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Auto & Verkehr

19. November 2017 | 21:00 Uhr

E-Autos : Ladeprobleme im Mehrfamilienhaus

vom
Aus der Onlineredaktion

Ohne sichere Lademöglichkeit sind Elektroautos nicht attraktiv. Am praktischsten wäre eine Stromtankstelle direkt an der Wohnung, doch was für Hausbesitzer relativ einfach machbar ist, kann für Autofahrer, die zur Miete oder als Wohnungseigentümer in Mehrfamilienhäusern wohnen, unter Umständen unmöglich sein.

Mehr als neun Millionen solcher Wohnungen gibt es in Deutschland, zu ihnen gehören rund vier Millionen Pkw-Stellplätze und damit vier Millionen potenzielle Ladepunkte. Doch da beginnen die Probleme. Die Ladestation in der Tiefgarage oder auf dem Gemeinschaftsparkplatz ist teuer, die Eigentümergemeinschaft muss von der Investition überzeugt werden. Sie muss ihre Zustimmung geben – ob einstimmig oder mit definierter Mehrheit, ist umstritten. Ersteres wäre der Fall, wenn es sich rechtlich gesehen um eine „bauliche Maßnahme“ handelte. Weniger Verbündete bräuchte man bei einer Modernisierung. „Selbst die Rechtsprechung und die Experten sind sich nicht einig, wie der Einbau einer Ladeinfrastruktur beschlossen werden muss“, erläutert Martin Kaßler, Geschäftsführer des Dachverbandes Deutscher Immobilienverwalter (DDIV).

Dass sich in den Eigentümergemeinschaften Oppositionen gegen Ladestationen bilden, ist angesichts der Kosten nicht unwahrscheinlich. In älteren Gebäuden die Ladeinfrastruktur besonders teuer werden, weil dort das Stromnetz nicht für das Laden von Elektroautos ausgelegt ist.

„Wenn nur ein Fahrzeug an das Stromnetz angeschlossen wird, geht das vielleicht noch gut“, sagt Martin Kaßler. Bei mehreren E-Mobilen sei das Netz relativ schnell überlastet. So bliebe in vielen Fällen nur das Teilen der Anschlusskapazität unter mehreren E-Auto-Besitzern. Manuell – durch Umparken und Neuverkabeln – wäre das sehr unpraktisch. Ein Ladelastmanagement-System könnte den Wechsel automatisieren, ist aber extrem teuer. „Bei einer alten Strominfrastruktur ist die Erneuerung des Netzes wohl ohnehin die nachhaltigere und bessere Wahl“, rät Kaßler. Auch das kostet viel Geld.

Der DDIV fordert daher ein nationales Förderprogramm für die Installation einer Ladeinfrastruktur in Höhe von rund 100 Millionen Euro. Sonst würde ausgerechnet in den Städten, wo lokal emissionsfreie E-Autos am notwendigsten sind, ein erhebliches Potenzial für den Umstieg in die Elektromobilität brach liegen.

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