Neuer Audi : Schwergewicht mit zwei Herzen

Das 2,5 Tonnen schwere SUV Audi Q7 E-tron sprintet in sechs Sekunden auf Tempo 100.
Das 2,5 Tonnen schwere SUV Audi Q7 E-tron sprintet in sechs Sekunden auf Tempo 100.

Mit dem Q7 E-tron wagt Audi einen Schritt in die elektronische Mobilität. Aber ganz ohne Kraftstoff geht es nicht.

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21. November 2015, 16:00 Uhr

Fast zweieinhalb Tonnen Kampfgewicht, aber nur 1,7 Liter Normverbrauch auf 100 km – das ist mit einem herkömmlichen Antrieb nicht machbar. Der Audi Q7 E-tron schafft es dank eines Diesel-Hybridantriebs, der dank Plug-in-Technik sogar mehr als 50 Kilometer rein elektrisch arbeiten kann. Der gewohnte Fahrspaß kommt nicht zu kurz. Dafür hat der SUV-Riese mit zwei Herzen aber einen stattlichen Preis: Mindestens 80  500 Euro sind fällig, wenn der Q7 E-tron ab Frühjahr 2016 ausgeliefert wird.

E-Mobilität. Und das mit einem Kraftakt. Will die Volkswagen-Tochter vom Abgas-Skandal ablenken? Kein Wort verlieren die Ingolstädter Offiziellen bei der Präsentation des abgasarmen Riesenautos von den dunklen Wolken, die über dem VW-Konzern schweben. Dagegen heißt es, Audi setze in der Zukunft voll auf den elektronischen Antrieb. Kein Wort über die Dieseltechnik. Man kann ja auch etwas vorweisen: Nachdem Audi beim A3 E-Tron bereits dreimal die Produktionskapazität erhöhen musste und im ersten Halbjahr mehr Akku-Autos verkaufte als Sportmodelle, steht der Q7 als Aushängeschild bei der Elektrifizierung in der Modellpalette. Und noch mehr: Audi will die E-Mobilität in alle Modellreihen einführen.

Die zweite Generation des Audi-Luxusliners kam im Juni auf den Markt, deutlich eleganter als der Vorgänger. Das gilt auch für den E-tron, der rund 20  000 Euro teurer ist als das optisch kaum zu unterscheidende Basismodell. Die immerhin 375 Kilo Zusatzgewicht für die Hybrid-Komponenten sieht man dem E-tron ebenfalls nicht an – und spürt sie auch nicht beim Fahren. Geradezu leichtfüßig sprintet das Schwergewicht in sechs Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht 225 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Wobei der Labor-Verbrauchswert von 1,7 Litern wohl eher Theorie ist. Bei unseren Testfahrten zeigte der Bordcomputer knapp sechs Liter auf 100 km an. Beim Sparen hilft das serienmäßige vernetzte Navi; mit dessen Daten und Echtzeit-Verkehrsinformationen errechnet das Hybrid-Management eine effiziente Antriebsstrategie. Die Elektronik schaut stets drei Kilometer voraus und informiert den Fahrer darüber, dass eine Kreuzung, ein Gefälle oder ein Ortseingangsschild kommen und es nun sinnvoll ist, den Fuß vom Gas zu nehmen.

Audi verspricht 56 Kilometer rein elektrische Reichweite, die Spitze unter Strom liegt bei 125 km/h. Für viele Fahrten auf kurzen Distanzen dürfte der in der 17,3 Kilowattstunden großen Lithium-Ionen-Batterie gespeicherte Strom bereits reichen. Der Speicher lässt sich in gut zweieinhalb Stunden aufladen und gewinnt auch durch Rekuperation Energie. Die Abwärme des elektrischen Antriebs wird zum Heizen genutzt, auch das spart Kraftstoff.

Fazit: Audi ist in der E-Mobilität einen großen Schritt weitergekommen. Aber eben noch nicht so weit, dass Strom den Kampf gegen Kraftstoff gewonnen hat.
 

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