Rutschpartie nach Polen

Ziel fast immer erreicht
Ziel fast immer erreicht

von
13. Januar 2008, 03:40 Uhr

Dezember 1978 zu Januar 1979. Mit unserem 500er Trabant fahren wir zum Jahreswechsel zur Verwandtschaft nach Slupsk (Stolp) in Polen. Trotz Wetterwarnung vertrauen wir unserem Trabbi.


Improvisationskunst verlangt
Hinter Güstrow leuchtet die Ladekontrolle! Bei einsetzendem Schneetreiben, hinter einer Zeltbahn, die mein Sohn und meine Frau halten, schraube ich die lockere Lichtmaschine wieder fest. Meine Frau warnt vor einer Weiterfahrt. Ortsausgang Teterow, vorne links sind die Bremsbacken fest! Eine Werkstatt hilft uns, sind aber auch wetterskeptisch. Bei stärker werdendem Schneetreiben kommen wir bis Prenzlau. Bruch des Spannbügels der Lichtmaschine! Aus Koppeldraht fertige ich einen neuen Spannbügel.


Auf Fußmatten über die Oder
Die Grenzer in Pomellen kontrollieren nur noch aus einer Fensterluke! Wir sind weit und breit das einzige Fahrzeug. Die bergige Asphaltstraße über die Oder ist total vereist. Meine Frau und mein Sohn legen abwechselnd die Fußmatten vor die Vorderräder, bis ich ein Antriebsrad auf den Randstreifen habe. Oben angekommen muss ich auf meine kriechende Frau und unseren Sohn, der auch kriecht, warten. Bis Slupsk lief dann alles gut ab. Nachdem unsere Schwiegertochter dort zugestiegen war, fuhren wir trotz Warnung ihres Onkels weiter. Im Dorf Potengowo, etwa 30 km in Richtung Lebork (Lauenburg) bogen wir zum Dorf Stowiecin, unserem Zielort ab.

Vom polnischen Trecker durch Schneewehen gezogen
Nach kaum drei Kilometern saßen wir in einer 70 bis 80 cm hohen Schneewehe fest. Es half kein Schaufeln mit den Radkappen. Ein polnischer Treckerfahrer zog uns dann über gepflügte, aber verschneite Ackerflächen bis die Straße etwas frei war. Was wir und der 500er Trabbi aushielten ist nicht zu beschreiben. In Stowiecino wurde dann ohne Strom und Wasser ausgiebig Silvester bei hoher Schneelage und Frost gefeiert.

Mit gerissenen Bremsleitungen zurück
Unsere Rückfahrt begann im Schlepp hinter einer Raupenzugmaschine. Bei einem Stopp kurz vor der nach Slupsk führenden Hauptstraße merkten wir dann, dass unsere Bremsleitungen bei der „Ackerfahrt“ total defekt und auch abgerissen waren. Durch den kalt bleibenden Motor hatten wir jetzt weder Bremsen noch Heizung, aber ab da brauchte meine Frau den dicken Schafpelzmantel nicht mehr! Ohne Heizung, keine Bremse und tiefe Fahrspuren in den verschneiten Straßen. Einen um Hilfe winkenden Polen musste ich stehen lassen, denn ich durfte einfach nicht anhalten.

Unsere Hoffnung auf bessere Straßen in der DDR zerschlugen sich ab Pomellen. Von den Telegrafenmasten sahen wir nur die so genannten Puppen! Ein Räumpanzer der NVA hatte uns die Weiterfahrt ermöglicht. Unser 500er Trabbi brachte uns trotz der Pannen wieder heil nach Schwerin. Er war klein, schwach im Motor, aber unkompliziert und leicht reparierbar.

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