Studie : Probleme beim Einparken

Eine Rückfahrkamera hilft gegen die schlechte Rundumsicht moderner Autos.
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Eine Rückfahrkamera hilft gegen die schlechte Rundumsicht moderner Autos.

Große Autos, kleine Parklücken und schlechte Rundumsicht führen zu vielen Kollisionen.

svz.de von
12. September 2015, 09:13 Uhr

Fahrer großer Pkw sind am häufigsten von Parkunfällen betroffen. Der Anteil von Vans- und SUVs liegt bei Park- und Rangierunfällen um rund 30 Prozent höher als bei Fahrzeugen der Klein- und Kompaktwagenklasse. Zudem haben solche Unfälle in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 30 Prozent zugenommen, ergab ein Forschungsprojekt des Allianz Zentrums für Technik (AZT) und des Automobilzulieferers Continental. Rund 3500 Unfälle wurden dafür ausgewertet.

Nach Meinung der Wissenschaftler ist aber nicht nur die mangelhafte Beherrschung des Fahrzeuges Ursache der vielen Parkunfälle von Van-Fahrern. Es gibt auch objektive Gründe. So sind die Parkflächen nicht mit den Autos gewachsen. „In den letzten Jahrzehnten sind die Fahrzeuge tendenziell breiter und länger geworden“, heißt es in der Studie. Nach der aktuellen Mustergaragenverordnung der Bundesländer ist eine Stellplatzbreite von 2,30 Meter vorgesehen. Autoclubs empfehlen hingegen eine Breite von 2,50 Meter.

Da ist es kein Wunder, dass Vans und SUV in öffentlichen Garagen zum Ärgernis werden, weil sie gleich zwei Parkflächen belagern. Auch die Rundumsicht im modernen Pkw wird immer schlechter. Hohe Rückenlehnen, breite Kopfstützen und kleine Fenster sind die Ursache. Solches Design ist aber nicht nur einem höheren Komfort, sondern auch einer höheren passiven Sicherheit geschuldet.

Laut der Studie kracht es überwiegend beim Rückwärtsfahren. Dabei würden ältere Verkehrsteilnehmer ab 65 Jahren ein Drittel mehr Park- und Rangierschäden als 25- bis 64-Jährige verursachen. Personenschäden sind dabei selten (vier Prozent), aber häufig schwerwiegend.

Insgesamt gehen mittlerweile rund 40 Prozent aller Pkw-Unfälle mit Sachschaden auf das Konto von Park- oder Rangierunfällen. Dabei entsteht in der Haftpflicht ein durchschnittlicher Schaden von rund 1700 Euro und in Vollkasko von circa 2100 Euro. Auch rechnen die Experten mit einer erheblichen Dunkelziffer. Viele Schäden würden den Versicherern gar nicht gemeldet werden, weil eine Abrechnung sich wegen der Senkung des Schadenfreiheitsrabatts nicht lohne. Und es wird ein hoher Anteil von Schäden vermutet, bei denen sich die Täter durch Unfallflucht entziehen.

Die Fahrer/innen können nach Meinung der Experten die Defizite der Umgebung und des Fahrzeuges kaum kompensieren. „Erst intelligente Fahrerassistenzsysteme wie automatisierte Parkhilfen und autonome Notbremssysteme für Rangiervorgänge werden künftig das Risiko deutlich minimieren“, glaubt Wolfgang Fey, der bei Continental für Fahrerassistenz zuständig ist. Auf heutige Warnsysteme für das Einparken sollten sich die Fahrer nicht „blindlings“ verlassen. Und genau prüfen, ab wann die Systeme Alarm schlagen. So erfassen Kameras und Radarwarner niedrige Hindernisse, wie Begrenzungssteine, hohe Bordsteine oder Poller, nicht in allen Fällen.

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