Abgas-Skandal : Kein Geld zurück bei VW-Rückruf

Ein Kfz-Meister lädt im Rahmen der Rückrufaktion zum Abgasskandal ein Software-Update f auf einen Volkswagen Amarok.
Ein Kfz-Meister lädt im Rahmen der Rückrufaktion zum Abgasskandal ein Software-Update f auf einen Volkswagen Amarok.

Die Nachbesserungen reichen aus. Betroffene VW-Kunden haben keinen Anspruch auf das Prinzip „Geld zurück“

svz.de von
03. März 2016, 12:00 Uhr

Durchschnaufen bei VW im Abgas-Skandal: Der Autobauer muss nach einer ersten Gerichtsentscheidung manipulierte Autos wohl nicht zurücknehmen. Das Landgericht Bochum nannte den Mangel der deutlich zu geringen Schadstoffangaben „nicht erheblich“ im rechtlichen Sinne. Denn zumindest beim Auto des Klägers – einem  gut ausgestatteten VW Tiguan mit einer Zwei-Liter-Diesel-Maschine  für 38 000 Euro – sei das Problem mit einem Software-Update für 100 Euro zu beheben. Eine Grundsatzentscheidung fiel dabei aber noch nicht.

VW kann sich damit vorerst in seinem Kurs bestätigt sehen, die Mängel in Europa mit einer groß angelegten Rückrufwelle und ohne Rückkäufe aus der Welt schaffen zu wollen. Falls die Nachrüstung nicht bei allen Wagen gelingt, gibt es noch die Möglichkeit der „Minderung“ – also einer finanziellen Entschädigung des Käufers für Wertverlust.

Das schärfste Mittel – die Rücknahme gegen Erstattung des Kaufpreises abzüglich Nutzungsentgelt – wollte das Gericht nicht vorschreiben.

Für Volkswagen wäre eine Rücknahmepflicht bei rund 2,5 Millionen betroffenen Autos allein in Deutschland auch sehr teuer geworden. Der Markt hätte die zahlreichen zurückgegebenen „Schummel-VW“ kaum aufnehmen können – der Preis wäre wohl zusammengebrochen, die Logistik für einen Export der Gebrauchtwagen höchst unrentabel. Und VW hätte Mittel in zweistelliger Milliardenhöhe aufwenden müssen, um Rückkäufe zu finanzieren. Für den bisherigen Rückruf, bei dem es europaweit bei 8,5 Millionen Wagen nur um das Nachbessern geht, stellte  der  Konzern 6,7 Milliarden Euro zurück.

Im Fall des Bochumer Klägers hatte dessen Anwalt zwischen 2500 und maximal 4000 Euro Abzug für die Nutzung des ein Dreivierteljahr alten Wagens ausgerechnet. Um die 34 000 bis 35 500 Euro hätte das Autohaus also bei der Rücknahme des VW Tiguan auf den Tisch legen müssen.

Schon wegen der enormen finanziellen Tragweite hatte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer den Klägern in Europa vorab wenig Chancen eingeräumt. Volkswagen könne gar nicht zurückweichen und werde in den vielen Verfahren bis zur letzten Instanz klagen, sagte er voraus.

Wie viel Frustration und verlorenes Vertrauen mitunter hinter den Klagen steckt, war gestern bei Gericht zu spüren. Der Kläger – ein Geschichtsprofessor – kaufe alle zwei Jahre einen Neuwagen, berichtete sein Anwalt. Er sei „verärgert und enttäuscht“, weil das Bochumer VW-Autohaus auf seine Beschwerde gar nicht reagiert habe.

Er habe den Wagen zum Jahresbeginn verkaufen wollen, das Auto sei derzeit aber ohne ruinöse Abschläge unverkäuflich. Außerdem befürchte er einen höheren Verbrauch und Leistungsverlust nach der Umrüstung.

Solche Sorgen der Kunden scheinen verbreitet – etwa beim VW-Fahrer Klaus Hermann, der als Zuschauer zum Prozess kam. Wie der Kläger fährt er einen Tiguan mit einem Zwei-Liter-Diesel für mehr als 35 000 Euro. „Ich will ihn zurückgeben. Ich glaube einfach nicht, dass er nach dem Update fährt wie vorher“, sagte Hermann.

Zweifel daran nährte vor Kurzem ein Test der Fachzeitschrift „Auto, Motor und Sport“ bei Amarok-Modellen. Sie schluckten nach dem Update so viel mehr Sprit, dass das nicht mehr mit einer Messtoleranz zu erklären war.

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