternativen umstellen und langfristig die Kosten für die Straßenerhaltung refinanzieren. Der Energieaufwand für die Produktion der Module werde in drei Jahren ausgeglichen. Das System soll eine Lebensdauer von 25 Jahren haben – länger als konventioneller Asphalt, der in der Regel nach 20 Jahren grundsaniert werden muss.

Die Straßen-Solarmodule der Zukunft sind etwa fünf bis sechs Millimeter dick, sie bestehen aus zusammensetzbaren Elementen, die wie ein Fliesenteppich ausgelegt werden sollen. Bedeckt sind sie mit einem besonders bruchsicheren und rutschfesten Spezialglas, das einfallendes Licht optimiert auf die Photovoltaik-Schicht im Inneren lenkt. Induktionsschleifen versorgen dann die E-Autos während der Fahrt drahtlos mit Energie. Zusätzlich führt das Solarmodul für die Straße photokatalytische Effekte herbei. „Es kann zur Luftreinhaltung beitragen, indem Stickoxide abgebaut werden“, so Lukas Renken. Die Fahrbahn-Oberflächen sollen außerdem selbstreinigend sein, damit möglichst wenig Schmutz das Sonnenlicht von den Solarzellen abhält. Integrierte LED-Lampen lassen die Seitenstreifen nachts leuchten, durch eine akustisch optimierte Struktur erhält die Solarstraße Flüsterqualität.

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