US-Oldies importieren : So kommt der alte Mustang in die Alte Welt

Amerikanischer Showstar in der Alten Welt: Ein Cadillac Sixty Two Coupé aus den 1950er Jahren auf einer Oldtimer-Show bei Berlin. /dpa-tmn
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Amerikanischer Showstar in der Alten Welt: Ein Cadillac Sixty Two Coupé aus den 1950er Jahren auf einer Oldtimer-Show bei Berlin. /dpa-tmn

Längst wird der automobile Traum vom US-Klassiker aus dem Ursprungsland mit nur einem Mausklick wahr. Wie aber schaffen es Ford Mustang, Chevrolet Camaro oder Cadillac Eldorado auch real über den Großen Teich? Wer hilft, und welche Fallstricke gibt es?

svz.de von
27. November 2018, 11:25 Uhr

Das Internet kann für Autofans ein wahres Eldorado sein. Denn Angebote lassen sich weltweit finden. Wer nach einem US-Oldie sucht und etwa von einem 1964er Ford Mustang oder einem 1966er Chevrolet Camaro träumt, schaut sich daher vielleicht auch in den USA um.

So schnell man per Mausklick zum stolzen Besitzer werden kann, so viele Hindernisse können auftauchen, bis das Objekt der Begierde nach einer langen Reise schließlich in der heimischen Garage steht. Dieter Thiel weiß aus eigenem Erleben, dass es gar nicht so einfach ist im Paragrafen-Dschungel der Ausfuhr- und Import-Bestimmungen, der technischen und gesetzlichen Vorgaben den Überblick zu behalten.

Vorab informieren

«Die Bestimmungen ändern sich bisweilen, ob das nun den Zoll betrifft oder vielleicht auch nur die in Klimaanlagen eingesetzten Kältemittel», weiß der Firmeninhaber von USCars24, einem Wuppertaler Unternehmen, das seit 30 Jahren Neu- und Gebrauchtfahrzeuge aus den USA und Kanada importiert.

«Jeder Fall ist individuell», bestätigt Jörg Eckhardt Kuznik. So könne es gerade bei Oldtimern vorkommen, dass die Scheinwerfer umgerüstet werden müssen. Deshalb rät der Kfz-Sachverständige und Vertragspartner der Datenbank Classic Data dazu, erste Informationen zu einem bestimmten Fahrzeug beim entsprechenden Auto-Club einzuholen.

Schutz vor Betrügerein

Ein Auto etwa auf Ebay zu ersteigern, ohne das Fahrzeug vor Ort begutachtet zu haben, das hält Kuznik grundsätzlich für riskant. Die Diskrepanz zwischen den Bildern und dem, was der Kunde schließlich vorfindet, wenn der Container in Bremerhaven oder in Hamburg geöffnet wird, die könne ganz erheblich sein.

«Die Bandbreite der Betrügereien reicht vom Austausch von Anbauteilen, wie den Felgen, bis zu einer Innenausstattung, die statt des versprochenen Leders nur aus Kunstleder besteht», weiß Kuznik aus Erfahrung. Auch Ulrich Safferling kennt solche Fälle. «Es ist schon vorgekommen, dass der Käufer den Container in Deutschland geöffnet und ein Wrack oder einen schlecht reparierten Unfallwagen vorgefunden hat», so der Chefredakteur von «Auto Classic».

Unwissenheit schützt vor Schaden nicht

Zudem könnten Schäden auch aus bloßer Unwissenheit resultieren. «Aus Sicherheitsgründen darf bei der Verschiffung so gut wie kein Kraftstoff mehr im Tank sein», nennt Safferling ein Beispiel. «Wer nun aber in den USA noch einmal günstig volltankt, der muss damit rechnen, dass der Spediteur den Tank aufbricht, um das Benzin abpumpen zu können.»

Selbstimport Egal, ob beim Kauf im Netz oder vor Ort in den USA - immer lautet die grundsätzliche Frage: «Kümmere ich mich selbst um den Transport oder beauftrage ich ein Unternehmen», sagt der Journalist, der den Selbstimport aber durchaus nicht für ein unlösbares Problem hält.

Allerdings versichern Reederei oder der Spediteur nichts, verweist Thiel auf eine vermeintliche Kleinigkeit, die gerade beim Selbstimport gerne einmal übersehen werde. «Geht der Container über Bord oder bricht ein Feuer aus, wird der Schaden nur nach Tonnage bezahlt. 50 Euro pro Tonne bei einem Fahrzeuggewicht von vielleicht anderthalb Tonnen bedeuten dann einen Totalverlust.» Eine entsprechende Zusatzversicherung ist unabdingbar. Sie sollte über die Gesamtkosten für Auto, Verschiffung und Einfuhrabgaben abgeschlossen werden.

All-Inclusive-Paket

Wer sich den Selbstimport nicht zutraut oder für zu zeitaufwendig erachtet, der kann die Prozedur auch als Dienstleistung buchen. So bietet zum Beispiel USCars24 ein solches Import-Abwicklungspaket an. Das umfasse die komplette Abwicklung, vom Transport zum Verladehafen über die Container-Beladung in den USA und die -Entladung in Europa bis hin zur Verzollung und zum abschließenden Transport zum Käufer, erläutert Firmeninhaber Thiel.

Die dabei anfallenden zusätzlichen Kosten, etwa Transportversicherung, Zoll, die Einfuhrumsatzsteuer oder etwaige Umrüstung kommen dazu. «In welcher Höhe diese Kosten zu veranschlagen sind, das hängt immer auch vom Fahrzeug selbst beziehungsweise vom Kaufpreis ab», so Thiel. Safferling verweist darauf, dass bei Neufahrzeugen der Einfuhrzoll für Pkws 10, bei Lkw 22,5 Prozent betrage, und man zusätzlich 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer berechne, während der Zoll bei sammlungswürdigen Oldtimern eine ermäßigte Gesamtgebühr von nur 7 Prozent ansetzen könne.

Ersatzteilkauf vor Ort kann sich lohnen:

Für alle, die beim Kauf selbst vor Ort sind, hat «Auto Classic»-Chefredakteur einen Tipp: «Teile, die man ersetzen möchte oder muss, sollte man gleich in den USA kaufen, weil sie dort nicht nur wesentlich einfacher zu bekommen, sondern dementsprechend auch deutlich billiger sind.» In Deutschland dagegen müsse man zum Beispiel nach entsprechenden Reifengrößen für US-Oldtimer erst mühsam suchen.

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