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American International Auto Show : Mercedes beherrscht die Bühne in Detroit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Krisenstadt auf Erholungskurs / Stuttgarter zeigen auf der NAIAS 2015 die meisten Neuheiten / GLE Coupé startet als erster Vertreter der M-Klasse-Nachfolger

svz.de von
erstellt am 23.Jan.2015 | 21:48 Uhr

Wie immer um diese Zeit pfeift durch Downtown Detroit ein eisiger Wind. Dennoch zeigt der Ort ein freundlicheres Gesicht als noch vor einem Jahr – nicht nur dank des immer noch hängenden weihnachtlichen Lichterschmucks. „Motorcity“ wirkt im Januar 2015 nicht mehr wie eine postindustrielle Geisterstadt. In einige der lange verwaisten Wolkenkratzer aus den 1920er Jahren kommt Leben, es sind wieder gewöhnliche Fußgänger unterwegs und nicht nur Gestalten, denen man lieber aus dem Weg geht, auch bei Tageslicht. Auf der Eislaufbahn am Campus Martius Park herrscht reges Treiben, ringsum sind die Buden mit heißen Getränken gut besucht. Auf der Woodward Avenue haben neue Läden eröffnet. Allmählich erholt sich die einstige Welthauptstadt des Automobils von Niedergang und Pleite. Allerdings wirkt Detroit, das von zwei Millionen auf 700  000 Einwohner schrumpfte, noch nicht wie das „Paris of the midwest“, wie uns die Eigenwerbung weismachen soll.

Das wissen auch die Einheimischen, die sich gerade als Shuttle-Fahrer während der North American International Auto Show (NAIAS) etwas dazu verdienen. Michael, der sonst als schlecht bezahlter Verkäufer der Drogeriekette CVS arbeitet, berichtet: „Die Leute kommen nach Detroit zurück. Es gibt mehr Arbeit. Neue Geschäfte, gute Restaurants und Musikkneipen. Es geht aufwärts. Sehr langsam, aber wir sind geduldig in Detroit.“

Ein Lichtblick für die tapferen Ur-Detroiter ist alle Jahre wieder die Glitzershow in der Cobo Hall. Die NAIAS funkelt 2015 selbstbewusst wie lange nicht – die Autobranche boomt in den USA. Und so ist die Detroiter Messe alles andere als eine Öko-Schau. SUV’s, Pick-ups und Supersportwagen beherrschen die Stände. Einen der prunkvollsten, gleich rechts neben dem Eingang, betreibt Mercedes-Benz. Konzernchef Dieter Zetsche kommt besonders gern nach Detroit, wo er lange tätig war. Er freut sich über den Aufschwung in „meiner zweiten Heimat“. Und er berichtet hier stets von guten Zahlen. Um 13 Prozent legten die Verkäufe der Sternmarke in Nordamerika im Vorjahr zu. Damit es so weitergeht, kündigte Zetsche eine Modelloffensive an: „2015 wird das Jahr des SUV – mit vier neuen und modellgepflegten Fahrzeugen.“ In Detroit ließ er schon mal das GLE Coupé auf die Bühne rollen, den ersten Vertreter der neuen SUV-Baureihe, die der M-Klasse folgt. Das klassische M-Modell fährt zunächst weiter, firmiert nach einem Facelift im April aber bereits als GLE.

Die neue Namensgebung sieht vor, dass die SUV sich an den Limousinen-Baureihen A-, C-, E- und S-Klasse orientieren. Der neue GLK, der noch in diesem Jahr kommt, wird demnach zum GLC. Der große GL erscheint nach der Modellpflege als GLS.

Zunächst eröffnet aber das GLE Coupé das neue Jahr. Dass hier ein Derivat dem eigentlichen Grundmodell weit vorauseilt, hat gute Gründe. Bei Mercedes fehlte bisher ein Widerpart zum BMX X6. Die Münchner hatten das große SUV-Coupé erfunden und sich viel Kritik eingehandelt, aber auch enormen Erfolg – gerade ist der zweite X6 erschienen. Höchste Zeit für Mercedes, auf den Zug aufzuspringen. Das GLE Coupé wirkt weniger klotzig als der BMW, die Interpretation der umstrittenen SUV-Gattung ist hier sehr elegant geraten. Die Leistungswerte der Diesel und Benziner reichen von 258 bis 585 PS. Das heißeste Modell ist das AMG GLE 63 Coupé 4matic mit einem 5,5-Liter-Biturbo-V8: „Dieses Auto ist ein Raubtier“, schwärmte Mercedes-Vertriebschef Ola Källenius über den Renner, der in 4,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h sprintet.

Im reichhaltigen Mercedes-Neuheitenpaket findet sich auch ein Spritsparwunder: Der C350 Plug-in-Hybrid fährt 31 Kilometer rein elektrisch und kommt mit der Benzin-/E-Motor-Kombination auf 279 PS bei 600 Nm maximalem Drehmoment. Der Normverbrauch liegt bei nur 2,1 Litern, entsprechend 48 g CO2/km.

AMG bereichert die C-Klasse mit dem C  450 AMG 4matic, der von einem 3,0-Liter-V6-Biturbo mit 367 PS angetrieben wird. Im März kommt der CLA Shooting Brake zu Preisen ab 29  810 Euro zu den Händlern. Für das elegante Kombi-Coupé der Kompaktbaureihe stehen zwei Diesel- und vier Benziner (122 bis 360 PS) zur Wahl. Außerdem in Detroit zu sehen: die S-Klasse in der extra langen Maybach-Version und die Studie F015, die zeigt, wie luxuriös autonomes Fahren in Zukunft sein wird.

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