Staubsauger statt Luftgewehr

Auch Promis wie Schauspieler Günter Schubert mussten sich selbst behelfen
Auch Promis wie Schauspieler Günter Schubert mussten sich selbst behelfen

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13. Januar 2008, 03:42 Uhr

„Ostsee wir kommen“ war das Motto an einem schönen Sommerwochenende des Jahres 1988. Also wurde unser Trabbi „gesattelt“, d.h. mit allen notwendigen Strandutensilien sowie mit dem Naturalienkorb und dem Kasten flüssigen Brotes – Marke Lübzer – bestückt.


Gut ausgestattet ins Wochenende
Ein Blick in den obligatorischen Ersatzteilkasten zeigte mir, dass alle eventuell erforderlich werdenden Reparaturretter wie Keilriemen, Strumpfhose, Unterbrecherkontakte, Druck- und Zugfedern, Dichtungen, Isolierband, Eisensägeblatt, Rödeldraht usw. an Bord waren. Natürlich hatte meine Frau die Reinigungsutensilien für unseren Bungalow auch wohl verstaut.
Wir näherten uns langsam der Autobahnausfahrt nach Stralsund, als uns ein „flotterer“ PKW überholte. Just in diesem Moment ballerte es fürchterlich laut neben uns, so dass meine Frau sagte: „Der macht aber einen Krach!“ Ich konnte nur noch verstört antworten: „Fahr rechts ran, das ist unser Trabbi“.


Neues ungewöhnliches Ersatzteil
Eine erste Inspektion ergab dann auch, dass das Auspuffrohr am
Vorschalldämpfer abgerissen war. Der Kamerad Rost hatte ganze Arbeit geleistet, ohne dass die Werkstatt je einmal das bemerkt hatte. Was tun, sprach Zeus, die Götter sind besoffen, denn guter Rat oder DDR- Erfindergeist waren jetzt gefragt. Ein Blick in den Kofferraum brachte die eventuelle Erleuchtung, denn dort strahlte mich das Staubsaugerrohr silbrig glänzend hilfsbereit an. Es könnte richtig angewandt das „Ei des Kolumbus“ sein. Also wurde ein etwa zehn bis zwölf Zentimeter langes Stück zum Entsetzen meiner Frau abgesägt und in den Auspuff eingepasst.

Leiser "Staubsaugerauspuff"
Was ich nur erhofft hatte, wurde Wahrheit, denn das Rohrstück passte so genau in den Auspuff, als wenn es extra dafür hergestellt worden wäre. Nachdem ich das Auspuffrohr etwas zurückgedrückt hatte, konnte ich das noch herausstehende Rohrstück gut in den Vorschalldämpfer schieben. Alles wurde nun noch mit Bindedraht gut zusammengefügt und gesichert, so dass wieder eine stabile Verbindung hergestellt war.

Was von mir nur als Hilfslösung bis zur nächsten Werkstatt gedacht
war, entpuppte sich als so stabile und dichte Verbindung ohne jegliches Nebengeräusch, dass ich auf die Werkstattreparatur verzichtete. Mit der von mir praktizierten Auspuffverbindung bin ich noch viele Tausend Kilometer bis zur Wende gefahren, ohne dass ich dafür einen Orden bekommen habe.

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