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Auto & Verkehr

19. Oktober 2017 | 20:25 Uhr

Honda NSX : Nippon-Renner unter Strom

vom
Aus der Onlineredaktion

Honda kehrt mit dem 581 PS starken NSX in die Liga der Supersportwagen zurück. Einzigartiger Hybrid-Antrieb mit 3,5-Liter-V6 und drei Elektromotoren

Honda kehrt elf Jahre nach dem Ende der ersten NSX-Baureihe in die Champions League zurück. Die rare Spezies der Supersportwagen kennzeichnet ein sechsstelliger Preis, das Vermögen, die 300-km/h-Marke zu knacken, überragende Fahrdynamik und ein Design, das nicht nur das Herz eines Zwölfjährigen beim Autoquartett hüpfen lässt. Das genügt den Japanern diesmal aber nicht. Für mindestens 180  000 Euro offerieren sie nun neben atemberaubenden Formen eine einzigartig komplexe Technik, die dazu führt, dass sich ein Supersportwagen so leicht wie noch nie sauschnell bewegen lässt.

Das Beschleunigen aus einer engen Kurve beispielsweise darf beim NSX weit vor dem Scheitelpunkt beginnen. Ein normaler Mittelmotorrenner liefe nun Gefahr, mit dem Heck ins Kiesbett zu streben. Der NSX hingegen wird wie von einer unsichtbaren Kraft sauber durch die Kurve gezogen. Das Geheimnis ist der Hybrid-Antrieb. Die Vermählung von Verbrenner und Elektrokraft dient hier kaum der Spriteffizienz, sondern der Performance, wie Chefingenieur Jason Widmer ehrlich zugibt: „Die elektrischen Komponenten unterstützen den konventionellen Motor und erhöhen die Fahrdynamik.“ Ein E-Motor schließt das Turboloch und fördert die 3,2 Sekunden Beschleunigungsorgie zwischen Stillstand und Tempo 100. Zwei weitere greifen ein, wenn am Limit Über- oder Untersteuern drohen und liefern in Millisekunden Drehmoment dorthin, wo es nötig ist.

Das Resultat ist ein extrem enger Kontakt zwischen Auto, Fahrer und Straße. Das Übermaß an Kraft und die intelligente Nutzung derselben lassen nie spüren, das hier eine immerhin 1763 Kilo schwere Fuhre unterwegs ist. Schnell baut sich Vertrauen zum Honda NSX auf. Er folgt Lenk- und Gasbefehlen mit einer Präzision und Willigkeit, als ahnte er sie voraus, gibt jederzeit exaktes Feedback und kündigt die Grenzen des physikalisch Machbaren freundlich, aber bestimmt an. Ganz neben bei sei erwähnt, dass die Nippon-Flunder die relevante Höchstgeschwindigkeit mit 308 km/h locker übertrifft.

Mit den Modi „Sport“, „Sport+“ und „Track“ des Fahrdynamikprogramm lässt sich der NSX schärfen: Gasannahme, Schaltstrategie des 9-Gang-Doppelkupplungsgetriebes, Lenkung und ESP-Toleranz lassen sich an individuelles Können anpassen. Ein Clou ist der „Quiet“-Modus. Der NSX kann schon standesgemäß von seiner Kraft trompeten. Aber er kann sich auch frühmorgens klammheimlich aus der Siedlung schleichen. Bei sensiblem Gasfuß und vollen Batterien fährt der NSX in „Quiet“ ein paar Kilometer rein elektrisch.

Überhaupt ist dieser Supersportwagen – abgesehen vom winzigen Gepäckfach im Heck – recht alltagstauglich. Im braven Modus federt der NSX komfortabel, nervt nicht mit Lärm und Vibrationen. Dank großer Türöffnung und niedrigen Schwellers fällt der Einstieg ungewöhnlich leicht. Sympathisch sind die kleinen Schrullen des NSX. Aufwendigster Aerodynamik und Antriebstechnik stehen die weitgehende Abwesenheit von Fahrerassistenz und ein prähistorisches Navi gegenüber. Man muss eben Prioritäten setzen.

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