Mit dem Trabant ins Winterland

Auch im Ausland oft Flagge gezeigt
Auch im Ausland oft Flagge gezeigt

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13. Januar 2008, 03:41 Uhr

Monsungelb war er. Diese Farbe hatte ich für ihn ausgesucht, und seit 1985 waren wir ein Paar: Mein funkelnagelneuer Trabbi und ich. Damals bereits seit zehn Jahren geschult im Umgang mit solch einem Straßenflitzer, startete ich zu Beginn der Weihnachtsferien 1986 mit meinem elfjährigen Sohn unsere Winterreise ins Thüringer Land.
Was hatte ich damals als allein erziehende Frau und Mutter neben dem Kofferpacken und dem vorzeitigen Einwickeln der Geschenke alles zu bedenken: Bremsflüssigkeit und Spritzwasser auffüllen, Reifendruck überprüfen, Reservekanister nicht vergessen. Eine Decke, die sich bei eisiger Winterkälte zum fürsorglichen Einpacken der Batterie eignete, gehörte ebenso zum Reisegepäck wie ein Leinenbeutel mit passenden Schneeketten. Und sogar unsere erzgebirgische Weihnachtspyramide reiste mit, denn sie sollte uns am Heiligabend nebst einer Dose selbstgebackener Kekse etwas Heimeligkeit in unsere Zweisamkeit bringen.


Moskwitsch, Lada oder Wartburg hinter sich gelassen
Der Morgen war klar und frostig, die Autobahn frei, wir kamen bestens voran. Gut fünf Stunden bis zum Hermsdorfer Kreuz, so hatte ich kalkuliert. Mein Söhnchen erwies sich wie immer als ausgezeichneter Beifahrer, der unseren Weg aufmerksam auf der Karte verfolgte. Als wir Weimar erreicht hatten und in Richtung Ilmenau abbogen, begann es leicht zu schneien. Trotzdem war ich zuversichtlich, denn ich hatte noch vom Jahreswechsel 1978/79 gut in Erinnerung, dass unser früherer Trabant uns aus dem Harz zuverlässig durch hohen Schnee zwar nicht in Rekordzeit, aber immerhin heimwärts brachte, während einige Moskwitsch, Lada oder Wartburg manövrierunfähig am Straßenrand standen.

Straße vom Winde im Schnee verweht
Bis Ilmenau war der Flockenvorhang noch zu durchschauen und unser Gelber marschierte tapfer durch den lockeren Schnee. Doch als wir hinter Neustadt links in die schmale Landstraße einbiegen mussten, waren die Straßenbäume für uns die einzige Orientierung. Es wehte quer über das Feld und die Fahrbahn verlief in Schlängellinie. Von Winterreifen war damals keine Rede, mein Trabbi hatte nur einfache Bereifung. Auch dachte ich an meine Schneeketten, die hinten im Kofferraum klapperten: Aufziehen? Wie denn, allein, nur mit dem Kind? Auf schneeverwehter Landstraße? Und wie macht man das überhaupt? Hiervon hatte ich wirklich Null-Ahnung.

Mehr gerutscht als gefahren
Also: Weiterfahren, gleichmäßig Gas geben, nur bremsen, wenn nötig. Doch da begann der Gasbautenzug zu heulen. Schnee hatte sich dazwischen geklemmt und signalisierte Vollgas im zweiten Gang! Vorsichtig schalten. Weiter. Ein Auto kam mir im Zickzack-Kurs entgegen. Es rutschte mehr bergauf als es fuhr, unser Trabbi aber lief von Masserberg aus nach Fehrenbach hinab ins Tal. Schön machte er das. In Fehrenbach angelangt, musste ich halten, um nach dem Weg zu fragen. Von da an ging nichts mehr. Feriengäste schoben uns die Anhöhe ein Stück hinauf, die zum Ferienhotel führte.

Unter Schneeberg gut eingepackt
Die Ferientage verbrachten wir meist auf Skiern, denn auch die an Schnee gewöhnten Fehrenbacher wussten bald nicht mehr, wohin mit der weißen Pracht. Also merkten wir uns: Auf der Parkfläche ist der dritte Schneehaufen von links unser Gelber. Silvester befreiten wir ihn von der weißen Last, denn es war Tauwetter angesagt. Die Batterie, in den Ferientagen gut eingepackt, startete problemlos bereits einen Tag früher, am Neujahrsmorgen, zur Rücktour. Eventuelles Hochwasser fürchtend dachte ich: Die Schneeprobe hat er bestanden, aber schwimmen kann auch unser Trabbi nicht.

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