Trendauto Cabrio : Frische Brise

Aston Martin DB11 Volante.
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Aston Martin DB11 Volante.

Cabrios bieten bei schönem Wetter offenen Fahrgenuss. 2018 kommen wieder neue Modelle auf den Markt.

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24. Februar 2018, 16:00 Uhr

Der Trend zum Offenfahren scheint ungebrochen: 2017 waren rund 2,12 Millionen Cabrios in Deutschland zugelassen, Tendenz leicht steigend. 2010 waren es nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) erst 1,71 Millionen offene Fahrzeuge. „Cabrios emotionalisieren Automarken. Sie sind ein Art Erbe des Ur-Rennwagens, den man offen fuhr und dabei den Elementen ausgesetzt war“, sagt Paolo Tumminelli, Designprofessor an der TH Köln.

Cabriofahrer nehmen ihre Umwelt stärker wahr als Autofahrer in geschlossenen Fahrzeugen. „Cabriofahren ist das urautomobile Erlebnis. Es gibt deshalb wenig Marken, die der Versuchung widerstehen können, ein offenes Auto zu bauen.“ Allerdings habe sich die Bedeutung der Karosserievarianten geändert: „Zu Beginn der Automobilgeschichte waren offene Autos günstiger als geschlossene. Heute ist das anders. Cabrios gelten als exklusiver und sind teurer.“ Auch das Nutzungsverhalten in Autos hat sich stark geändert, vor allem seit Einführung der Smartphones. Immer mehr moderne Autos setzen auf große Displays, auf denen bei direkter Sonneneinstrahlung wenig zu erkennen ist. Autos gleichen heute rollenden Telefonzellen und Internetcafés, zumindest wenn sie geschlossen sind. Bei Cabrios nimmt die Sprachqualität wegen der Windgeräusche allerdings ab.

Für Prof. Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach, ist der große Cabrio-Boom, dagegen schon weder vorbei. „Mit einem Cabrio kann man ein bestimmtes Lebensgefühl wie Offenheit und Spaß transportieren, das zahlt sich zwar positiv auf eine Marke aus, aber der Trend geht eher zum Cocooning.“ Damit meint er, dass sich Autofahrer in gefühlt unsicheren Zeiten mehr schützen wollen. Ein Ergebnis davon sei der Trend zu immer mehr SUV. Bratzel geht nicht davon aus, dass dieser Trend bald wieder gebrochen wird. Dazu kommt der Preis. Denn auch wenn Cabrios meist von Volumenmodellen abgeleitet werden, sei die Entwicklung der offenen Derivate teuer. „Bei niedrigen Stückzahlen kann sich die Entwicklung unter Umständen für die Hersteller nicht rechnen“, sagt Bratzel. Deshalb investieren eher Premiumhersteller in teure Fahrzeuge, da sich ihr Engagement positiv auf die Marke auszahlt und sie aufwertet.

Interessierte sollten sich überlegen, ob ein Cabrio das richtige Auto für sie ist, rät Marcel Mühlich vom ACE Auto Club Europa. „Cabrios sind auf den ersten Blick cool, jedoch meist nicht rundum alltagstauglich“, sagt er. In der Regel bieten sie einen kleineren Kofferraum, eine kleinere Heckklappe und einen unflexiblen Innenraum.

Auch der Unterhalt kann im Vergleich zum geschlossenen Auto teurer sein: „Cabrios benötigen mehr Kraftstoff, weil sie schwerer als vergleichbare Fahrzeuge mit Dach sind.“ Die Karosseriestruktur müsse viel stabiler ausgelegt sein, um das fehlende Dach auszugleichen.

Auch der Luftwiderstand ist bei geöffnetem Dach höher.

Außerdem verlangen Cabrios mehr Pflege: „Das Verdeckgestänge muss bei vielen Konstruktionen regelmäßig geschmiert werden, eine Heckscheibe aus Kunststoff kann mit der Zeit matt werden und muss aufpoliert oder ausgetauscht werden“, sagt Mühlich. Auch die Gummidichtungen rund ums Verdeck und das Stoffverdeck selbst verlangen Pflege. Laternenparker sollten es drei bis vier Mal im Jahr imprägnieren.

Für Cabrios zahlen viele Besitzer aber weniger Versicherungsprämie, da sie oft nur saisonal gefahren werden und in verhältnismäßig wenige Unfälle verwickelt sind. Billig wird es dennoch nicht. „Vandalismusschäden in Form eines aufgeschlitzten Verdecks gehen schnell ins Geld“, sagt Mühlich. „Selbst beim Diebstahl von Dingen aus dem Auto wird ein aufgeschlitztes Verdeck von den Versicherungen oft als Vandalismus bewertet.“ Mühlich rät zur Vollkaskoversicherung.

Für viele Cabrios bieten Hersteller ein Hardtop an. Der Vorteil: Es ersetzt das Stoffverdeck im Winter und macht das Auto einbruchssicherer. Der Nachteil: Das Hardtop ist sperrig und muss im Sommer verstaut werden. Cabrios mit Metallfaltdach verbinden die Vorteile des Hardtops mit denen eines Faltdachs. „Allerdings muss man bei solchen Lösungen auf die klassische Cabrio-Optik verzichten, und die Auswahl auf dem Markt ist klein“, sagt Mühlich.

Hier fünf neue Cabrios für 2018:

ASTON MARTIN DB11 VOLANTE Die Engländer nennen die offene Version traditionell Volante. Der DB11 setzt auf ein schnell öffnendes Verdeck und einen V8-Motor mit 375 kW/510 PS. Von 0 auf 100 km/h rennt der Brite in 4,1 Sekunden, die Spitze liegt bei 300 km/h. Preis: rund 200 000 Euro.

BMW Z4 Im Sommer wird BMW eine neue Version des Roadsters Z4 präsentieren. Der Zweisitzer soll mit 1,4 Tonnen Leergewicht besonders leicht und sportlich sein. Seine Motoren leisten zwischen 135 kW/184 PS und 264 kW/360 PS, die Kraft wird an die Hinterräder verteilt. Preise sind noch nicht bekannt.

FORD MUSTANG CABRIO Die US-amerikanische Legende Mustang kommt 2018 als offene Version nach Deutschland – als Vierzylinder-Turbobenziner mit 231 kW/290 PS oder als starker V8 mit 331 kW/450 PS. Optional erhält der Mustang ein Zehnganggetriebe. Preis: ab 43 500 Euro.

MINI CABRIO Mini überarbeitet seinen Viersitzer nur leicht. Das Cabrio hat nun LED-Rückleuchten im Union-Jack-Design und optional ein Doppelkupplungsgetriebe. Der Kofferraum fasst 160 bis 215 Liter. Das Motorenangebot für den Zweitürer reicht von 75 kW/102 PS bis 141 kW/192 PS. Preis: ab 23 300 Euro.

MERCEDES S-KLASSE CABRIO Die offene S-Klasse setzt auf viel Platz und noch mehr Luxus. Unter der langen Motorhaube kommen V8- oder V12-Motoren zwischen 345 kW/469 PS und 463 kW/630 PS zum Einsatz. Preis: ab 143 472 Euro.

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